Banco BPM wehrt sich gegen Übernahme durch Unicredit
Sorgen um Stellenabbau und strategische Risiken prägen den Widerstand der Bank

Die italienische Banco BPM, eine der größten Banken des Landes mit rund 19.000 Mitarbeitern, hat sich entschieden, eigenständig zu bleiben und ein Übernahmeangebot der Unicredit in Höhe von zehn Milliarden Euro zurückzuweisen. Bankchef Giuseppe Castagna betonte in einem Schreiben an die Belegschaft die Bedeutung der Unabhängigkeit der Banco BPM. Als autonome italienische Bank stehe das Institut für ein starkes Geschäft und eine enge Verbindung zu kleinen und mittleren Unternehmen, die als Rückgrat der italienischen Wirtschaft gelten.
Eine mögliche Übernahme durch Unicredit könnte jedoch gravierende Folgen für die Beschäftigten der Banco BPM haben. Castagna wies in dem Schreiben auf die Pläne der Unicredit hin, die Kosten um mehr als ein Drittel zu senken, was zu einem Abbau von über 6000 Stellen führen könnte. Diese Aussicht schürt Sorgen unter den Mitarbeitern und verstärkt den Widerstand gegen eine Fusion. Das Angebot von Unicredit wurde nicht nur als zu niedrig bewertet, sondern auch als strategisch riskant, da es die Handlungsfähigkeit des Instituts einschränken und zusätzliche Risiken für Anleger schaffen könnte.
Die italienische Regierung verfolgt parallel dazu eigene Pläne im Bankensektor und strebt eine Fusion von Banco BPM mit Monte dei Paschi di Siena an. Ziel ist es, eine dritte bedeutende Kraft im italienischen Bankenwesen hinter Unicredit und Intesa Sanpaolo zu etablieren. Eine Übernahme durch Unicredit würde diese Strategie jedoch durchkreuzen und die Pläne der Regierung gefährden.
Die Unicredit, die erst kürzlich Interesse an einer Übernahme der deutschen Commerzbank signalisiert hatte, hat ihr überraschendes Angebot für Banco BPM am Montag vorgelegt. In Deutschland hatte Unicredit nach eigenen Angaben bereits Zugriff auf bis zu 21 Prozent der Anteile an der Commerzbank über Finanzderivate gesichert. Auch dort gibt es Befürchtungen über mögliche Stellenstreichungen. Unicredit-Chef Andrea Orcel hatte jedoch betont, keine zwei Banken gleichzeitig integrieren zu wollen, was in Frankfurt vorerst für Erleichterung sorgt.
Die aktuelle Situation verdeutlicht den zunehmenden Druck und die Herausforderungen im europäischen Bankensektor, da große Institute wie Unicredit ihre Marktposition durch Übernahmen stärken wollen, während kleinere Banken ihre Eigenständigkeit verteidigen.
