Autoindustrie im Umbruch: Stellen fallen weg, Chancen entstehen
Technologischer Wandel und Altersstruktur prägen die Zukunft der Arbeitsplätze neu

Die deutsche Automobilindustrie befindet sich im Wandel. Große Hersteller wie Volkswagen, Ford und Mercedes-Benz haben in den vergangenen Monaten umfangreiche Stellenstreichungen angekündigt. Während VW bis 2030 rund 35.000 Arbeitsplätze abbauen will, plant Ford den Abbau von mindestens 2900 Stellen in Deutschland. Auch Mercedes-Benz versucht, Mitarbeiter mit Abfindungen zum freiwilligen Ausscheiden zu bewegen. Laut einer aktuellen Erhebung des Beratungsunternehmens EY gingen allein im vergangenen Jahr 19.000 Arbeitsplätze in der Branche verloren. Derzeit sind noch rund 761.000 Menschen in der deutschen Autoindustrie beschäftigt, 2018 waren es noch 834.000.
Trotz dieser Entwicklung wird die Branche nicht pauschal als auslaufend betrachtet. Personalberater betonen, dass Automobilunternehmen weiterhin attraktive Arbeitgeber seien, vor allem aufgrund guter Gehälter. Dennoch steht die Industrie unter erheblichem Druck. Die Konkurrenz aus China, neue Handelsbarrieren wie US-Zölle sowie die Umstellung auf Elektromobilität verändern die Anforderungen grundlegend.
Besonders betroffen vom Wandel sind Berufe, die direkt mit dem Verbrennungsmotor verbunden sind. Die Nachfrage nach Fachkräften in den Bereichen Fahrzeugtechnik und Metallbau nimmt ab. Gleichzeitig steigt der Bedarf in anderen Bereichen, etwa der IT, Elektrotechnik oder Kunststoffverarbeitung. Elektromotoren bestehen aus deutlich weniger Teilen als Verbrenner, was die Nachfrage nach Mitarbeitern in Einkauf und Lagerhaltung verringert. Leichtere Materialien wie Kunststoffe gewinnen hingegen an Bedeutung.
Neben technologischen Veränderungen spielt auch die Altersstruktur eine Rolle. In Berufen wie Lagerwirtschaft und technischer Produktionsplanung geht ein erheblicher Teil der Belegschaft bis 2035 in den Ruhestand. In diesen Bereichen könnten natürliche Abgänge den Stellenabbau abfedern. Anders sieht es in Bereichen wie dem Einkauf, dem Personalwesen oder dem Rechnungswesen aus, wo ein Überangebot an Fachkräften erwartet wird. Umschulungen bieten hier nur begrenzte Lösungen.
Auch das mittlere Management ist betroffen. Führungskräfte mit Fokus auf klassische Antriebstechnologien stehen zunehmend unter Druck. Gleichzeitig werden Manager mit Know-how in Elektronik, Software und Transformation gesucht. Branchen wie die Verteidigungsindustrie, Pharma oder Logistik zeigen verstärkt Interesse an erfahrenen Managern aus der Autobranche.
