Bahn schafft günstige Reservierung für Familien ab
Höhere Kosten pro Platz – Verbände sprechen von versteckter Preiserhöhung für Eltern mit Kindern

Familien, die mit der Deutschen Bahn reisen und dabei gemeinsam sitzen möchten, müssen künftig tiefer in die Tasche greifen. Die Bahn schafft die bislang geltende Familienreservierung ab. Künftig ist für jedes einzelne Familienmitglied eine eigene Sitzplatzreservierung erforderlich – auch für Kinder. Damit steigt der Preis für Familien deutlich. Statt wie bisher pauschal 10,40 Euro für bis zu fünf Personen zu zahlen, kostet eine Reservierung künftig pro Person 5,50 Euro in der zweiten und 6,90 Euro in der ersten Klasse.
Die Änderung tritt mit dem Fahrplanwechsel an diesem Sonntag in Kraft. Die Bahn begründet die Umstellung unter anderem damit, dass Kinder in Begleitung eines Erwachsenen weiterhin kostenlos mitfahren. Die frühere Familienreservierung habe sich preislich ohnehin erst ab drei Personen gelohnt. Für einen Erwachsenen mit einem Kind ändert sich also nach Angaben des Unternehmens nichts – der bisherige Preis entsprach zwei Einzelreservierungen. Dennoch betrifft die Neuerung laut Bahn potenziell Millionen Fahrgäste: Im vergangenen Jahr nutzten etwa fünf Prozent aller Fernreisenden das Familienreservierungsangebot, was bei rund 133,4 Millionen Reisenden etwa 6,7 Millionen Menschen entspricht.
Kritik an der Entscheidung kommt von mehreren Seiten. Der ökologische Verkehrsclub VCD bezeichnet die Änderung als faktische Preiserhöhung und fordert die Rücknahme der Maßnahme. Gerade Familien mit Kindern seien auf reservierte Sitzplätze angewiesen, sagte die Bundesvorsitzende Kerstin Haarmann. Sie warnt davor, das Angebot durch kurzfristige Rabattaktionen ersetzen zu wollen und fordert stattdessen dauerhaft bezahlbare Preise.
Auch der Fahrgastverband Pro Bahn äußert sich kritisch. Vertreter des Verbands mahnen, dass Bahnreisen für Familien preislich mit dem Auto konkurrieren müssten, wenn sie als umweltfreundliche Alternative attraktiv bleiben sollen. Jörg Bruchertseifer, Sprecher von Pro Bahn, sieht nun die Politik in der Pflicht, auf die Preisgestaltung Einfluss zu nehmen.
Die neue Regelung kommt zu einem Zeitpunkt, an dem die Deutsche Bahn bereits neue Rabattaktionen plant, um die Auslastung ihrer Fernzüge zu steigern. Ob die Abschaffung der Familienreservierung diesem Ziel dient oder eher abschreckend wirkt, bleibt abzuwarten. Klar ist jedoch, dass sich für Familien die Kalkulation einer Bahnfahrt künftig deutlich verändert.
