Bankenkrise erschüttert die Schweiz nachhaltig
Ursachen, Managementfehler und Reformvorschläge nach dem Kollaps der Credit Suisse

Der Kollaps der Credit Suisse im Frühjahr 2023 hat weitreichende Konsequenzen für den Finanzsektor und das Image der Schweiz als sicherer Hafen für Vermögen. Eine parlamentarische Untersuchungskommission (PUK) hat nun die Ursachen analysiert und deutliche Versäumnisse in Management und Aufsicht aufgezeigt. In einem Abschlussbericht, der auf einer 18-monatigen Untersuchung basiert, werden zahlreiche Fehler und Missstände benannt.
Die Hauptverantwortung für den Niedergang der zweitgrößten Schweizer Bank tragen laut Bericht das Topmanagement und der Verwaltungsrat der Credit Suisse. Die Parlamentarier kritisieren insbesondere die Entscheidungen unter den Präsidenten und CEOs zwischen 2011 und 2021. Trotz anhaltender Verluste in Höhe von 33 Milliarden Franken zwischen 2010 und 2022 wurden im gleichen Zeitraum Boni in fast gleicher Höhe ausgezahlt. Skandale und wiederholte Milliardenverluste wurden nicht ausreichend adressiert, und Warnungen der Finanzaufsicht Finma wurden ignoriert.
Auch die Finanzaufsicht selbst gerät in die Kritik. Die PUK bemängelt, dass Sondererleichterungen bei den Eigenkapitalvorschriften ab 2017 es der Credit Suisse ermöglichten, notwendige Kapitalpuffer zu umgehen. Gleichzeitig habe die Finma es versäumt, frühzeitig Maßnahmen wie Tätigkeitsverbote für Verantwortliche zu ergreifen. Die Schweizer Nationalbank (SNB) hingegen wird für ihre vorausschauende Planung gelobt, darunter ein Programm für Liquiditätshilfen, das frühzeitig zur Krisenbewältigung beitrug.
Besonders schwerwiegend waren laut Bericht Versäumnisse auf Regierungsebene. Der Schweizer Bundesrat hatte es versäumt, rechtzeitig ein Gesetz für Liquiditätshilfen aus Steuermitteln zu verabschieden, obwohl Finma und SNB dies bereits seit 2018 gefordert hatten. Diese Lücke erwies sich im Herbst 2022 als fatal, als eine massive Abwanderung von Kunden die Bank an den Rand des Zusammenbruchs brachte. Zudem kritisieren die Parlamentarier die mangelnde Weitergabe von Krisenszenarien beim Wechsel des Finanzministers Ende 2022.
Die Untersuchungskommission formuliert 30 Lehren, um zukünftige Bankenkrisen zu vermeiden. Dazu gehören strengere Aufsichtsmaßnahmen, ein verbesserter Informationsaustausch und die Verhinderung falscher Anreize wie Boni bei ausbleibendem Geschäftserfolg. Die Schweizer Regierung hat bereits Reformen angestoßen, darunter erhöhte Eigenmittelanforderungen für die verbleibende Großbank UBS. Die Umsetzung gesetzlicher Änderungen wird in der ersten Hälfte des Jahres 2025 erwartet, während die UBS gegen strengere Kapitalanforderungen argumentiert, um ihre Wettbewerbsfähigkeit zu wahren.
