BHP bietet Anglo American reinen Aktientausch bei Übernahme an
Der australische Bergbauriese BHP will Anglo American per Aktientausch übernehmen – zu einem Verhältnis von 0,7097 BHP-Aktien je Anglo-Aktie.

Die BHP Group (ASX: BHP) hat ein Übernahmeangebot für den britischen Bergbaukonzern Anglo American (LON: AAL) unterbreitet. Das Angebot ist als reiner Aktientausch strukturiert und soll über ein sogenanntes „Scheme of Arrangement" abgewickelt werden – ein im britischen Gesellschaftsrecht gängiges Verfahren für Unternehmenszusammenschlüsse, das der Zustimmung der Aktionäre und eines Gerichts bedarf.
Gemäß dem Vorschlag würden Anglo-American-Aktionäre für jede gehaltene Aktie 0,7097 neue BHP-Aktien erhalten. Da es sich um einen reinen Aktientausch handelt, fließt kein Bargeld – die bisherigen Anglo-American-Anteilseigner würden stattdessen zu Miteigentümern des fusionierten Unternehmens.
Bedingung: Vorabveräußerung von Beteiligungen
Das Angebot ist jedoch an eine wesentliche Vorbedingung geknüpft. Anglo American muss vor dem Vollzug der Transaktion zunächst seine 78,6-prozentige Beteiligung an einem nicht näher genannten Tochterunternehmen abstoßen. Diese Bedingung ist für den Fortgang des Deals entscheidend und stellt eine erhebliche strukturelle Anforderung an Anglo American dar.
Beide Unternehmen werden von der Analyseagentur Morningstar als Konzerne ohne wirtschaftlichen Burggraben – im Fachjargon „No Moat" – eingestuft. Das bedeutet, dass keines der beiden Unternehmen über nachhaltige Wettbewerbsvorteile verfügt, die es dauerhaft vor Konkurrenz schützen würden. Im Rohstoffsektor ist dies keine Seltenheit, da Bergbauunternehmen in der Regel Preisnehmer auf globalen Märkten sind.
Strategische Bedeutung der möglichen Fusion
BHP ist bereits heute einer der weltgrößten Bergbaukonzerne mit Sitz in Australien und einem breiten Portfolio an Rohstoffen, darunter Eisenerz, Kupfer und Kohle. Anglo American ist ein bedeutender britischer Bergbaukonzern mit Aktivitäten in Bereichen wie Platin, Kupfer, Eisenerz und Diamanten. Eine Fusion beider Unternehmen würde einen der schwergewichtigsten Akteure im globalen Bergbausektor entstehen lassen.
Für deutsche Privatanleger ist das Geschehen relevant, da Anglo American an der Londoner Börse notiert ist und BHP auch an internationalen Börsenplätzen gehandelt wird. Zudem sind viele europäische Rohstoff-Fonds und ETFs in beiden Unternehmen investiert. Die Entwicklung des Deals könnte daher indirekt auch deutsche Depots berühren.
Ob Anglo American das Angebot annimmt oder ablehnt, ist derzeit noch offen. Das Unternehmen muss das Angebot prüfen und seinen Aktionären eine Empfehlung aussprechen. Angesichts der strukturellen Vorbedingungen und der Komplexität eines solchen Zusammenschlusses dürfte der Prozess noch einige Zeit in Anspruch nehmen.
