Bahn verzichtet erstmals seit Jahren auf Preiserhöhung
Entscheidung folgt auf massive Verspätungen und soll Vertrauen der Fahrgäste zurückgewinnen

Erstmals seit sechs Jahren verzichtet die Deutsche Bahn auf eine Erhöhung der Ticketpreise im Fernverkehr. Damit reagiert der Staatskonzern auf die anhaltenden Probleme im Bahnverkehr, insbesondere auf die chronische Unpünktlichkeit vieler Züge. Laut Unternehmensangaben bleiben sowohl die Spar- und Flexpreise als auch die Kosten für Bahncards, Sitzplatzreservierungen und Stornierungen unverändert. Der Schritt soll mit dem kommenden Fahrplanwechsel Mitte Dezember umgesetzt werden.
Ein Bahnsprecher erklärte, man wolle mit stabilen Preisen ein deutliches Zeichen setzen. Viele Reisende hätten in diesem Jahr massive Einschränkungen hinnehmen müssen, da zahlreiche Strecken wegen des schlechten Zustands des Schienennetzes und kurzfristiger Baustellen beeinträchtigt gewesen seien. Die Entscheidung soll daher auch als Entgegenkommen gegenüber den Kunden verstanden werden, die unter häufigen Verspätungen und Zugausfällen zu leiden hatten.
Die Pünktlichkeitswerte im Fernverkehr haben zuletzt einen neuen Tiefpunkt erreicht. Im September erreichten nur rund 55 Prozent der Fernzüge ihr Ziel mit weniger als sechs Minuten Verspätung. Damit dürfte die Bahn ihr selbst gestecktes Jahresziel deutlich verfehlen. Ökonomische Gründe spielten bei der Entscheidung gegen eine Preiserhöhung ebenfalls eine Rolle: Ein Preisaufschlag könnte Fahrgäste zu anderen Verkehrsmitteln treiben, was nicht nur die wirtschaftliche Lage des Konzerns, sondern auch die Umweltbilanz belasten würde.
In den vergangenen Jahren hatte die Bahn ihre Fahrpreise regelmäßig angepasst. Zuletzt wurden 2024 die Flexpreise im Durchschnitt um knapp sechs Prozent angehoben. Auch für Fahrradmitnahmen, Zeitkarten und die Bahncard 100 mussten Kunden tiefer in die Tasche greifen. Diese Preispolitik hatte für wachsenden Unmut gesorgt, da steigende Kosten mit sinkender Zuverlässigkeit einhergingen. Die Entscheidung, in diesem Jahr auf Erhöhungen zu verzichten, markiert daher eine Zäsur im Umgang mit den Kunden.
Im Nahverkehr bleibt es hingegen nicht bei stabilen Preisen. Mehrere Verkehrsverbünde planen zum Jahreswechsel Preiserhöhungen, zudem steigt der Preis für das Deutschlandticket ab Januar 2026 von 58 auf 63 Euro. Der neue Fahrplan der Deutschen Bahn tritt am 14. Dezember in Kraft. Dabei soll der Takt auf stark frequentierten Fernstrecken verdichtet, auf schwächer genutzten Verbindungen jedoch ausgedünnt werden. Buchungen für die neuen Verbindungen sind ab dem 14. Oktober möglich.
Seit dem 1. Oktober steht die neue Vorstandschefin Evelyn Palla an der Spitze des Konzerns. Sie folgt auf Richard Lutz, dessen Vertrag vorzeitig beendet wurde. Palla kündigte einen grundlegenden Neuanfang und eine umfassende Erneuerung des Unternehmens an.
