Bayerische Genossenschaftsbanken wappnen sich für Baywa-Krise
Trotz drohender Abschreibungen zeigen sich die Banken widerstandsfähig und handlungsbereit

Die bayerischen Volks- und Raiffeisenbanken bereiten sich auf mögliche Wertberichtigungen bei ihrer Beteiligung an der Baywa vor, einem der größten Agrar- und Baustoffhändler Deutschlands. Der Verbandspräsident der Genossenschaftsbanken, Stefan Müller, betonte am Mittwoch, dass die Banken in der Lage seien, Verluste, die durch einen möglichen Wertverlust der Baywa-Anteile entstehen könnten, gut zu verkraften. Ob diese Abschreibungen tatsächlich notwendig werden, sei noch unklar, so Müller.
Die Genossenschaftsbanken in Bayern halten über ihre Beteiligungsgesellschaft BRB rund ein Drittel der Anteile an Baywa. Zusammen mit der DZ Bank, dem genossenschaftlichen Spitzeninstitut, hatten sie eine Beteiligung an der BRB-Holding für 120 Millionen Euro erworben. Nähere Informationen zu dieser Transaktion gaben weder der Verband noch die BRB bekannt. Die Baywa befindet sich seit Sommer in einer finanziellen Krise, die durch hohe Schulden und den Anstieg der Zinsen verschärft wurde. Eine Sanierung des Unternehmens ist nach einem ersten Entwurf eines Gutachtens des Beratungsunternehmens Roland Berger grundsätzlich möglich, jedoch nur unter bestimmten Voraussetzungen.
Der Baywa-Konzern, der weltweit in verschiedenen Bereichen von Apfelplantagen in Neuseeland bis hin zu Wind- und Solarparks aktiv ist, hatte sich während der Niedrigzinsphase stark verschuldet. Mit den steigenden Zinsen wurde der Schuldenberg von über fünf Milliarden Euro zu einer ernsthaften Belastung für das Unternehmen. In der Krise sicherten Banken und Eigentümer das Unternehmen vorübergehend mit einer Kapitalspritze von insgesamt 550 Millionen Euro ab. Laut Müller sei es jetzt entscheidend, Baywa in eine stabile Situation zu bringen, um die weitere Zukunft des Unternehmens zu sichern.
Das Sanierungsgutachten liegt bisher nur in einem ersten Entwurf vor, und der Verband hat diesen noch nicht einsehen können. Müller erklärte, dass man erst nach der Vorlage konkreter Vorschläge zu möglichen Restrukturierungsmaßnahmen eine genauere Einschätzung über das weitere Vorgehen treffen könne. Derzeit sei es vor allem wichtig, die Stabilität des Unternehmens sicherzustellen.
Etwa 90 Prozent der insgesamt 184 bayerischen Genossenschaftsbanken halten Anteile an der BRB. Das Engagement der einzelnen Institute variiert dabei. Bislang hat sich die BRB nicht zu möglichen Wertberichtigungen oder dem genauen Umfang des Engagements einzelner Banken geäußert.
