Autobauer reagieren auf neue US-Zölle
Kanada kontert mit Gegenzöllen, Hersteller stoppen Lieferungen und investieren in Südamerika

Die jüngsten Zollentscheidungen von US-Präsident Trump haben internationale Reaktionen ausgelöst und insbesondere die Automobilbranche unter Druck gesetzt. Während Mexiko weiter auf diplomatische Lösungen setzt, hat Kanada als erstes Land konkrete Gegenmaßnahmen angekündigt. Fahrzeuge aus den Vereinigten Staaten, die nicht unter das nordamerikanische Handelsabkommen USMCA fallen, sollen mit einem Gegenzoll von 25 Prozent belegt werden. Laut Kanadas Ministerpräsident Mark Carney betrifft diese Maßnahme alle Autos, die außerhalb des vereinbarten Freihandelsrahmens produziert wurden.
Die Zölle der Vereinigten Staaten selbst betreffen Waren, die nicht unter das USMCA-Abkommen fallen, mit einem Aufschlag von 25 Prozent. Diese Zölle betreffen etwa die Hälfte aller mexikanischen Exporte in die USA. Trotz dieser Einschränkungen bleiben Mexiko und Kanada aufgrund des bestehenden Handelsabkommens in einer vergleichsweise stabilen Position im Nordamerikahandel. Das Abkommen, das während Trumps erster Amtszeit zwischen 2017 und 2021 geschlossen wurde, schützt zahlreiche Güter weiterhin vor zusätzlichen Zollkosten.
Auch Unternehmen reagieren auf die neue Situation. Volkswagen hat Medienberichten zufolge die Auslieferung von Fahrzeugen aus dem mexikanischen Werk Puebla in die USA vorübergehend gestoppt. Auch Autos aus Europa werden in den Häfen zurückgehalten, bis sich die Lage geklärt hat. Fahrzeuge, die vor Inkrafttreten der neuen Regelungen importiert wurden, bleiben von den Aufschlägen unberührt. Im Jahr 2024 hatte Volkswagen rund 380.000 Neuwagen in den USA verkauft, was etwa acht Prozent des weltweiten Absatzes der Marke entspricht.
Der japanische Hersteller Nissan hat entschieden, die Vermarktung zweier SUV-Modelle aus mexikanischer Produktion – des Infiniti QX50 und QX55 – in den Vereinigten Staaten auszusetzen. Die Produktion des Modells Rogue wird hingegen weiterhin in Tennessee stattfinden, um den neuen Importzöllen zu entgehen. Parallel dazu setzen Autobauer auf verstärkte Investitionen in anderen Regionen. Volkswagen kündigte Investitionen in Höhe von 580 Millionen Dollar in Argentinien an. Dort soll ab 2027 ein neuer Amarok-Pick-up für den südamerikanischen Markt produziert werden.
Volvo verfolgt trotz der neuen Zollregelungen eine andere Strategie und verstärkt seine Präsenz in Mexiko. Das Unternehmen plant, eine bestehende Investition in eine Lkw-Fabrik in Nuevo Leon auf eine Milliarde Dollar zu erhöhen. Der Standort nahe Monterrey soll als neues Zentrum für die nordamerikanische Lkw-Produktion dienen. In den USA selbst plant Volkswagen, die neuen Zölle künftig auf den Preisschildern seiner Fahrzeuge auszuweisen. Eine genaue Angabe zur Höhe der zusätzlichen Kosten liegt bisher nicht vor.
