BaFin verstärkt Aufsicht über Lebensversicherer
Fokus auf hohe Stornoquoten und Kundennutzen in der Versicherungsbranche

Die deutsche Finanzaufsicht BaFin plant, Lebensversicherer künftig genauer zu überwachen, insbesondere solche Unternehmen, bei denen eine überdurchschnittlich hohe Anzahl an Verträgen vorzeitig gekündigt wird. Julia Wiens, die Chefin der Versicherungsaufsicht, erklärte auf der Jahreskonferenz der BaFin, dass im kommenden Jahr besonders die Lebensversicherer im Fokus stehen sollen, bei denen hohe Stornoquoten festgestellt werden. Ziel sei es, den Kundennutzen dieser Versicherungsprodukte zu überprüfen. Dies soll durch eine verstärkte Wohlverhaltensaufsicht geschehen, die dafür sorgt, dass Produkte nicht nur stabil, sondern auch kundenorientiert und fair gestaltet sind.
Wiens hatte bereits in der Vergangenheit darauf hingewiesen, dass viele Versicherungsprodukte zu teuer sind und nicht den Bedürfnissen der Versicherten gerecht werden. Ein zentraler Grundsatz der BaFin ist, dass Versicherungsprodukte immer einen angemessenen Nutzen für die Kunden bieten müssen. Daher will die Aufsicht auch andere Versicherungsbereiche verstärkt in den Blick nehmen. Sie betonte, dass die Wohlverhaltensaufsicht nicht nur darauf abzielt, die finanzielle Stabilität der Unternehmen zu sichern, sondern auch den Fokus auf den Kundennutzen zu legen.
Obwohl Wiens die deutsche Versicherungsbranche insgesamt als stabil einschätzt, bezeichnet sie das aktuelle wirtschaftliche Umfeld als herausfordernd. Neben den unsicheren wirtschaftlichen Entwicklungen und den geopolitischen Risiken sieht sie insbesondere Bedrohungen für die IT-Infrastruktur und die Cybersicherheit. Diese Faktoren erfordern eine verstärkte Prüfung und Anpassung der Versicherer an die aktuellen Gegebenheiten. Deshalb wird BaFin im kommenden Jahr verschiedene Maßnahmen ergreifen, um die Zukunftsfähigkeit und Stabilität der Versicherungsunternehmen zu sichern. Dies umfasst unter anderem die Förderung von wirtschaftlich tragfähigen Geschäftsmodellen, robusten Risikomanagementsystemen und einer modernen IT-Infrastruktur.
Ein weiteres zentrales Thema für die BaFin wird im Jahr 2025 die Regulierung von Versicherungsunternehmen sein. Wiens kündigte an, dass man sich mit drei wichtigen Vorhaben auseinandersetzen werde: der Überprüfung der Kapitalmarktrichtlinie Solvency II, der neuen Richtlinie zur Sanierung und Abwicklung von Versicherungsunternehmen sowie einer Verordnung über den Einsatz künstlicher Intelligenz in der Versicherungsbranche. Dabei soll auch der bürokratische Aufwand verringert werden, was jedoch in der praktischen Umsetzung mitunter schwierig sei.
