BaFin rügt Deutsche Bank wegen Postbank-Mängeln
Kunden klagen über technische Probleme und schleppende Prozesse bei Pfändungsschutzkonten

Die Deutsche Bank steht unter erhöhtem Druck der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin), nachdem zahlreiche Kunden der Tochtergesellschaft Postbank über Wartezeiten, falsche Überweisungen und technische Probleme geklagt haben. Die BaFin hat "erhebliche Beeinträchtigungen" im Kundenservice der Postbank festgestellt und fordert rasche Abhilfe. Sollte sich die Situation nicht verbessern, drohen der Bank weitere Maßnahmen, darunter möglicherweise eine Sonderprüfung oder die Ernennung eines Sonderbeauftragten.
Die Probleme begannen im Zuge einer IT-Umstellung, bei der seit Ostern 2022 die Daten von zwölf Millionen Postbank-Kunden und sieben Millionen Deutsche-Bank-Kunden auf einer gemeinsamen Plattform zusammengeführt wurden. Obwohl die Deutsche Bank Anfang Juli verkündete, das Projekt "Unity" sei erfolgreich abgeschlossen, häufen sich weiterhin Beschwerden. Besonders betroffen waren Wertpapierdepots, die während der zweiten Welle der Datenübertragung rund um Silvester 2022/2023 übertragen wurden.
Ein weiteres Problemfeld sind die sogenannten Pfändungsschutzkonten. Diese Konten ermöglichen es verschuldeten Menschen, ein bestimmtes Guthaben vor der Pfändung zu schützen. Aufgrund von Verzögerungen bei der Postbank haben jedoch viele Kunden, die auf diese Konten angewiesen sind, mit akuten finanziellen Schwierigkeiten zu kämpfen. Die Verbraucherzentrale NRW hat deshalb ein "dringendes Einschreiten" der BaFin gefordert.
Die Deutsche Bank hat auf die Rüge der BaFin reagiert und betont, dass die Verbesserung des Kundenservices bei der Postbank "oberste Priorität" habe. Laut Lars Stoy, dem Leiter der Privatkundenbank Deutschland der Deutschen Bank, wurden die Service-Teams in den vergangenen Wochen um mehrere Hundert Mitarbeiter aufgestockt. Dennoch räumt er ein, dass die Bearbeitungsdauern in einigen Serviceprozessen den eigenen Ansprüchen nicht gerecht werden. Er kündigte an, dass es noch einige Wochen dauern werde, bis sich die Lage wieder normalisiert hat.
Die Situation wirft ein Schlaglicht auf die Herausforderungen, die mit der Digitalisierung und Konsolidierung im Bankensektor einhergehen. Während die Deutsche Bank durch die IT-Umstellung ab 2025 jährlich 300 Millionen Euro einsparen möchte, zeigt der aktuelle Fall, dass solche Einsparungen nicht auf Kosten des Kundenservices gehen dürfen.
