Bahn: Zugverkehr läuft weitgehend planmäßig
Bahnverkehr stabil nach abgesagtem Warnstreik - Güterverkehr und private Bahnunternehmen weiterhin betroffen

Entgegen der Befürchtungen der Deutschen Bahn ist der Zugverkehr nach dem abgesagten Warnstreik am Montagmorgen weitgehend wie geplant angelaufen. Tausende Mitarbeiter wurden am Wochenende kurzfristig kontaktiert, um möglichst viele Schichten zu besetzen und den Betrieb aufrechtzuerhalten, teilte ein Bahnsprecher mit.
Im Fernverkehr sollen rund 90 Prozent der regulär geplanten Züge fahren. Reisende werden jedoch dazu aufgerufen, sich über die tatsächlichen Verbindungen zu informieren. Der Regional- und S-Bahn-Verkehr ist von streikbedingten Einschränkungen weitgehend verschont geblieben.
Die Organisation des eingeschränkten Angebots gestaltete sich für die Bahn schwierig. Rund 50.000 Zugfahrten im Fern- und Nahverkehr mussten neu geplant werden, inklusive der Schicht- und Einsatzpläne. Zudem mussten einige Wagen und Lokomotiven an neue Abfahrtsorte gebracht werden. Doch offenbar verlief die Umstellung besser als erwartet.
Im Güterverkehr sind jedoch noch Einschränkungen für heute und morgen zu erwarten. Bei privaten Bahnunternehmen wird der Zugverkehr beeinträchtigt sein, da der Warnstreik nur bei der Deutschen Bahn abgesagt wurde. In Bayern sind beispielsweise die Bayerische Oberlandbahn (BOB), die Bayerische Regiobahn (BRB) und der Meridian betroffen. Auch in Thüringen, Sachsen-Anhalt und Brandenburg werden Abellio und die Ostdeutsche Eisenbahn (ODEG) bestreikt. Die Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) verhandelt derzeit parallel mit mehreren Bahnunternehmen neue Tarifverträge.
Die EVG hatte den 50-stündigen Warnstreik überraschend abgesagt, nachdem es eine Verständigung unter Vermittlung des Frankfurter Arbeitsgerichts gab. Dieser Kompromiss soll nun als Grundlage für weitere Tarifverhandlungen dienen. Die Tarifrunde betrifft insgesamt 230.000 Beschäftigte, davon 180.000 bei der Deutschen Bahn.
Angesichts dieser Entwicklungen im Tarifkonflikt drängt der Arbeitgeberverband BDA auf eine gesetzliche Regelung für Arbeitskämpfe. Zwar begrüßte BDA-Hauptgeschäftsführer Steffen Kampeter die Aussetzung des Warnstreiks durch die Einigung von Deutsche Bahn und EVG, kritisierte jedoch, dass dafür erst die Gerichte eingeschaltet werden mussten. Er betonte die Notwendigkeit eines gesetzlichen Rahmens für Arbeitskämpfe, der Eskalationen von Anfang an verhindern könne.
Die EVG und die Deutsche Bahn haben vereinbart, die Verhandlungen zügig fortzusetzen. Eine weitere Runde ist für den 23. Mai in Fulda geplant. Sollten diese Gespräche nicht zu Ergebnissen führen, könnte die Gewerkschaft erneut zu Warnstreiks aufrufen.
