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ASMLs Monopol in der Chiplithografie gerät unter Druck

Chinas Aufholjagd bei Lithografiesystemen ließ die ASML-Aktie um 8 Prozent einbrechen – doch wie real ist die Bedrohung?

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ASMLs Monopol in der Chiplithografie gerät unter Druck

Die Aktien des niederländischen Halbleitermaschinenherstellers ASML sind in der vergangenen Woche um 8 Prozent eingebrochen. Auslöser war ein Bericht, der Chinas Fortschritte bei der Entwicklung eigener Chip-Lithografiesysteme beschreibt – Maschinen, die ASML bislang nahezu allein beherrscht. Die Sorge unter Investoren: Könnte das Monopol des Unternehmens früher als erwartet bröckeln?

Dabei ist die Lage differenzierter, als der Kursrutsch vermuten lässt. Laut einem Bericht von „The Information" liegt China bei sogenannten Deep-Ultraviolet-Maschinen (DUV) – die zum Ätzen kleinerer Schaltkreise eingesetzt werden – noch eine technologische Generation hinter ASML zurück. Und diese DUV-Anlagen selbst liegen wiederum schätzungsweise ein Jahrzehnt hinter ASMLs fortschrittlicheren Extreme-Ultraviolet-Systemen (EUV). Das ist eine erheblich größere Lücke, als chinesische Wettbewerber etwa bei Chips oder KI-Modellen schließen mussten.

Warum Lithografie kein gewöhnlicher Technologiewettbewerb ist

ASML benötigte 12 Jahre, um einen EUV-Prototyp auszuliefern, und weitere acht Jahre, um die Produktivitätsraten zu erreichen, die Kunden überzeugten. Das verdeutlicht, wie komplex dieser Bereich ist. Anders als bei Chips oder großen Sprachmodellen gibt es in der Lithografie kein „gut genug schlägt am besten". Präzision wird in Atomen gemessen, die Toleranzen sind extrem gering – weit enger als etwa bei Elektrofahrzeugen.

Hinzu kommt: ASMLs Wettbewerbsvorteil speist sich nicht nur aus Patenten oder Ingenieurskunst. Das Unternehmen liefert jährlich hunderte datengenerierender Maschinen aus und erhält so kontinuierlich Feedback für ständige Optimierungen. Diese Rückkopplungsschleife ist für Neueinsteiger kaum zu replizieren. Die Lieferkette des Unternehmens umfasst zudem rund 100.000 verschiedene Teile – ein logistisches Meisterwerk, das jahrzehntelang aufgebaut wurde.

ASML hat außerdem strategisch darauf geachtet, keine Konkurrenten anzulocken: Das Unternehmen bietet seine Anlagen zu weitgehend fairen Preisen an. Die Bruttomarge lag im jüngsten Quartal bei 54 Prozent – fast ein Drittel unter der von Nvidia im zuletzt gemeldeten Quartal. Bewusste Preiszurückhaltung als Schutzwall gegen Wettbewerb.

Chinas strukturelle Stärken sollten nicht unterschätzt werden

Trotz aller Hürden wäre es ein Fehler, Chinas Ambitionen zu unterschätzen. Das Land übertrifft Europa und die USA bei der Zahl der Fabrikarbeiter und Ingenieure um ein Vielfaches. Chinesische Unternehmen haben bewiesen, dass sie effiziente Lieferketten in Rekordzeit aufbauen können – Elektroautohersteller BYD gilt als prominentes Beispiel. Und eine Nation, die Fünfjahrespläne aufstellt, scheut nicht davor zurück, die nötige Zeit und staatliche Lenkungskraft zu investieren.

Der geopolitische Kontext verschärft die Lage zusätzlich: Die USA haben ASML verboten, seine EUV-Maschinen nach China zu liefern. Diese Handelsbeschränkungen zwingen Peking geradezu, in eigene Kapazitäten zu investieren – unabhängig davon, wie groß der technologische Rückstand aktuell noch ist.

Was auf dem Spiel steht – für ASML und seine Aktionäre

Die langfristigen Implikationen für ASML sind erheblich. Im vergangenen Jahr machte China fast ein Drittel des Gesamtumsatzes des Unternehmens aus. Ein dauerhafter Verlust dieses Marktes wäre schmerzhaft. Noch bedeutsamer ist jedoch die Bewertungsperspektive: Über 60 Prozent des aktuellen Unternehmenswerts von ASML hängen laut Berechnungen von Lex von den Cashflows nach 2035 ab.

Das bedeutet: Investoren wetten nicht auf das heutige ASML, sondern auf das ASML von übermorgen. Und genau dort liegt das Risiko. Ein Monopol ist wertvoll – aber nur so lange, wie es gehalten werden kann. Die Geschichte zeigt, dass selbst die mächtigsten Marktbeherrschungen irgendwann enden: von der Englischen Ostindien-Kompanie bis zu Standard Oil, das 1911 vom US-Obersten Gerichtshof zerschlagen wurde. ASMLs 40-jähriger Vorsprung ist beeindruckend – aber keine Garantie für die Ewigkeit.

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