AST SpaceMobile-Aktie unter 60 Dollar: Jetzt kaufen oder nicht?
Der Wachstumstitel ist von seinem Hoch um nahezu 60 Prozent gefallen – trotz stark steigender Umsätze und eines hohen Auftragsbestands.

Die AST SpaceMobile-Aktie (ASTS) notiert aktuell unterhalb der Marke von 60 Dollar – und genau daraus ergibt sich für Anleger die zentrale Frage: Handelt es sich bei dem Rücksetzer um eine Einstiegschance oder um ein Warnsignal? Das Unternehmen ist vor etwas mehr als fünf Jahren an die Börse gegangen und hat sich seither als begehrter Wachstumstitel etabliert. In den vergangenen fünf Jahren ist sein Wert um mehr als 450 Prozent gestiegen. Seit Jahresbeginn hat es jedoch eine deutliche Korrektur gegeben.
Der Grund für die Verunsicherung ist der Wettbewerb mit der Space Exploration Technologies Corp., besser bekannt als SpaceX. Beide Unternehmen arbeiten daran, zellulare Netzwerke im Weltraum aufzubauen. Da SpaceX populärer ist und CEO Elon Musk viele Anleger anzieht, könnte AST SpaceMobile derzeit als weniger attraktive Investmentoption wahrgenommen werden. Der gesunkene Kurs macht die Aktie allerdings potenziell attraktiver für einen Einstieg.
Das Ausmaß der Korrektur ist erheblich: Die Aktie liegt nicht ganz am 52-Wochen-Tief von weniger als 50 Dollar, ist aber von ihrem Hoch von fast 134 Dollar um nahezu 60 Prozent gefallen. Die Marktkapitalisierung liegt bei nahezu 23 Milliarden Dollar. Für Anleger könnte dies nun ein interessanterer Zeitpunkt sein, da ein niedrigerer Preispunkt mehr Sicherheitsmarge bieten und sie für das Risiko entschädigen kann, das sie mit dem unrentablen Geschäftsmodell eingehen.
Die Details
AST SpaceMobile gab seine neuesten Quartalszahlen im August bekannt und zeigte dabei ein beeindruckendes Wachstum. Der Umsatz belief sich auf 31,5 Millionen Dollar – ein deutlicher Anstieg gegenüber dem Vorjahreszeitraum, in dem der Umsatz noch unter 1,2 Millionen Dollar lag. Das Unternehmen hat nach eigener Darstellung enormes Wachstum erlebt: Die Auslieferung von Gateways steigt, und das Geschäft mit der US-Regierung nimmt Fahrt auf.
Für das laufende Jahr erwartet das Unternehmen einen Umsatz zwischen 150 Millionen und 200 Millionen Dollar. Auch der Auftragsbestand ist mit 1,3 Milliarden Dollar recht hoch. Hinzu kommen Vereinbarungen mit 60 Mobilfunkbetreibern, die zusammen mehr als 3 Milliarden Abonnenten abdecken.
Die Partnerschaft mit Mobilfunknetzbetreibern (MNOs) ist entscheidend dafür, dass AST seine Wachstumschancen ausbauen und zellulare Dienste bereitstellen kann. Die Herausforderung bleibt jedoch, die Gewinnzone zu erreichen, da das Unternehmen im Zuge seines Wachstums erhebliche Ausgaben verursacht. Im letzten Quartal belief sich der Nettoverlust auf 230,9 Millionen Dollar, was einem starken Anstieg gegenüber 99,4 Millionen Dollar im Vorjahr entspricht.
Damit stehen sich zwei gegenläufige Entwicklungen gegenüber: ein schnell wachsender Umsatz auf der einen Seite und ein deutlich ausgeweiteter Verlust auf der anderen. Genau diese Kombination erklärt, warum die Aktie trotz der guten operativen Nachrichten unter Druck bleibt.
Hintergrund: Was bisher geschah
Bereits am 14.09.2026 berichtete aktien.news, dass sich die Aktien im Weltraumsektor zu einem umkämpften Schlachtfeld entwickelt haben und die Anleger sich klar positionieren – nicht zuletzt bei AST SpaceMobile. Der aufstrebende Satelliten-Internetanbieter verzeichnete demnach in den vergangenen fünf Jahren zeitweise Kursgewinne von bis zu 1.000 Prozent, ist jedoch seither um mehr als 50 Prozent von seinen Höchstständen gefallen. Während Bullen davon ausgehen, dass das Unternehmen zum Giganten in der Telekommunikationsbranche aufsteigen kann, halten Bären entgegen, dass es sich um ein Unternehmen ohne Umsatz handelt, das jedes Jahr Milliarden verschlingt und eine Marktkapitalisierung von 24 Milliarden Dollar aufweist.
Am 20.04.2026 hieß es bei aktien.news, dass der bevorstehende Börsengang von SpaceX die Aufmerksamkeit vieler Investoren auf sich zieht. Wer auf den richtigen Moment warte, um in Elon Musks Weltraumunternehmen einzusteigen, übersehe möglicherweise zwei bereits börsennotierte Raumfahrt-Aktien. Laut einer Analyse von The Motley Fool gehörten AST SpaceMobile und Rocket Lab damals zu den klarsten Kaufempfehlungen im Weltraumsegment.
Am 29.06.2026 berichtete aktien.news über den anstehenden Satellitenstart. AST SpaceMobile habe bereits unter Beweis gestellt, dass herkömmliche Mobiltelefone eine direkte Verbindung zu Satelliten herstellen können. Im Juni 2026 brachte das Unternehmen die BlueBirds 8, 9 und 10 erfolgreich ins All; diese befanden sich laut Unternehmensangaben bereits im Orbit. Als nächsten Schritt strebte AST SpaceMobile den Start der BlueBirds 11, 12 und 13 in der ersten Augusthälfte 2026 an.
Am 24.09.2026 meldete aktien.news, dass AST SpaceMobile den kommerziellen Start auf 2027 verschiebt. Angesichts der Verschiebung des Starts von 45 Satelliten bis ins Jahr 2027 sollten sich die Aktionäre demnach fragen, ob ausreichend liquide Mittel vorhanden sind, um das Geschäft zu finanzieren. Das Management hat diese Thematik bereits aufgegriffen. Der Wettbewerb mit SpaceX und dessen Starlink-Dienst bleibt dabei eine gewaltige Herausforderung, denn SpaceX verfügt bereits über ein voll funktionsfähiges Satellitennetzwerk, während AST SpaceMobile sein Netz noch ausbaut.
Was das für Anleger bedeutet
Für deutsche Privatanleger ist die Aktie damit ein klassischer Wachstumstitel mit überdurchschnittlichem Risikoprofil. Auf der einen Seite stehen ein Umsatzsprung von unter 1,2 Millionen Dollar im Vorjahresquartal auf 31,5 Millionen Dollar, ein Auftragsbestand von 1,3 Milliarden Dollar und Vereinbarungen mit 60 Mobilfunkbetreibern. Auf der anderen Seite steht ein Nettoverlust von 230,9 Millionen Dollar im letzten Quartal, ein Geschäftsmodell, das erhebliche Ausgaben erfordert, sowie der starke Wettbewerber SpaceX.
Wer in AST SpaceMobile investiert, sollte daher bereit sein, langfristig dranzubleiben und mit Volatilität umgehen zu können. Der Kauf der Aktie ist keineswegs eine risikofreie Investition. Allerdings ist das Unternehmen mit einer Marktkapitalisierung von nahezu 23 Milliarden Dollar keine extrem große Gesellschaft. Obwohl es mit SpaceX konkurriert, dürfte der Markt nach Einschätzung des Autors groß genug sein, damit beide Unternehmen erfolgreich sein können.
Hinzu kommt die Bewertungsfrage: Die Aktie ist von ihrem Hoch von fast 134 Dollar um nahezu 60 Prozent gefallen und liegt nicht ganz am 52-Wochen-Tief von weniger als 50 Dollar. Ein niedrigerer Preispunkt kann die Sicherheitsmarge erhöhen – er beseitigt aber nicht das Risiko, das aus dem bislang unrentablen Geschäftsmodell resultiert. Anleger sollten deshalb sowohl die Wachstumszahlen als auch die Verlustentwicklung und die Finanzierung des weiteren Netzausbaus im Blick behalten.
Ausblick
Das Unternehmen selbst erwartet für dieses Jahr einen Umsatz zwischen 150 Millionen und 200 Millionen Dollar. Als Wachstumstreiber nennt der Bericht die steigende Auslieferung von Gateways sowie das Geschäft mit der US-Regierung. Der Auftragsbestand von 1,3 Milliarden Dollar und die Vereinbarungen mit 60 Mobilfunkbetreibern mit mehr als 3 Milliarden Abonnenten bilden die Grundlage für die weitere Expansion.
Auf der Technologieseite steht weiterhin der Ausbau des Satellitennetzes im Mittelpunkt. Nach den im Juni 2026 gestarteten BlueBirds 8, 9 und 10 war der Start der BlueBirds 11, 12 und 13 für die erste Augusthälfte 2026 vorgesehen. Zugleich berichtete aktien.news am 24.09.2026, dass sich der Start von 45 Satelliten bis ins Jahr 2027 verschiebt. Ob die Finanzierung des Geschäfts bis dahin gesichert ist, bleibt eine der offenen Fragen, die das Management nach Angaben des Berichts bereits aufgegriffen hat.
Kurz erklärt
- MNO: Mobilfunknetzbetreiber, der sein Netz für Dienste Dritter öffnet und dadurch Kunden für den Satellitenanbieter erreichbar macht.
- Auftragsbestand: Summe der vertraglich zugesagten, aber noch nicht abgerechneten Aufträge eines Unternehmens.
- Marktkapitalisierung: Börsenwert eines Unternehmens, der sich aus Aktienkurs und Anzahl der ausgegebenen Aktien ergibt.
- Sicherheitsmarge: Puffer zwischen dem aktuellen Kurs und dem vom Anleger angenommenen inneren Wert einer Aktie.
