BMW senkt Prognose wegen China und Zöllen
Absatzplus in Europa und USA reicht nicht, Gewinn und Barmittel brechen ein

Verspätete Zollrückerstattungen und die anhaltende Schwäche auf dem chinesischen Automarkt zwingen BMW zu einer deutlichen Korrektur seiner Finanzprognose. Der Münchner Autobauer senkte seine Gewinnspanne im Kerngeschäft auf nur noch fünf bis sechs Prozent. Bisher war das Unternehmen von fünf bis sieben Prozent ausgegangen. Die Mitteilung erfolgte nur zwei Stunden nach der Veröffentlichung positiver Absatzzahlen, was die Märkte besonders überraschte. Während BMW im dritten Quartal deutliche Zuwächse verbuchte, musste Konkurrent Mercedes einen Rückgang von zwölf Prozent bei den Händlerauslieferungen hinnehmen.
In Europa und Amerika konnte BMW bis Ende September die Verkäufe steigern, doch die erhoffte Absatzsteigerung in China blieb aus. Der Konzern erklärte, die schwache Entwicklung in der Volksrepublik habe die Gesamtergebnisse stärker belastet als erwartet. Auf dem weltweit größten Automarkt verkaufte BMW in den ersten neun Monaten 11,2 Prozent weniger Fahrzeuge. Die Absatzprognosen für das vierte Quartal wurden daraufhin deutlich nach unten korrigiert. Hintergrund ist eine Immobilienkrise, die die Kaufkraft wohlhabender Chinesen schmälert. Hinzu kommt ein zunehmender Wettbewerb durch chinesische Hersteller, die bei Elektroautos erhebliche Marktanteile gewinnen.
Finanziell rechnet der Konzern nun mit einem Rückgang des Vorsteuerergebnisses um fünf bis knapp zehn Prozent gegenüber dem Vorjahr. Zuvor hatte BMW einen stabilen Gewinn erwartet. Auch der Barmittelzufluss fällt deutlich geringer aus: Statt mindestens fünf Milliarden Euro kalkuliert das Unternehmen nun mit mindestens 2,5 Milliarden Euro. Eine zentrale Rolle spielen dabei ausstehende Rückzahlungen von Zöllen, die ursprünglich für 2025 eingeplant waren.
BMW hatte angenommen, dass Zollrückerstattungen in dreistelliger Millionenhöhe von den US-amerikanischen und deutschen Behörden noch im laufenden Jahr erfolgen würden. Diese Gelder sollen nun erst 2026 fließen. Zwar hatten die USA und die Europäische Union vereinbart, Zölle rückwirkend zum 1. August zu senken, doch die Umsetzung in Europa steht noch aus. Derzeit müssen für Importe in die EU weiterhin zehn Prozent Zoll gezahlt werden.
Der Konzern hält an der Erwartung fest, dass die EU die Zölle ebenfalls rückwirkend auf null reduziert. BMW betreibt ein großes Werk in Spartanburg in den USA und exportiert von dort zahlreiche SUV-Modelle nach Europa. Umgekehrt liefert der Autobauer vor allem Limousinen in die Vereinigten Staaten. Die Ankündigung der Gewinnwarnung führte an der Börse zu einem deutlichen Kursrückgang: Die BMW-Aktie gab nachbörslich um mehr als fünf Prozent nach.
