Autozulieferer suchen Rettung in der Rüstung
Neue Aufträge, lange Wege und hohe Hürden beim Branchenwechsel

Die Rüstungsbranche boomt, nicht zuletzt durch die gestiegenen Verteidigungsausgaben in Deutschland. Unternehmen wie Rheinmetall verzeichnen starke Umsatzsteigerungen, und die Aussichten bis 2027 deuten auf eine Verdopplung der jährlichen Ausgaben hin. Der Bedarf an Motoren, Steuerungsgeräten und Karosserien entspricht weitgehend dem Know-how der Autozulieferer. Doch der Einstieg in die Branche ist komplex, langwierig und kostspielig. Zertifizierungen, Sicherheitsfreigaben und neue Produktionsprozesse stellen hohe Hürden dar.
Einige Unternehmen haben den Wechsel bereits geschafft. So produziert das Unternehmen Hirsch Engineering Solutions heute vorrangig für die Luft- und Raumfahrt sowie den Verteidigungssektor. Der Umsatzanteil aus dem Automobilgeschäft konnte nahezu auf null reduziert werden. Die Umstellung erforderte Investitionen, den Aufbau neuer Strukturen und viel Geduld. Ähnlich ambitioniert zeigt sich der Motorenhersteller Deutz, der zunehmend auch Spezialmotoren für die Rüstungsindustrie liefert.
Auch Großkonzerne wie Volkswagen und Daimler Truck sondieren ihre Möglichkeiten in der Verteidigungstechnik. Produktionskapazitäten in Werken wie Dresden, Osnabrück und Zwickau könnten künftig für militärische Zwecke genutzt werden. Entwicklungsdienstleister wie IAV, mit Volkswagen als Hauptanteilseigner, haben erste Schritte in die neue Branche unternommen.
Der Bedarf an qualifizierten Fachkräften ist groß. Unternehmen wie Hensoldt suchen gezielt nach Ingenieuren aus der Automobilindustrie. Die Umstellung von Massenfertigung auf Kleinserienproduktion erfordert jedoch eine andere Denkweise. In der Wehrtechnik sind individuelle Lösungen gefragt. Für viele Automobilzulieferer bietet der Rüstungssektor eine mögliche Zukunft – vorausgesetzt, sie sind bereit, Zeit, Geld und Know-how zu investieren.
