Berkshire: Greg Abel investiert 930 Millionen Dollar in Bending Spoons
Der Berkshire-CEO folgt der Buffett-Maxime vom wunderbaren Unternehmen zum fairen Preis – und stockt die Beteiligung an Bending Spoons auf.

Greg Abel ist seit rund zehn Monaten CEO von Berkshire Hathaway – doch mit dem Unternehmen ist er seit 1999 verbunden. In dieser Zeit konnte er sich jahrzehntelang von Warren Buffett inspirieren lassen. Nun hat Abel in den vergangenen Monaten 930 Millionen Dollar in eine einzige Aktie investiert: Bending Spoons.
Die Investmentholding aus Omaha hält damit rund vier Prozent an dem Unternehmen, das digitale Firmen erwirbt, bündelt und optimiert. Der Schritt folgt einer Maxime, die Buffett in einem Aktionärsbrief aus dem Jahr 1989 formulierte: "Es ist weitaus besser, ein wunderbares Unternehmen zu einem fairen Preis zu kaufen als ein faires Unternehmen zu einem wunderbaren Preis."
Diese Lektion hatte Buffett von Charlie Munger gelernt, der bis zu seinem Tod im Jahr 2023 als Vizevorsitzender von Berkshire fungierte. Munger vertrat die Auffassung, dass Wert nicht immer wie eine abgewertete Aktie aussieht, die der Markt aufgegeben hat. Abel scheint diesen Rat verinnerlicht zu haben.
Die Details
Im Juli investierte Berkshire 600 Millionen Dollar in den Börsengang (IPO) von Bending Spoons. In einer jüngsten Meldung an die US-Börsenaufsicht SEC wurde offengelegt, dass Berkshire zusätzliche 330 Millionen Dollar investiert hat. Daraus ergibt sich die Summe von 930 Millionen Dollar, die der Konzern in das Unternehmen gesteckt hat. Die Aktie notiert an der Technologiebörse NASDAQ unter dem Kürzel BSP.
Bending Spoons erwirbt oder bündelt digitale Unternehmen, optimiert diese und reinvestiert die Gewinne, um weitere digitale Unternehmen zu kaufen. Seit der Gründung im Jahr 2013 hat das Unternehmen 50 Firmen übernommen, darunter namhafte Namen wie AOL, Eventbrite und Vimeo. Alle drei wurden innerhalb der vergangenen zwei Jahre erworben.
Die operativen Ergebnisse sind stark. Im zweiten Quartal wuchs der Umsatz um 126 Prozent im Jahresvergleich auf über 704 Millionen Dollar. Der verwässerte Gewinn je Aktie stieg um 163 Prozent auf 0,28 Dollar. Die bereinigten Operating Margins lagen bei 54 Prozent.
Das Unternehmen hat Schulden aufgenommen, um Übernahmen zu finanzieren. Das Netto-Hebelverhältnis von Bending Spoons betrug 2,4x – ein Wert, der im Quelltext als bewältigbar und nicht besorgniserregend eingestuft wird.
Ein weiterer Aspekt ist der Einsatz künstlicher Intelligenz. Das Management ist optimistisch, KI in die gekauften Geschäfte einzubinden – trotz der Ansicht einiger Kritiker, viele der übernommenen Firmen seien alte Technologieunternehmen oder könnten nicht mit ihren Mitbewerbern konkurrieren. Bei Brightcove, einer cloudbasierten Videoplattform von Bending Spoons, wird KI eingesetzt, um automatische Übersetzungen, Audiospuren-Synchronisation und Live-Untertitel in über 50 Sprachen zu ermöglichen.
Hintergrund: Was bisher geschah
Bereits am 14.10.2026 berichtete aktien.news, dass Berkshire Hathaway seine Beteiligung an Bending Spoons um weitere 330 Millionen US-Dollar aufstockt und den Anteil damit auf vier Prozent erhöht. Die Aufstockung erfolgte über eine Platzierung, bei der Bending Spoons 10 Millionen gewöhnliche Aktien zu einem Kaufpreis von 33 US-Dollar pro Aktie ausgab.
Am 15.10.2026 folgte der Bericht, dass die Aktien von Bending Spoons am Mittwoch deutlich stiegen, nachdem der Anteil von rund vier Prozent bekannt geworden war. Die Kurse schossen in der späten Vormittagshandelsphase um 38 Prozent auf 52,36 Dollar. Das in Mailand ansässige Unternehmen bestätigte die neue Investition von 330 Millionen Dollar nach den 600 Millionen Dollar aus dem Juli-Börsengang.
Weiter zurück: Am 02.06.2026 meldete aktien.news den ersten bedeutenden Deal unter Abel – die Übernahme des US-Hausbauers Taylor Morrison Home für 6,8 Milliarden US-Dollar. Die Wall Street hatte gespannt auf diesen Schritt gewartet, seit Abel Anfang 2026 die Führung des Mischkonzerns übernommen hatte. Der Zeitpunkt war bemerkenswert, weil der US-Immobilienmarkt unter hohen Zinsen, anhaltender Inflation und Rezessionssorgen litt.
Am 11.08.2026 berichtete aktien.news, dass Abel im ersten Halbjahr 2026 netto rund 12 Milliarden Dollar in Aktien investierte. Zum Zeitpunkt der Übergabe belief sich der Cash-Bestand auf rund 369 Milliarden US-Dollar; am Ende des zweiten Quartals 2026 lag er noch bei etwa 360 Milliarden Dollar in Barmitteln und kurzfristigen US-Staatsanleihen. Die Aktienwerte von Berkshire Hathaway umfassten im zweiten Quartal rund 323 Milliarden Dollar.
Was das für Anleger bedeutet
Anleger sollten beachten, dass Berkshire die Aktien zu deutlich attraktiveren Niveaus kaufte als dort, wo sie heute notiert. Das Unternehmen wurde im Börsengang zu 29 Dollar pro Aktie bewertet, der jüngste Kauf von 330 Millionen Dollar erfolgte zu 33 Dollar pro Aktie. Zum Zeitpunkt der Veröffentlichung handelt die Aktie bei nahezu 54,50 Dollar und weist eine Marktkapitalisierung von fast 35 Milliarden Dollar auf.
Umsatz und Gewinne wachsen recht gut, doch die Bewertung ist anspruchsvoll: Die Aktie handelt zum fast 39-fachen der erwarteten Gewinne und zum 11,6-fachen der erwarteten Umsätze. Ob diese Bewertung angemessen ist, ist diskutabel – ein Schnäppchen ist die Aktie jedenfalls nicht.
Für deutsche Privatanleger ist die Botschaft zweigeteilt. Einerseits zeigt der Kauf, dass die Strategie von Bending Spoons eng mit der Wertphilosophie von Buffett und Berkshire übereinstimmt: Gesucht werden Unternehmen, die der Markt vielleicht aufgegeben hat, die aber solide fundamentale Grundlagen und gute Kapitalverwalter haben, die Aktionärswert freisetzen können. Andererseits liegt der Einstiegspreis von Berkshire deutlich unter dem aktuellen Kurs.
Der Quelltext nennt drei denkbare Vorgehensweisen: kleine Positionen aufbauen, die Dollar-Cost-Average-Methode anwenden oder die Aktie auf die Beobachtungsliste setzen und auf bessere Einstiegspunkte warten. Eine Kauf- oder Verkaufsempfehlung ist damit nicht verbunden.
Ausblick
Konkrete Termine für weitere Schritte nennt der Quelltext nicht. Klar ist die Stoßrichtung: Bending Spoons will die Gewinne reinvestieren, um weitere digitale Unternehmen zu kaufen, und das Management setzt auf den Einsatz künstlicher Intelligenz in den übernommenen Geschäften. Berkshire wiederum wird von einem CEO geführt, der seit 1999 im Unternehmen ist und die Maxime vom wunderbaren Unternehmen zum fairen Preis weiterverfolgt.
Kurz erklärt
- Börsengang (IPO): Der erstmalige Verkauf von Aktien eines Unternehmens an einer Börse.
- Netto-Hebelverhältnis: Kennzahl, die die Verschuldung eines Unternehmens ins Verhältnis zu einer Ertrags- oder Kapitalgröße setzt.
- Bereinigte Operating Margin: Operative Umsatzrendite, bei der Sondereffekte herausgerechnet werden.
- Dollar-Cost-Average: Anlagestrategie, bei der regelmäßig gleich hohe Beträge in ein Wertpapier investiert werden.
