Autoindustrie im Würgegriff chinesischer Rohstoffe
Engpässe bei seltenen Erden zwingen Hersteller zu technischen Alternativen und strategischem Umdenken

Chinas jüngste Exportbeschränkungen für seltene Erden haben die Abhängigkeit westlicher Industrien von diesen strategischen Rohstoffen erneut offengelegt. Besonders betroffen ist die Automobilbranche, die stark auf Permanentmagnete aus Neodym-Eisen-Bor (NdFeB) setzt, in denen Metalle wie Dysprosium verbaut sind. Bereits jetzt mussten mehrere Hersteller ihre Produktionslinien stoppen – ein deutlicher Hinweis auf die wirtschaftliche Relevanz dieser Nischenmetalle.
Es ist nicht das erste Mal, dass China diesen Hebel ansetzt. Bereits 2010 hatte Peking Exportquoten eingeführt, offiziell um illegale Minen zu bekämpfen. Der Zeitpunkt fiel jedoch auffällig mit einem diplomatischen Konflikt mit Japan zusammen. Die Folge: Die Preise für seltene Erden schossen in die Höhe. Dysprosiumoxid etwa verteuerte sich zwischen 2009 und 2012 um das 26-Fache. Erst ein WTO-Urteil setzte der Praxis 2014 ein Ende.
Einige Autobauer reagierten damals mit technischen Anpassungen. Nissan reduzierte bei einem Modell des Elektrofahrzeugs LEAF den Anteil an Dysprosium um 40 Prozent. Renault ging noch weiter und entwickelte für seinen ZOE eine motorische Alternative komplett ohne Permanentmagnete. Laut Schätzungen von Adamas Intelligence stieg der Anteil seltenerdfreier Elektromotoren weltweit von unter einem Prozent im Jahr 2010 auf zwölf Prozent im Jahr 2017.
Mit fallenden Preisen in den späten 2010er Jahren kehrte die Branche jedoch zum alten Muster zurück. Inzwischen nutzen rund 97 Prozent aller verkauften E-Autos wieder Magnete auf Basis seltener Erden. Der Bedarf wächst nicht nur durch das Marktwachstum, insbesondere in China, sondern auch durch die steigende Anzahl elektrischer Komponenten in Fahrzeugen – von der Sitzheizung bis zur Sicherheitswarnung.
Die Abhängigkeit vom chinesischen Markt bleibt also bestehen. Selbst wenn aktuelle Handelsgespräche zwischen den USA und China zu einer Lockerung der Exportpolitik führen sollten, dürfte die westliche Lieferkette auf absehbare Zeit hinterherhinken. Zwar fließen öffentliche Investitionen in neue Projekte, doch der Aufbau einer vollständigen Wertschöpfungskette vom Bergbau bis zum Magneten wird Jahre dauern. Vorrang haben dabei militärische Anwendungen – etwa für Kampfjets wie die F-35, die über 400 Kilogramm seltener Erden benötigen.
Ein möglicher Ausweg: den Bedarf senken. Die Automobilindustrie könnte erneut auf Alternativen setzen, etwa magnetfreie Motoren oder reduzierte Nutzung in weniger kritischen Anwendungen. Hersteller wie BMW und Renault haben hier bereits Technologien entwickelt, andere arbeiten daran. Die aktuelle Versorgungskrise könnte nun den nötigen Druck erzeugen, um die Umsetzung zu beschleunigen.
