Berichtssaison startet: Großbanken legen nächste Woche Quartalszahlen vor
JPMorgan, Goldman Sachs, Citigroup und Wells Fargo berichten am Dienstag – Anleger hoffen auf Rückenwind für den Aktienmarkt.

Die Berichtssaison für das dritte Quartal nimmt in der kommenden Woche richtig Fahrt auf. Mit Citigroup, Goldman Sachs, Wells Fargo und JPMorgan Chase legen gleich vier der größten US-Banken am Dienstag ihre Zahlen vor. Am Mittwoch folgen Morgan Stanley, Bank of America sowie der Vermögensverwalter BlackRock. Anleger erhoffen sich von den Ergebnissen frischen Rückenwind für einen Aktienmarkt, der zuletzt unter dem Druck steigender Anleiherenditen gelitten hat.
Für die Banken wird laut FactSet-Daten ein Gewinnwachstum von rund 10 Prozent erwartet – ein Wert, der ihrer historischen Entwicklung entspricht. Doch nicht nur die nackten Zahlen stehen im Fokus. Entscheidend dürfte sein, was die Bankvorstände über den Ausblick auf das laufende Quartal sagen – insbesondere zum Zustand der Konsumenten und zur Kreditvergabe in einem Umfeld mit höheren Ölpreisen und Renditen.
„Jede Form von Visibilität, die sie bieten können, wird dazu beitragen, entweder die Marktsorgen zu beruhigen oder sie zu verstärken", sagte Brian Leonard, Portfoliomanager des Keeley Gabelli Small Cap Dividend Fund. Die Aussagen der Bankchefs könnten damit kurzfristig mehr Gewicht haben als die Quartalsergebnisse selbst.
Starke Gewinne als Stütze für den Aktienmarkt
Der breitere Markt steht unter Druck. Sowohl die Renditen 10-jähriger als auch 30-jähriger US-Staatsanleihen stiegen zuletzt auf den höchsten Stand seit dem Jahr 2002 – ein Niveau, das Aktien strukturell unattraktiver macht und Bewertungen belastet. Der S&P 500 hatte in dieser Woche zunächst ein Allzeithoch erreicht, bevor der Renditeanstieg ihn wieder nach unten drückte. Am Ende der Woche stand dennoch ein Plus: Der Dow Jones legte 0,9 Prozent zu, der S&P 500 gewann 1,2 Prozent und der Nasdaq Composite stieg um 0,6 Prozent.
Unternehmensgewinne gelten als einer der Hauptgründe, warum Anleger trotz der beunruhigenden Rahmenbedingungen optimistisch geblieben sind. Laut FactSet-Analyst John Butters wird für den S&P 500 im dritten Quartal ein Gewinnwachstum von 29,6 Prozent erwartet. Sollten die Unternehmen die Schätzungen auf breiter Front übertreffen, könnte dieser Wert sogar auf 35 Prozent steigen. Das wäre das vierte Quartal in Folge mit einem Gewinnwachstum von über 25 Prozent – weit über dem historischen Zehn-Jahres-Durchschnitt von rund 12 bis 13 Prozent.
Das rasante Gewinnwachstum hat zudem einen positiven Nebeneffekt auf die Bewertungen: Das Forward-Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) des S&P 500 lag zuletzt bei rund 19, nach 22 am Jahresende 2024. Aktien erscheinen damit trotz der Rekordjagd angemessener bewertet als noch vor wenigen Monaten.
Allerdings warnen Marktbeobachter, dass starke Gewinne nicht automatisch zu starken Kursreaktionen führen. Während der letzten Berichtssaison im zweiten Quartal zeigte sich ein ungewöhnliches Muster: Aktien, die die Erwartungen übertrafen, entwickelten sich nicht so gut wie erhofft, während Aktien, die die Erwartungen verfehlten, weniger stark abgestraft wurden als üblich.
Inflation und Konsumenten im Fokus
Neben den Unternehmensberichten liefert die kommende Woche auch wichtige Konjunkturdaten. Am Mittwoch wird der Verbraucherpreisindex (CPI) für September veröffentlicht. Laut Konsensschätzungen von FactSet wird ein Anstieg der Gesamtinflationsrate auf 3,6 Prozent im Jahresvergleich erwartet – nach 3,4 Prozent im Vormonat. Die Kerninflation soll sich hingegen auf einen monatlichen Anstieg von 0,2 Prozent abgeschwächt haben, nach 0,3 Prozent im August.
Am Donnerstag folgen der Erzeugerpreisindex (PPI) für September sowie die Einzelhandelsumsätze. Bei der Großhandelsinflation wird ein monatlicher Anstieg der Gesamtrate um 0,5 Prozent erwartet, die Kerninflation soll um 0,25 Prozent zulegen. Bei den Einzelhandelsumsätzen rechnen Analysten mit einem deutlichen Rückgang auf 0,35 Prozent, nach einem kräftigen Plus von 1,2 Prozent im Vormonat.
Diese Datenpunkte werden Anlegern ein vollständigeres Bild davon vermitteln, wie stark der Konsument unter Druck steht und ob die positiven Kräfte ausreichen, um den Aktienmarkt in eine Jahresendrallye zu tragen – oder ob steigende Preise und Renditen die Stimmung weiter belasten.
Wochenkalender im Überblick
Die wichtigsten Termine der kommenden Woche auf einen Blick:
Dienstag, 13. Oktober:
NFIB-Index, ADP-Beschäftigungsänderung, Verkäufe bestehender Häuser; Quartalszahlen von Citigroup, Goldman Sachs, Wells Fargo, JPMorgan Chase, Johnson & Johnson, Domino's Pizza und UnitedHealth Group -
Mittwoch, 14. Oktober:
Verbraucherpreisindex September, Stundenlöhne und Wochenarbeitszeit; Quartalszahlen von Morgan Stanley, Bank of America, State Street, Progressive und BlackRock -
Donnerstag, 15. Oktober:
Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe, Empire State Index, Philadelphia-Fed-Index, Erzeugerpreisindex, Einzelhandelsumsätze; Quartalszahlen von Charles Schwab, U.S. Bancorp, PNC Financial, Bank of New York Mellon und Prologis -
Freitag, 16. Oktober:
Export- und Importpreisindex, Kapazitätsauslastung, Industrieproduktion; Quartalszahlen von Travelers, Citizens Financial, Regions Financial, M&T Bank und Truist Financial
Die kommende Woche dürfte damit richtungsweisend für die weitere Entwicklung an den Aktienmärkten werden – sowohl für die kurzfristige Stimmung als auch für die Frage, ob die Jahresendrallye noch Fahrt aufnehmen kann.
