Bank of Japan vor nächster Zinserhöhung
Mehrheit der Ökonomen erwartet Schritt trotz politischer Unsicherheiten unter Premierministerin Takaichi

Die Mehrheit der von Reuters befragten Ökonomen rechnet damit, dass die Bank of Japan noch im vierten Quartal dieses Jahres ihren Leitzins anheben wird. Demnach dürfte die Notenbank ihren Kurs hin zu einer etwas strafferen Geldpolitik fortsetzen, obwohl mit Sanae Takaichi eine als fiskalpolitisch zurückhaltend geltende Politikerin das Amt der Premierministerin übernommen hat. Zwei Drittel der Befragten gehen davon aus, dass der Regierungswechsel die geldpolitischen Pläne der Zentralbank nicht aufhält.
Laut der zwischen dem 14. und 20. Oktober durchgeführten Umfrage erwarten 60 Prozent der Ökonomen, also 45 von 75 Befragten, dass die Bank of Japan den kurzfristigen Zinssatz im laufenden Quartal von derzeit 0,50 auf 0,75 Prozent anheben wird. Bis Ende März gehen nahezu 96 Prozent der Teilnehmer, also 64 von 67, von einem Zinsniveau von mindestens 0,75 Prozent aus. Unter den 35 Experten, die sich auf einen Monat festlegten, nannten 46 Prozent Januar kommenden Jahres als wahrscheinlichsten Zeitpunkt, 31 Prozent rechneten mit einer Anhebung im Dezember und 14 Prozent bereits im Oktober.
Nach Einschätzung von Kento Minami, leitendem Ökonomen bei Daiwa Securities, verschiebt sich die Mehrheitsmeinung im geldpolitischen Rat der Zentralbank zunehmend in Richtung Zinserhöhungen. Zwar könnten politische Unsicherheiten im Inland und eine schwankende Weltwirtschaft den Zeitpunkt eines Schritts verzögern, doch die Inflationsrisiken hätten durch die Abwertung des Yen zugenommen. Das Argument für eine frühere Zinsanhebung bleibe daher bestehen, sagte Minami.
An den Finanzmärkten wird derzeit eine Wahrscheinlichkeit von etwa 40 Prozent für eine Zinserhöhung bis zum Jahresende eingepreist. Premierministerin Takaichi kündigte nach ihrem Amtsantritt an, die Staatsausgaben in Schlüsselbereichen wie Energie und wirtschaftliche Sicherheit zu erhöhen. Sie sprach von „verantwortungsvollen und aktiven fiskalpolitischen Maßnahmen“, die die Widerstandsfähigkeit der Wirtschaft stärken sollen.
Unter den Ökonomen herrscht über die wirtschaftspolitischen Pläne der neuen Regierungschefin allerdings noch keine klare Einschätzung. Von den 27 Befragten, die sich zu einer Zusatzfrage äußerten, konnten sich 67 Prozent weder für noch gegen Takaichis Kurs aussprechen. Zugleich äußerten rund zwei Drittel der Befragten, 17 von 26, Bedenken hinsichtlich der Auswirkungen ihrer Politik auf die finanzielle Stabilität des Landes.
Junki Iwahashi, leitender Ökonom bei der Sumitomo Mitsui Trust Bank, erklärte, die Regierung habe angesichts des Verlusts ihrer Mehrheiten in beiden Parlamentskammern kaum eine andere Wahl, als eine expansive Fiskalpolitik zu betreiben, um die Unterstützung der Opposition zu sichern. Gleichwohl dürften Marktkräfte wie steigende langfristige Renditen eine Begrenzung fiskalischer Ausgaben erzwingen.
