Bank of America warnt: Juni birgt Risiken für Aktienanleger
BofA-Strategen identifizieren mehrere Katalysatoren für Gewinnmitnahmen – darunter überraschenderweise Trumps 80. Geburtstag.

Die Strategen der Bank of America haben eine Reihe von Ereignissen im Juni als potenzielle Auslöser für eine Reduzierung des Aktienengagements identifiziert. In einem wöchentlichen Bericht warnt das Institut, dass der frühe Juni ein „reifer Zeitpunkt für Gewinnmitnahmen" sei. Hintergrund ist eine zunehmende Überhitzung der Märkte über verschiedene Anlageklassen hinweg.
Besonders auffällig auf der Liste der Katalysatoren: der 80. Geburtstag von US-Präsident Donald Trump am 14. Juni. Neben diesem ungewöhnlichen Eintrag nennt die BofA konventionellere Ereignisse – ein OPEC-Treffen am 7. Juni, den Beginn der Fußball-Weltmeisterschaft am 11. Juni, einen G7-Gipfel am 15. Juni sowie die erste Fed-Sitzung unter dem neuen Notenbankchef Kevin Warsh am 17. Juni.
Trumps Geburtstag als politisches Signal
Die Aufnahme des Geburtstags war dabei weniger skurril, als sie auf den ersten Blick erscheint. Die BofA-Analysten verweisen darauf, dass Trumps Zustimmungswerte in Bezug auf die Inflation auf 30 Prozent gefallen seien – ein Niveau nahe den Tiefstständen unter seinem Vorgänger Biden. „Extreme Politik = extreme Kursbewegungen an der Wall Street; aber der Zorn der Main Street über mangelnde Erschwinglichkeit und Ungleichheit ist der schnellste Weg, die Wählerschaft zu verlieren", so die Analysten der BofA.
Daraus leiten die Strategen ein mögliches Szenario ab: Ein politischer Kurswechsel angesichts steigender Inflation könnte im Jahr 2027 zu einem massiven Umschichten von Chip- und Rohstoffwerten in den Konsumgütersektor führen. Diesen Trend bezeichnen die Analysten als „Langläufer".
KI-Rallye treibt Märkte in gefährliches Territorium
Die Wall-Street-Indizes hatten zuletzt eine Reihe von Rekordhöhen erreicht, angetrieben von der Stärke bei Technologie- und Chipaktien inmitten des anhaltenden Hypes um künstliche Intelligenz. Die BofA erwartet, dass die Kapitulation der Bullen bei Aktien und Technologie innerhalb weniger Wochen abgeschlossen sein werde.
Besonders alarmierend ist dabei die Bewertung des Halbleitersektors: Der Philadelphia Semiconductor Index notierte zuletzt 62 Prozent über seinem gleitenden 200-Tage-Durchschnitt. Laut BofA ist eine solche Abweichung nur mit dem Nasdaq auf dem Höhepunkt der Dotcom-Blase und dem französischen Markt während der Mississippi-Blase von 1720 vergleichbar – ein historisch einmaliger Ausreißer.
Inflation als größte Gefahr für Aktionäre
Neben der Überbewertung im Technologiesektor warnt die BofA eindringlich vor den Inflationsrisiken. Die US-Verbraucherpreisinflation sei auf dem Weg, bis zu den Zwischenwahlen im November die Marke von 5 Prozent zu überschreiten – sofern die monatlichen Zuwächse ihr jüngstes Tempo beibehalten.
Die historischen Daten sprechen dabei eine deutliche Sprache: Nach dem Überschreiten der 4-Prozent-Marke beim Verbraucherpreisindex (VPI) ist der S&P 500 in den folgenden drei Monaten im Durchschnitt um 4 Prozent gefallen, über sechs Monate sogar um 7 Prozent. Für deutsche Anleger mit US-Aktienengagement ist das eine relevante Warnung.
Sorgen über hohe Inflation und steigende Zinsen haben die Renditen von US-Staatsanleihen im vergangenen Monat bereits kräftig nach oben getrieben. Die 30-jährige US-Rendite erreichte dabei den höchsten Stand seit 2007. Ein anhaltender Anstieg der Anleiherenditen könnte die Aktienmärkte weiter verunsichern und eine Umkehr der jüngsten Rallye auslösen.
