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Berichtssaison als Katalysator: Warum der S&P 500 vor neuem Schub steht

Analysten erwarten fast 24% Gewinnwachstum im zweiten Quartal – doch hohe Erwartungen könnten auch zur Falle werden.

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Berichtssaison als Katalysator: Warum der S&P 500 vor neuem Schub steht

Die Berichtssaison für das zweite Quartal hat begonnen – und sie könnte der entscheidende Impuls sein, den der US-Aktienmarkt braucht. Der S&P 500 notiert seit Mai weitgehend seitwärts um die Marke von 5.500 Punkten, und Analysten von Yardeni Research sehen in starken Unternehmensgewinnen den nächsten Treiber nach oben. Seit Jahresbeginn hat der Index bereits rund 10% zugelegt – doch viele Investoren fragen sich, ob das schon alles war.

„Die Gewinne sollten den Aktienmarkt weiter antreiben", schreiben Ed Yardeni und Toby Hearst von Yardeni Research. Die Wall Street blickt gespannt auf die kommenden Ergebnisse und erwartet ein weiteres Quartal mit überdurchschnittlichem Wachstum. Den Auftakt machen die großen US-Banken, die traditionell als erste ihre Quartalszahlen vorlegen.

Hohe Erwartungen als zweischneidiges Schwert

Die Konsenserwartungen der Analysten beziffern das Gewinnwachstum im zweiten Quartal auf fast 24%, wie Daten von FactSet zeigen. Sollten sich diese Zahlen bestätigen, wären das zwei aufeinanderfolgende Quartale mit einem Wachstum von über 20% – ein beeindruckender Wert, der die Messlatte für positive Überraschungen jedoch entsprechend hoch legt.

John Butters von FactSet weist darauf hin, dass S&P-500-Unternehmen historisch gesehen dazu neigen, die Gewinnschätzungen zu übertreffen. Auf Basis der durchschnittlichen Verbesserungsrate könnte das tatsächliche Gewinnwachstum im zweiten Quartal sogar über 29% liegen. Das wäre laut Butters die höchste Rate seit dem vierten Quartal 2021, als das Wachstum bei 32% lag.

Genau diese hohen Erwartungen bereiten einigen Marktteilnehmern jedoch Sorgen. „Anleger könnten befürchten, dass die Erwartungen für die kommende Berichtssaison so hoch sind, dass der Markt bei einem Verfehlen dieser Ziele im Juli erneut einbrechen könnte, so wie es im Juni der Fall war", schreibt Yardeni. Das Analysehaus hält dennoch an seinem Kursziel von 8.250 Punkten für den S&P 500 bis Jahresende fest – ein Aufwärtspotenzial von rund 9% gegenüber dem aktuellen Niveau.

KI-Boom und unrealistische Renditeerwartungen

Besonders im Fokus steht der Technologiesektor des S&P 500, der eng mit dem Boom rund um Künstliche Intelligenz verknüpft ist. Einige Anleger hoffen bereits in dieser Berichtssaison auf eine konkrete Kapitalrendite aus den massiven KI-Investitionen der vergangenen Quartale. John Stoltzfus, Chef-Anlagestratege bei Oppenheimer, hält diese Erwartungen jedoch für „unrealistisch".

Stoltzfus zieht dabei Parallelen zu den späten 1990er Jahren, als Anleger bei Internetaktien ebenfalls eine sofortige Belohnung erwarteten – und oft enttäuscht wurden. „Geduld ist gefragt und sollte während des gesamten Investmentprozesses gefördert werden, insbesondere bei Gelegenheiten, die mit dramatischen Innovationen verbunden sind, die einen transformativen Charakter versprechen", heißt es in einem aktuellen Bericht von Oppenheimer.

Für deutsche Privatanleger, die in US-Aktien oder entsprechende ETFs investiert sind, bleibt die laufende Berichtssaison damit ein wichtiger Gradmesser. Die Fundamentaldaten der Unternehmen haben den Markt bisher auf Rekordniveau gestützt. Ob sie die Anleger auch diesmal überzeugen können, dürfte maßgeblich darüber entscheiden, wohin sich der S&P 500 in den kommenden Wochen bewegt.

  • Konsenserwartung Gewinnwachstum Q2: fast 24% (FactSet)
  • Mögliches tatsächliches Wachstum auf Basis historischer Verbesserungsrate: über 29%
  • Höchste Rate seit Q4 2021 (damals: 32%)
  • Yardeni-Kursziel S&P 500 bis Jahresende: 8.250 Punkte (+9% Potenzial)
  • S&P 500 seit Jahresbeginn: ca. +10%
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