Bahn-Großbaustelle am Niederrhein: 80 Wochen Einschränkungen
Pendler, Wirtschaft und Anwohner betroffen – umfangreiche Modernisierung und Lärmschutzmaßnahmen

Die Deutsche Bahn startet am 1. November 2024 eine Großbaustelle am Niederrhein, die eine Dauer von insgesamt 80 Wochen umfassen wird. In diesem Zeitraum wird die Bahnstrecke von Oberhausen über Emmerich bis in die Niederlande teilweise oder komplett gesperrt sein. Pendler, Fernreisende und die Industrie entlang dieser Strecke werden mit erheblichen Einschränkungen konfrontiert. Die Baumaßnahmen auf der rund 73 Kilometer langen Strecke sind Teil eines europäischen Güterverkehrsprojekts, das Rotterdam in den Niederlanden mit Genua in Italien verbinden soll. Während die Niederlande ihren Abschnitt bereits 2007 mit der hochmodernen Betuwe-Linie abgeschlossen haben, hinkt der deutsche Ausbau hinterher.
Das Bauprojekt sieht vor, die bislang zweigleisige Strecke mit einem dritten Gleis zu ergänzen, 47 bestehende Brücken zu erneuern und 38 neue Brücken zu bauen, um Bahnübergänge zu ersetzen. Zudem wird moderne Technik installiert und der Lärmschutz für Anwohner verbessert. Diese Baumaßnahmen sind eine Reaktion auf die Überlastung der veralteten Infrastruktur, die seit den 1990er Jahren nicht mehr den Anforderungen des modernen Güterverkehrs entspricht. Besonders anspruchsvoll gestaltet sich die Anpassung der Überquerung des Wesel-Datteln-Kanals, da die bestehende Brücke um 1,5 Meter angehoben und verbreitert werden muss, um auch großen Schiffen die Durchfahrt zu ermöglichen. Zudem müssen die Gleise auf einer Strecke von drei Kilometern an das neue Höhenniveau angepasst werden, was den Umbau weiterer Brücken und des Bahnhofs Voerde-Friedrichsfeld erfordert.
Der Weseler Landrat Ingo Brohl (CDU) äußerte seine Sorge über die Auswirkungen auf Pendler und Wirtschaft und wies auf die jahrelangen Versäumnisse im Bereich der Bahninfrastruktur hin. Er forderte die Deutsche Bahn auf, während der Bauzeit für verlässliche Ersatzbusse zu sorgen. Seit mehreren Jahren gibt es immer wieder Sperrungen auf dieser Strecke, jedoch stellt die nun anstehende 80-wöchige Phase eine neue Dimension dar. Für etwa zwei Drittel der Bauzeit soll die Strecke eingleisig befahrbar bleiben, was dennoch zu erheblichen Einschränkungen führen wird. Während der Vollsperrungen, die erstmals im November für rund drei Wochen geplant sind, müssen Pendler auf Ersatzbusse umsteigen und Fernzüge werden umgeleitet.
Im Netz finden sich zahlreiche Reaktionen, die von Sarkasmus und Frust geprägt sind. Viele Nutzer kritisieren die lange Bauzeit und bemängeln die Zuverlässigkeit der Ersatzbusse. Für die Industrie, insbesondere das produzierende Gewerbe und die Chemiebranche am Niederrhein, stellen die häufigen Sperrungen eine Herausforderung dar. Es ist nicht möglich, alle Gütertransporte auf die Straße zu verlagern. Dennoch sehen Vertreter der Industrie- und Handelskammer Duisburg langfristig positive Effekte, da eine moderne Schienenanbindung die regionale Wirtschaft stärken könnte.
