Bank of Japan veröffentlicht neuen Inflationsindikator: Kern-VPI bei 2,2%
Die BoJ präsentiert erstmals einen bereinigten Kernpreisindex – als Signal für weitere Zinserhöhungen.

Die Bank of Japan (BoJ) hat am Donnerstag erstmals einen neuen Kernverbraucherpreisindex veröffentlicht, der Sonderfaktoren wie Mehrwertsteueränderungen und Energiesubventionen herausrechnet. Dieser bereinigte Indikator stieg im Februar im Jahresvergleich um 2,2% – deutlich mehr als der offizielle Kern-VPI des japanischen Innenministeriums, der lediglich 1,6% auswies.
Der Unterschied zwischen beiden Werten ist kein Zufall: Die BoJ will damit zeigen, dass die zugrunde liegende Inflation in Japan stabiler ist, als die Regierungsdaten auf den ersten Blick vermuten lassen. Analysten werten den neuen Indikator als gezielten Kommunikationsschritt der Zentralbank, um weitere Zinserhöhungen argumentativ zu untermauern.
BoJ-Gouverneur Kazuo Ueda hatte den Plan zur Einführung des neuen Inflationsmaßes bereits nach der jüngsten geldpolitischen Sitzung im März angekündigt. Er bezeichnete die Maßnahme als Teil einer breiteren Initiative zur Verbesserung der Transparenz und Kommunikation der Zentralbank.
Kern-Kern-VPI zeigt noch stärkeren Preisanstieg
Noch deutlicher fällt der sogenannte Kern-Kern-VPI aus, der zusätzlich die Energiepreise ausschließt. Bereinigt um Sonderfaktoren stieg dieser Wert um 2,7%, während die Berechnungsmethode der Regierung nur 2,5% ergab. Auch hier zeigt der BoJ-Indikator eine höhere zugrunde liegende Inflation.
Die BoJ erklärte, den neuen Index künftig monatlich zu veröffentlichen – jeweils zwei Tage nach den offiziellen landesweiten VPI-Zahlen. Damit schafft die Zentralbank eine regelmäßige Datengrundlage, die Marktteilnehmern und Analysten eine bessere Einschätzung der Preisentwicklung ermöglicht.
Für deutsche Anleger ist die Entwicklung in Japan besonders relevant: Die BoJ ist nach Jahren der Negativzinspolitik auf einem vorsichtigen Normalisierungskurs. Steigende Zinsen in Japan können globale Kapitalströme beeinflussen, da der Yen als wichtige Finanzierungswährung für sogenannte Carry-Trades gilt. Ein glaubwürdiger Inflationsnachweis der BoJ erhöht die Wahrscheinlichkeit weiterer Zinsschritte – mit potenziellen Auswirkungen auf Wechselkurse und internationale Anleihemärkte.
Der neue Preisindikator ergänzt die bestehenden Messgrößen, mit denen die BoJ binnennachfragegetriebene Inflation von kostenseitigen Preisschüben unterscheidet. Bisherige Indizes wurden zuletzt durch staatliche Subventionen zur Entlastung der Haushalte verzerrt – ein Effekt, den der neue bereinigte Index gezielt ausschließt.
