Bank of America: Gewinnverfehlung und 1,2-Milliarden-Strafe belasten die Aktie
Die Bank of America verfehlt im dritten Quartal die Erwartungen und reagiert auf eine staatliche Geldstrafe von 1,2 Milliarden US-Dollar.

Die Aktien der Bank of America (BofA) sind am Mittwoch auf ein Fünf-Monats-Tief gefallen. Auslöser war das Zusammentreffen einer massiven staatlichen Geldstrafe in Höhe von 1,2 Milliarden US-Dollar mit einem Quartalsbericht, der die Erwartungen des Marktes verfehlte. Als Gründe für die Gewinnverfehlung nannte das Institut Schwächen in den Bereichen Investmentbanking und Handel.
Für die Anleger kam die doppelte Belastung zu einem ungünstigen Zeitpunkt. Der Bankenriese reagierte auf die Nachricht über die staatliche Geldstrafe und den enttäuschenden Gewinnbericht mit einem deutlichen Kursrückgang auf das tiefste Niveau seit fünf Monaten. Damit steht die Frage im Raum, ob die Schwäche nur einzelne Geschäftsfelder betrifft oder ob der Druck auf die Erträge breiter wird.
Ein genauerer Blick auf die Quartalszahlen zeigt jedoch ein gespaltenes Bild. Denn obwohl Investmentbanking und Handel enttäuschten, meldete das Unternehmen im dritten Quartal Wachstum bei der gewerblichen Kreditvergabe und der Konsumentenkreditaktivität. Das werten Beobachter als Zeichen dafür, dass der jüngste Anstieg der Renditen bei Staatsanleihen und die Zinserhöhung der Federal Reserve im vergangenen Monat die Nachfrage nach Krediten noch nicht gedämpft haben.
Die Details
Im Zentrum der negativen Nachrichten steht eine staatliche Geldstrafe von 1,2 Milliarden US-Dollar. Sie traf die Bank of America zu einem Zeitpunkt, an dem das Institut ohnehin mit einem schwachen Kapitalmarktgeschäft zu kämpfen hat. Der darauf folgende Gewinnbericht für das dritte Quartal verfehlte die Erwartungen, wobei das Management Schwächen im Investmentbanking und im Handel als Hauptgründe anführte.
Diese beiden Sparten gelten als besonders konjunktursensitiv, weil sie stark von der Zahl und dem Volumen von Fusionen, Übernahmen und Kapitalmarkttransaktionen abhängen. Fällt das Deal-Geschäft schwächer aus, sinken die Gebühreneinnahmen spürbar, während die Kostenbasis weitgehend unverändert bleibt.
Dem steht ein robusteres Bild im Kreditgeschäft gegenüber. Die Bank of America verzeichnete im dritten Quartal Zuwächse bei der gewerblichen Kreditvergabe und bei der Konsumentenkreditaktivität. Unternehmen und Privatkunden fragten also trotz gestiegener Finanzierungskosten weiterhin Kredite nach.
Bemerkenswert ist dabei die Entwicklung der Kreditqualität. Die Rückstellungen für Kreditausfälle lagen nach Angaben des Instituts etwa auf dem Vorjahresniveau. Die Bonität der Schuldner blieb damit stabil, obwohl die Zinsen zuletzt gestiegen waren. Ein sprunghafter Anstieg der Ausfallvorsorge, wie er in Krisenzeiten typisch wäre, blieb aus.
Ein weiteres Detail betrifft die Investitionsbereitschaft der Kunden. Nach Einschätzung der Bank gibt es keine Anzeichen dafür, dass die höheren Zinsen die Nachfrage nach Krediten oder die Ausgaben für KI-Infrastruktur gedämpft haben. Gerade das Geschäft mit Rechenzentren und KI-Technologie gilt als Wachstumsfeld, in dem hohe Investitionen bislang weiterlaufen.
Hintergrund: Was bisher geschah
Die aktuellen Zahlen sind Teil einer Entwicklung, die sich bereits seit Wochen abgezeichnet hat. Bereits am 15.09.2026 berichtete aktien.news, dass die Bank of America die Erwartungen für das dritte Quartal gedämpft und damit für Unruhe an den Finanzmärkten gesorgt hatte. Wie CEO Brian Moynihan auf der Barclays Global Financial Services Conference mitteilte, dürften die Gebühren im Investmentbanking im Vergleich zum Vorjahresquartal um mehr als zehn Prozent auf 1,6 bis 1,8 Milliarden US-Dollar sinken. Im Vorjahr hatten diese noch bei zwei Milliarden US-Dollar gelegen. Die Erträge aus dem Handelsgeschäft sollten demnach auf dem Niveau des Vorjahres von 5,4 Milliarden US-Dollar stagnieren. Diese Prognose stand in starkem Kontrast zum zweiten Quartal, in dem die Bank noch einen Anstieg der Investmentbanking-Gebühren um 50 Prozent gemeldet hatte.
Am 16.09.2026 berichtete aktien.news, dass die globalen Finanzmärkte unter Druck geraten seien, nachdem Bank of America eine ernüchternde Prognose für das Investmentbanking abgegeben hatte. CEO Brian Moynihan löste mit seiner Warnung eine breite Neubewertung der Nachhaltigkeit des jüngsten Kapitalmarktbooms aus. Hinzu kamen bestehende Ängste vor steigenden Anleiherenditen, Inflation und der Geldpolitik der Zentralbanken. Während einer Konferenz am Montag prognostizierte Moynihan, dass die Investmentbanking-Gebühren von Bank of America im dritten Quartal im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um mehr als zehn Prozent zurückgehen werden, und deutete an, dass die Umsätze aus dem Vertrieb und Handel weitgehend stabil bleiben dürften.
Am 08.10.2026 berichtete aktien.news, dass Anleger die quartalsweisen Bankergebnisse der USA in der kommenden Woche genau daraufhin prüfen würden, ob der jüngste Anstieg der Treasury-Renditen das Deal-Making und das Kreditwachstum dämpfen sowie die Refinanzierungskosten in der gesamten Branche erhöhen könnte. Für die größten Banken wurde erwartet, dass die Ergebnisse im dritten Quartal um bis zu 20 Prozent gegenüber dem Vorjahr steigen. Die Einnahmen aus Investmentbanking und Handel fielen deutlich höher aus als im Vorquartal, und es gab bislang keine Anzeichen für eine Verschlechterung der Kreditportfolios. Dennoch standen die Aktien der Banken unter Druck, da die Anleiherenditen auf ein mehrjähriges Hoch geklettert waren.
Was das für Anleger bedeutet
Für deutsche Privatanleger ist die Meldung vor allem deshalb relevant, weil sie zwei gegenläufige Kräfte sichtbar macht. Auf der einen Seite steht das kapitalmarktnahe Geschäft, das auf Fusionen, Kapitalmarkttransaktionen und Handelsaktivität angewiesen ist und im dritten Quartal deutlich schwächer ausfiel. Auf der anderen Seite steht das klassische Kreditgeschäft, das weiter wächst und dessen Kreditqualität laut Unternehmensangaben stabil blieb.
Die staatliche Geldstrafe von 1,2 Milliarden US-Dollar belastet die Bilanz zusätzlich. Solche Einmalbelastungen wirken unmittelbar auf den ausgewiesenen Gewinn, auch wenn sie nichts über die operative Ertragskraft im Tagesgeschäft aussagen. Anleger sollten daher genau unterscheiden, welche Teile des Ergebnisses auf Sondereffekte zurückgehen und welche auf das laufende Geschäft.
Zudem lohnt der Blick auf die Zinsentwicklung. Steigende Renditen bei Staatsanleihen können die Margen im Kreditgeschäft stützen, gleichzeitig aber die Nachfrage nach Krediten und die Aktivität an den Kapitalmärkten bremsen. Bislang, so die Aussage der Bank, hat der Zinsanstieg die Kreditanfrage und die Ausgaben für KI-Infrastruktur nicht gedämpft. Diese Aussage ist zentral, denn sie entscheidet mit darüber, wie robust das Kreditgeschäft in den kommenden Quartalen bleibt.
Ergänzend sei auf die Erwartungen vom 08.10.2026 verwiesen: Für die größten US-Banken wurde ein Anstieg der Ergebnisse im dritten Quartal um bis zu 20 Prozent gegenüber dem Vorjahr erwartet. Die tatsächliche Gewinnverfehlung von Bank of America fällt damit hinter diese Erwartung zurück und erklärt einen Teil des Kursdrucks. Eine Kauf- oder Verkaufsempfehlung lässt sich daraus nicht ableiten.
Ausblick
Konkrete Prognosen für die kommenden Quartale nennt der vorliegende Bericht nicht. Als wesentliche Einflussfaktoren gelten weiterhin die Entwicklung der Treasury-Renditen und die Geldpolitik der Federal Reserve. Die Federal Reserve hatte im vergangenen Monat die Zinsen erhöht, und der jüngste Anstieg der Renditen bei Staatsanleihen setzt die Banken zusätzlich unter Beobachtung.
Im Fokus steht außerdem, ob sich das Wachstum bei der gewerblichen Kreditvergabe und der Konsumentenkreditaktivität fortsetzt und ob die Kreditqualität auf dem stabilen Niveau bleibt. Ebenso entscheidend ist, ob die Ausgaben für KI-Infrastruktur weiterlaufen, die nach Angaben der Bank bislang nicht unter den höheren Zinsen gelitten haben. Für die Einordnung der Investmentbanking-Erträge bleibt die von CEO Brian Moynihan im September genannte Bandbreite von 1,6 bis 1,8 Milliarden US-Dollar der maßgebliche Orientierungspunkt.
Kurz erklärt
- Investmentbanking: Geschäftsbereich von Banken, der Unternehmen bei Fusionen, Übernahmen und Kapitalmarkttransaktionen begleitet und dafür Gebühren erhält.
- Kreditrückstellungen: Beträge, die eine Bank für erwartete Kreditausfälle zurücklegt und die den ausgewiesenen Gewinn mindern.
- Treasury-Renditen: Renditen von US-Staatsanleihen, die als wichtiger Maßstab für das allgemeine Zinsniveau gelten.
