BMW kämpft mit massivem Gewinneinbruch
Rückruf, Absatzschwäche in China und Furcht vor Strafzöllen belasten

BMW verzeichnete im dritten Quartal einen erheblichen Gewinneinbruch, der vor allem auf einen deutlichen Absatzrückgang in China und auf einen umfangreichen Rückruf zurückzuführen ist. Zwischen Juli und September erwirtschaftete der Autobauer einen Nettogewinn von 476 Millionen Euro, was einem Rückgang von knapp 84 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum entspricht. BMW-Chef Oliver Zipse sprach in diesem Zusammenhang von "außergewöhnlichen Belastungen". Auch der Umsatz des Unternehmens fiel um fast 16 Prozent auf 32,4 Milliarden Euro.
Als Hauptgrund für die schwierige Lage nannte BMW die "Kaufzurückhaltung in China", wo sich das Unternehmen nur schwer gegen die wachsende Konkurrenz einheimischer Autobauer behaupten kann. Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer sieht darin ein gemeinsames Problem der deutschen Hersteller. Auch Mercedes und Volkswagen seien von einem deutlichen Einbruch der Fahrzeugverkäufe betroffen. Dudenhöffer beschreibt die Situation der deutschen Autobauer als problematisch und vergleicht die schwindenden Gewinne mit „Schnee, der in der Sonne schmilzt“.
Zusätzlich zu den Absatzproblemen in China kamen technische Schwierigkeiten hinzu. BMW musste im September aufgrund von Problemen mit einem vom Zulieferer Continental gelieferten Bremssystem weltweit 1,5 Millionen Fahrzeuge zurückrufen oder deren Auslieferung stoppen. Infolgedessen korrigierte BMW seine Gewinnprognose für das laufende Jahr nach unten und rechnet mit einem deutlichen Rückgang des Vorsteuerergebnisses. Trotz dieser Probleme äußerte sich das Unternehmen zuversichtlich, im vierten Quartal die Lagerbestände abbauen zu können, und hält an der im September reduzierten Jahresprognose fest.
Finanzchef Walter Mertl kündigte an, dass BMW trotz der derzeitigen Schwäche an seinen Investitionsplänen festhalte. So sollen ab dem kommenden Jahr die elektrischen Fahrzeuge der Neuen Klasse vom Band laufen, die in einem eigens dafür gebauten Werk im ungarischen Debrecen produziert werden. Der Münchner Autobauer erhofft sich von dieser Modellreihe eine Stärkung seines Elektrogeschäfts. Im dritten Quartal konnte BMW den Absatz von Elektrofahrzeugen um etwa zehn Prozent steigern. Der Anteil der Elektroautos an der Gesamtproduktion liegt mittlerweile bei fast einem Fünftel.
Die Aussicht auf eine mögliche Rückkehr von Donald Trump ins Weiße Haus sorgt zusätzlich für Unsicherheit an der Börse. Die Aktienkurse der großen deutschen Autobauer, darunter BMW, Porsche, Mercedes-Benz und Volkswagen, gaben im DAX um bis zu 6,7 Prozent nach. Der europäische Autoindex verzeichnete ebenfalls ein Minus von bis zu 2,1 Prozent. Analysten befürchten, dass unter einer neuen Trump-Regierung Strafzölle auf deutsche Autos verhängt werden könnten, was zu einer weiteren Belastung für die ohnehin kriselnde Branche führen würde.
