Autobauer setzen auf neue Stadt-Assistenten
Mercedes und BMW stärken ihre Position mit lokal angepasster Level-2-Technik

Im Stadtverkehr sollen neue Assistenzsysteme von Mercedes-Benz und BMW eine strategische Neuausrichtung einleiten. Beide Hersteller reagieren damit auf sinkende Absätze in China und geringere Gewinne. Die Unternehmen setzen vermehrt auf Funktionen des autonomen Fahrens auf Level 2, bei denen der Mensch weiterhin in der Verantwortung bleibt. Mercedes hat sein neues teilautonomes System zunächst in China eingeführt. Der CLA kann dort über mehrere Fahrspuren navigieren, Hindernissen ausweichen, an Ampeln stoppen sowie anfahren und damit zentrale Aufgaben im urbanen Verkehr übernehmen. BMW verfolgt einen ähnlichen Ansatz und bietet in Europa einen Stadt- und Autobahn-Assistenten an. Das neue Modell iX3 kann im Stadtverkehr zumindest vor Ampeln bremsen und selbstständig wieder anfahren, während auf der Autobahn Spurwechsel bis zu einer Geschwindigkeit von 130 Stundenkilometern möglich sind.
Die Hersteller konzentrieren sich auf Level-2-Systeme, weil diese im Vergleich zu Level 3 deutlich geringere Kosten verursachen. Experten gehen davon aus, dass sich deren Verbreitung in den kommenden Jahren beschleunigt. Laut Prognosen verfügten 2024 rund 30 Prozent der Neuwagen weltweit über Level 2, bis 2035 soll der Anteil auf etwa 53 Prozent steigen. Fahrzeuge mit Level 3 dürften dann etwa 15 Prozent der Verkäufe ausmachen. Für europäische Hersteller rechnet sich Level 3 derzeit kaum, da hohe Investitionen und eine geringe Nachfrage die Wirtschaftlichkeit einschränken. Zudem sind für Level 3 umfangreichere Sensorpakete nötig, etwa die Kombination aus Kamera, Radar und Lidar. Der Lidar bleibt jedoch ein kostentreibender Faktor, weshalb Mercedes bei Level 2++ auf günstigere Ultraschallsensoren setzt.
In China wächst die Nachfrage nach Assistenzsystemen im innerstädtischen Verkehr besonders stark. Fachleute erklären dies mit den dichten Verkehrsverhältnissen und einer hohen Technikaffinität vieler Autofahrer. Mercedes und BMW reagieren darauf mit lokal angepassten Lösungen. Mercedes entwickelt Systeme, die sich an unterschiedliche Fahrweisen anpassen und mithilfe künstlicher Intelligenz kontinuierlich verbessert werden. In China sind derzeit nur Level-2-Funktionen erlaubt, dennoch testen Hersteller wie Mercedes, BYD oder Nio bereits Level-3-Fahrzeuge.
Während BMW seinen Stadt-Assistenten in mehreren europäischen Ländern anbietet, ist der neue Mercedes-Assistent in Deutschland noch nicht zugelassen. Die Zulassung ist in Abstimmung mit Behörden geplant. Beide Hersteller wollen die Systeme in den kommenden Jahren auf weitere Modelle ausweiten. Parallel baut Volkswagen gemeinsam mit einem lokalen Partner eigene Chips für den chinesischen Markt, um die Entwicklung hochautomatisierter Systeme voranzutreiben. Mercedes setzt hingegen auf Halbleiter von Nvidia, die an entsprechenden Umsätzen beteiligt werden.
