Barclays Q3-Ergebnisse: Bank bleibt auf Kurs für ihre Jahresziele
Barclays steigert Umsatz um 3 Prozent und Gewinn vor Steuern um 12 Prozent, verfehlt die Analystenerwartungen aber knapp.

Die britische Großbank Barclays hat im dritten Quartal 2026 sowohl beim Umsatz als auch beim Ergebnis vor Steuern zugelegt – die Erwartungen der Analysten jedoch knapp verfehlt. Der Gesamtumsatz stieg um 3 Prozent auf 7,4 Mrd. Pfund, während der Konsens bei 7,6 Mrd. Pfund gelegen hatte. Getragen wurde das Wachstum von höheren Zinserträgen in den britischen Geschäftsbereichen des Instituts.
Das Ergebnis vor Steuern kletterte um 12 Prozent auf 2,3 Mrd. Pfund. Hier hatten Analysten 2,4 Mrd. Pfund erwartet. Gestützt wurde das Ergebnis durch niedrigere Abschreibungen, die höhere Betriebskosten ausglichen – darunter Restrukturierungsaufwendungen in Höhe von 201 Mio. Pfund.
An der Börse reagierten die Anleger zunächst gelassen: Die Aktien notierten im frühen Handel nahezu unverändert. Die Prognose für das Gesamtjahr 2026 ließ das Management unverändert. Der Bericht stammt von Hargreaves Lansdown News und wurde am 22. Oktober 2026 veröffentlicht.
Die Details
Ein genauer Blick auf die Zahlen zeigt ein gemischtes Bild. Auf der einen Seite steht ein Umsatzplus von 3 Prozent auf 7,4 Mrd. Pfund, das vor allem aus dem britischen Zinsgeschäft stammt. Auf der anderen Seite blieb das Institut mit diesem Wert unter der Markterwartung von 7,6 Mrd. Pfund.
Beim Vorsteuergewinn fiel der Zuwachs mit 12 Prozent auf 2,3 Mrd. Pfund deutlich aus, verfehlte die Konsensschätzung von 2,4 Mrd. Pfund aber ebenfalls leicht. Der Grund für die Belastung liegt in den Betriebskosten, die durch Restrukturierungsaufwendungen von 201 Mio. Pfund erhöht wurden. Diese Sonderbelastung wurde durch niedrigere Abschreibungen teilweise ausgeglichen.
Deutlich entspannter als erwartet entwickelte sich das Kreditrisiko. Die Abschreibungen auf Kreditwertminderungen sanken um 20 Prozent auf 503 Mio. Pfund, während Analysten 586 Mio. Pfund prognostiziert hatten. Nach Angaben des Instituts entsprechen diese Werte eher normalen Abschlagniveaus in der Investmentbank und in der US-Verbraucherbank.
Die Kapitalausstattung der Bank blieb stark. Die CET1-Ratio – die harte Kernkapitalquote – lag bei 14,2 Prozent und damit leicht unter der erwarteten Quote von 14,3 Prozent. Unter Einbeziehung des heute bekanntgegebenen neuen Aktienrückkaufs über 500 Mio. Pfund sinkt die Kennzahl auf 14,0 Prozent. Analysten hatten für das Rückkaufvolumen 579 Mio. Pfund erwartet.
Für das laufende Jahr bestätigte Barclays seine Prognose: Der Gesamtumsatz soll weiterhin bei rund 31,5 Mrd. Pfund liegen – exakt auf Höhe der Analystenerwartung von 31,5 Mrd. Pfund. Die Gesamtkosten werden für dieses Jahr auf rund 18,5 Mrd. Pfund geschätzt, für 2027 auf 18,4 Mrd. Pfund.
Zur Bewertung: Das vorwärtige Kurs-Gewinn-Verhältnis für die nächsten zwölf Monate liegt bei 6,8. Der zehnjährige Durchschnitt dieser Kennzahl beträgt 7,5. Die prospektive Dividendenrendite für die kommenden zwölf Monate liegt bei 4,2 Prozent und damit genau auf Höhe des Zehnjahresdurchschnitts von 4,2 Prozent. Alle Kennzahlen stammen aus dem LSEG Datastream und basieren auf den Schlusskursen des vorherigen Handelstages.
Hintergrund: Was bisher geschah
Die aktuellen Quartalszahlen sind Teil einer längeren Entwicklung bei der britischen Großbank. Bereits am 10. Februar 2026 berichtete aktien.news, dass Barclays ihre Mittelfristziele deutlich angehoben hat: Bis 2028 strebt das Institut eine Eigenkapitalrendite (Return on Tangible Equity) von über 14 Prozent an. Die neue Zielmarke lag damit deutlich über dem bisherigen Ziel von mehr als 12 Prozent für das laufende Jahr und der im Vorjahr erreichten Rendite von 11,3 Prozent. CEO C. S. Venkatakrishnan erklärte damals: "Unser Ziel ist es, bis 2028 und darüber hinaus nachhaltig höhere Renditen zu sichern."
Schon zuvor hatten die Analysten von JPMorgan die britischen Banken in den Fokus gerückt. Am 20. Januar 2026 berichtete aktien.news, dass die US-Investmentbank ihre Kursziele für die großen britischen Institute deutlich anhob und für Barclays ein Kursziel von 570 Pence nannte. Die Aktie wurde als "Top-Empfehlung" vor der Veröffentlichung der Quartalszahlen bestätigt, das Rating "Positive Catalyst Watch" blieb bestehen. JPMorgan erwartete, dass Barclays bei ihrem Investoren-Update einen Weg zu einer nachhaltigen Eigenkapitalrendite von 13 bis 14 Prozent bis 2028 aufzeigen würde.
Der Aktienmarkt reagierte in der Vergangenheit allerdings nicht immer positiv auf gute Zahlen. Am 30. Juli 2026 berichtete aktien.news, dass die Barclays-Aktie trotz starker Quartalszahlen um 7 Prozent fiel. Damals hatte die Bank die Analystenprognosen übertroffen, ihre Ganzjahresziele angehoben und ein Aktienrückkaufprogramm im Volumen von 1 Milliarde angekündigt. Hinzu kam ein Umsatzsprung im Aktienhandel von plus 45 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Der Grund für den Kursrückgang lag nicht in den Zahlen selbst, sondern in den Erwartungen, die bereits vor der Veröffentlichung in den Kurs eingepreist waren.
Erst am 16. Oktober 2026 meldete aktien.news, dass Barclays-Analysten in einem Forschungsbericht vom 14. Oktober europäische Versorgungsunternehmen vor der Berichtssaison favorisierten. Höhere Strompreise, ein steigender Stromverbrauch und Aufwertungen der Gewinnerwartungen könnten das Anlegerinteresse wieder auf die operative Performance lenken, hieß es damals.
Was das für Anleger bedeutet
Für deutsche Privatanleger, die in britische Bankaktien investiert sind oder ein Investment erwägen, liefert der Quartalsbericht mehrere Anhaltspunkte. Positiv hervorzuheben ist die unveränderte Jahresprognose: Barclays hält an einem Gesamtumsatz von rund 31,5 Mrd. Pfund fest und bestätigt damit die eigene Zielsetzung. Auch die deutlich gesunkenen Kreditwertminderungen von 503 Mio. Pfund sprechen für eine solide Kreditqualität im Quartal.
Gleichzeitig zeigen die verfehlten Erwartungen bei Umsatz und Vorsteuergewinn, dass die Messlatte hoch liegt. Die starke Kapitalausstattung mit einer CET1-Ratio von 14,2 Prozent und der neue Aktienrückkauf über 500 Mio. Pfund sind Signale für eine weiterhin robuste Bilanz. Anleger sollten jedoch beachten, dass Renditen variabel sind und kein zuverlässiger Indikator für zukünftige Erträge darstellen. Der vorliegende Artikel von Hargreaves Lansdown stellt ausdrücklich keine Beratung oder Empfehlung zum Kauf, Verkauf oder Halten einer Investition dar.
Ausblick
Für das Gesamtjahr 2026 bleibt es bei der bisherigen Guidance: rund 31,5 Mrd. Pfund Umsatz und rund 18,5 Mrd. Pfund Gesamtkosten. Für 2027 veranschlagt das Institut Gesamtkosten von rund 18,4 Mrd. Pfund. Damit signalisiert Barclays eine leichte Kostensenkung im kommenden Jahr. Weitere konkrete Termine oder neue Zielmarken nennt der vorliegende Bericht nicht.
Kurz erklärt
- CET1-Ratio: Eine Kennzahl, die das harte Kernkapital einer Bank ins Verhältnis zu ihren risikogewichteten Aktiva setzt und damit die Kapitalausstattung misst.
- Kurs-Gewinn-Verhältnis: Eine Bewertungskennzahl, die den Aktienkurs ins Verhältnis zum Gewinn je Aktie setzt.
- Dividendenrendite: Das Verhältnis der ausgeschütteten Dividende zum aktuellen Aktienkurs einer Gesellschaft.
- Aktienrückkauf: Der Erwerb eigener Aktien durch ein Unternehmen, wodurch sich die Zahl der ausstehenden Anteile verringert.
