Aufschwung mit Hindernissen in der Modebranche
Insolvenzen und Konkurrenzdruck trotz steigender Umsätze

Die deutsche Modebranche erlebt derzeit eine Phase des Aufschwungs, die jedoch von einer Reihe von Herausforderungen überschattet wird. Nach einer schwierigen Zeit, die durch die Corona-Pandemie, steigende Preise, Rohstoffmangel und Probleme in den Lieferketten geprägt war, verzeichnen deutsche Modeketten nun wieder steigende Umsätze. Laut Gerd Oliver Seidensticker, dem Präsidenten des Deutschen Modeverbands GermanFashion, konnte im vergangenen Jahr ein Umsatzplus von 10,8 Prozent erzielt werden. Dieser positive Trend ist unter anderem auf gesunkene Logistik- und Rohstoffpreise zurückzuführen, die Investitionen und Neueinstellungen ermöglicht haben.
Trotz dieser positiven Entwicklung steht die Branche vor großen Herausforderungen. Die gedämpfte Kauflaune der Verbraucher und eine Reihe von Insolvenzen großer Modeketten wie Peek & Cloppenburg, Bree, Gerry Weber, Hallhuber und Galeria Karstadt Kaufhof in den letzten Monaten zeugen von einer angespannten Situation. Die Modekette Sør nennt die Energiekrise und die verminderte Kaufkraft der Konsumenten als Hauptgründe für ihre Insolvenz. Eine Umfrage unter den Mitgliedern des Modeverbands zeigt zudem, dass die Umsatzerwartungen für das Jahr 2024 stagnieren, während eine negative Entwicklung des Ertrages erwartet wird.
Ein Lichtblick in dieser schwierigen Lage ist die niederländisch-deutsche Modekette C&A, die plant, ihr Filialnetz in Deutschland zu erweitern und bei der Beschaffung ihrer Ware flexibler zu werden. Ziel ist es, weniger abhängig von asiatischen Lieferanten zu sein und die Anfälligkeit der Lieferketten zu verringern. C&A hat zudem sein Sortiment um 30 Prozent reduziert, um effizienter auf die Marktnachfrage reagieren zu können.
Die westlichen Modeunternehmen sehen sich jedoch einer neuen Herausforderung gegenüber: dem raschen Aufstieg chinesischer Onlinetextilhändler wie Shein, die mit flexiblen Lieferketten und kleinen Erstaufträgen, die je nach Nachfrage aufgestockt werden, den Markt erobern. Diese Entwicklung setzt die traditionellen Modehändler unter Druck und zwingt sie, ihre Geschäftsmodelle zu überdenken.
Trotz der aktuellen Schwierigkeiten gibt es auch positive Signale. Die Exporte der Bekleidungshersteller laufen besser, und es wurde ein Plus von knapp elf Prozent erzielt. Die wichtigsten Exportländer für Deutschland sind Polen, die Schweiz, Österreich, die Niederlande, Frankreich und Italien. Weniger importiert wurde hingegen aus den Hauptproduktionsländern, da in den Vorjahren bereits viel Ware produziert und 2023 viele Lagerbestände in die Läden geliefert wurden.
