Bargeldzugang in Deutschland erschwert
Filialschließungen und weniger Geldautomaten belasten Bankkunden zunehmend

Bankkunden in Deutschland stehen zunehmend vor der Herausforderung, Bargeld abzuheben. Dies liegt daran, dass der Zugang zu Geldautomaten und Bankschaltern sich spürbar verschlechtert hat. Laut Burkhard Balz, Vorstandsmitglied der Bundesbank, zeigte eine Verbraucherbefragung, dass 15 Prozent der Befragten den Zugang zu Geldautomaten oder Bankschaltern als schwierig oder sehr schwierig empfinden. Vor zwei Jahren lag dieser Anteil noch bei sechs Prozent. Besonders betroffen sind die Kunden der großen Privatbanken wie der Deutschen Bank, Postbank, Commerzbank und Hypovereinsbank, von denen 30 Prozent den Bargeldzugang als problematisch bezeichneten – fast dreimal so viele wie bei der letzten Umfrage.
Für die Studie befragte das Meinungsforschungsinstitut Forsa zwischen Anfang September und Ende November 2023 rund 5700 Personen per Telefon. Die Teilnehmer dokumentierten ihr Zahlungsverhalten über einen Zeitraum von drei Tagen. Balz betonte, dass die Anzahl der Geldautomaten weiterhin sinkt. Ende Juni 2023 gab es noch 50.900 Geldautomaten in Deutschland, während es Ende 2022 rund 53.000 und im Jahr 2020 noch 57.000 waren.
Die Gründe für den Rückgang der Geldautomaten sind vielfältig. Einerseits nimmt die Nutzung von Bargeld in Deutschland ab. Zudem führen Banken und Sparkassen Filialschließungen durch, was oft auch den Abbau von Geldautomaten zur Folge hat. Darüber hinaus reagieren die Institute auf die zunehmenden Geldautomatensprengungen, insbesondere an gefährdeten Standorten. Nach solchen Sprengungen sind die betroffenen Automaten häufig für längere Zeit nicht nutzbar.
Dennoch gibt es inzwischen alternative Möglichkeiten, Bargeld abzuheben. In vielen Supermärkten können Kunden beim Einkauf Geld abheben, was laut Balz ein flächendeckendes Angebot darstellt. Allerdings verhandeln Handel und Banken derzeit über die Konditionen dieser Dienstleistung.
Ein weiterer Faktor, der den Rückgang der Bargeldnutzung verdeutlicht, ist die zunehmende Verbreitung von digitalen Zahlungsmethoden. Laut einer Umfrage der Bundesbank ist der Anteil der Barzahlungen über alle Transaktionen hinweg auf 51 Prozent gesunken, während er vor zwei Jahren noch bei 58 Prozent lag. Gemessen am Umsatz beträgt der Anteil der Barzahlungen lediglich 26 Prozent. Dagegen stieg der Anteil der Debitkartenzahlungen, einschließlich der in Deutschland beliebten Girocard, auf 27 Prozent (Umsatzanteil 32 Prozent). Berücksichtigt wurden auch Online-Käufe.
Andere Studien bestätigen diese Trends und zeigen, dass in vielen Euro-Ländern an Ladenkassen weniger mit Bargeld gezahlt wird, besonders in den Niederlanden und Finnland. In Italien, Spanien und Österreich ist der Anteil der Barzahlungen jedoch höher als in Deutschland.
Besonders deutlich ist der Anstieg der Smartphone-Zahlungen in Deutschland. Der Anteil stieg von zwei auf sechs Prozent, wobei vor allem 25- bis 34-Jährige mobile Bezahlverfahren nutzen. Bei dieser Altersgruppe beträgt der Anteil der Handy-Zahlungen 14 Prozent. Apple Pay dominiert hierbei als bevorzugte digitale Geldbörse. 40 Prozent derjenigen, die mit dem Smartphone an der Ladenkasse bezahlen, nutzen üblicherweise Apple Pay.
