BMW erhöht Druck auf Zulieferer
Nach zahlreichen Rückrufen setzt BMW auf verstärkte Qualitätskontrollen und Schulungen

Der BMW-Konzern hat in den letzten Jahren vermehrt mit Rückrufen von Fahrzeugen zu kämpfen, was zu einem zunehmenden Druck auf die Zulieferer geführt hat. Bereits seit Herbst 2023 werden etwa 200 Standorte von direkten Lieferanten in Europa verstärkt von BMW-Ingenieuren überwacht, um die Qualität der zugelieferten Teile zu gewährleisten. Das Unternehmen hat in Landshut einen speziellen Campus eingerichtet, auf dem ausgewählte Lieferanten in Workshops geschult werden, um operative Probleme und Performance-Defizite zu beheben. Dies stellt laut BMW eine der größten Qualitätsoffensiven in der Firmengeschichte dar.
Der zunehmende Qualitätsdruck auf die Zulieferer ist eine Reaktion auf zahlreiche Rückrufe, für die BMW die Mängel in den zugelieferten Komponenten verantwortlich macht. Allein Mitte August 2024 musste BMW 1,36 Millionen Fahrzeuge in China aufgrund potenziell defekter Airbags zurückrufen. Kurz darauf folgte in den USA der Rückruf von 720.000 Autos wegen der Gefahr von Kurzschlüssen aufgrund eines nicht ordnungsgemäß abgedichteten Wasserpumpenanschlusses. Im März 2024 waren in Deutschland fast 47.000 Fahrzeuge von einem Rückruf betroffen, der durch potenziell fehlerhafte Bremsen verursacht wurde.
BMW ist jedoch nicht der einzige Autobauer, der mit Rückrufen zu kämpfen hat. Der Volkswagen-Konzern hat derzeit Rückstellungen in Höhe von 27 Milliarden Euro für Produkthaftungen in seinen Büchern, während Mercedes Rückstellungen von 6,4 Milliarden Euro verzeichnet. Im Vergleich dazu hat BMW seine Rückstellungen für Gewährleistungen in den letzten fünf Jahren von 5,5 auf über 9,6 Milliarden Euro erhöht. Diese Rückstellungen belasten das Unternehmen erheblich, da jede zusätzliche Milliarde direkt den Gewinn und die Umsatzrendite schmälert.
Neben den Problemen mit der Mechanik wird die zunehmende Komplexität der Software in modernen Fahrzeugen als weiterer Faktor für die steigenden Rückrufzahlen angesehen. So musste beispielsweise Tesla von Januar bis August 2024 in den USA über vier Millionen Fahrzeuge zurückrufen, was einer Zunahme von 70 Prozent im Vergleich zum Vorjahr entspricht. Die Softwareprobleme und die daraus resultierenden Rückrufe sind ein Symptom der wachsenden Komplexität in der Automobilindustrie, die nicht nur BMW, sondern auch andere Hersteller betrifft.
Die deutsche Automobilindustrie, einst für ihre hohe Qualität bekannt, hat in den letzten Jahren deutliche Einbußen in der Zuverlässigkeit ihrer Fahrzeuge verzeichnet. In Studien zur Zuverlässigkeit und Reparaturanfälligkeit schneiden Marken wie Audi und Volkswagen mittlerweile schlecht ab. Das US-Marktforschungsunternehmen J.D. Power platzierte Audi in einer Studie zur Fahrzeugzuverlässigkeit auf den vorletzten Platz, direkt vor Chrysler. In Europa und den USA sind die Rückrufzahlen ebenfalls hoch, wobei BMW in den USA mit einer Rückrufquote von 623 Prozent besonders negativ auffällt.
