Bahn bewertet Infrastruktur erstmals nicht schlechter
Milliardeninvestitionen zeigen Wirkung – Stellwerke bleiben jedoch größtes Sorgenkind im Netz

Die Deutsche Bahn bewertet den Zustand ihrer Infrastruktur für das Jahr 2024 mit der Gesamtnote 3,0. Diese Note entspricht einer „mittelmäßigen“ Bewertung nach dem Schulnotensystem, das seit 2021 im sogenannten Netzzustandsbericht verwendet wird. Erstmals seit mehreren Jahren hat sich der Zustand demnach nicht weiter verschlechtert. Im Vorjahr lag die Bewertung bei 3,03. Die Verbesserung wird auf milliardenschwere Investitionen zurückgeführt, die von der früheren Bundesregierung initiiert worden waren.
Insgesamt wurden laut dem aktuellen Bericht rund 20 Milliarden Euro in die Infrastruktur gesteckt. Diese Summe floss unter anderem in die Erneuerung von Gleisen, Weichen und Bahnhöfen. Über 2.000 Kilometer Schiene und mehr als 1.800 Weichen wurden 2024 nach Angaben der Bahn modernisiert, auch zahlreiche Bahnhöfe wurden instand gesetzt. Die Infrastrukturgesellschaft DB InfraGO betont, dass die bisherigen Maßnahmen Wirkung zeigen. Ihr Vorsitzender Philipp Nagl sieht darin ein gutes Zeichen und plädiert für eine langfristige Verstetigung der Mittel.
Auch das Verkehrsbündnis Allianz pro Schiene sieht eine leichte Verbesserung. Geschäftsführer Dirk Flege sprach davon, dass der Abwärtstrend gestoppt worden sei, betonte jedoch, dass es noch keinen Grund zum Feiern gebe. Deutlich kritischer äußerten sich die Güterbahnen, ein Verband privater Bahnunternehmen. Aus ihrer Sicht wurde lediglich ein weiterer Verfall verhindert. Die Investitionen seien zwar notwendig gewesen, das aktuelle Tempo und die Koordination zahlreicher Baustellen reichten aber nicht aus.
Besonders problematisch bleibt der Zustand der Stellwerke. Diese sind für die Steuerung des Bahnverkehrs unerlässlich, werden aber von der Bahn überwiegend schlecht bewertet. Die Durchschnittsnote verschlechterte sich hier von 4,02 auf 4,12. Etwa jedes zweite der rund 4.000 Stellwerke gilt als „schlecht“, „mangelhaft“ oder „einschränkend“. Viele Anlagen sind stark veraltet, teils über ein Jahrhundert alt und müssen noch manuell bedient werden.
Regionale Unterschiede zeigen sich ebenfalls deutlich. Während das Netz in Thüringen mit der Note 2,61 vergleichsweise gut abschneidet, erreicht Nordrhein-Westfalen nur eine 3,27. Auch auf der generalsanierten Riedbahn zwischen Frankfurt und Mannheim wurde keine Bestnote vergeben. Die Strecke erhielt eine Bewertung von 2,19 – eine Verbesserung gegenüber dem Vorjahr, in dem noch die Note 3,70 vergeben worden war. Bis zum Jahr 2030 sollen bundesweit 40 weitere Streckenabschnitte generalsaniert werden.
