ASML: KI-Nachfrage bis 2030 – ist die Aktie noch ein Kauf?
ASML verzeichnet Kundeninteresse an Bestellungen für 2029 und 2030 – doch das KGV von 40 wirft die Frage nach der Bewertung auf.

Die Zweifel an Aktien aus dem Bereich der künstlichen Intelligenz (KI) sind in den vergangenen Monaten gewachsen. Anleger fragen sich zunehmend, ob sich in diesem Segment eine Blase bildet und wie lange die starken Ergebnisse der Branche noch anhalten können. KI-Aktien haben zuletzt unter Druck gestanden, weil der Markt genau diese Frage nach der Nachhaltigkeit des Wachstums umtreibt.
Ein führendes Technologieunternehmen meldet jedoch, dass es bereits Interesse an Aufträgen für mehrere Jahre im Voraus verzeichnet – begründet mit dem Bedarf an KI-Chips. Es handelt sich um ASML Holding (ASML, zuletzt +1,28 Prozent). Die Lithografie-Maschinen des Konzerns sind für den Herstellungsprozess fortschrittlicher Chips unverzichtbar. ASML hat seine neuesten Ergebniszahlen veröffentlicht, die nicht nur zeigen, dass das Unternehmen zuletzt gut gewachsen ist, sondern auch, dass die Nachfrage langfristig robust bleibt und Kunden Aufträge schon Jahre im Voraus aufgeben.
Die große Frage bleibt allerdings, ob die Tech-Aktie angesichts ihrer hohen Bewertung noch ein guter Kauf ist. Denn die Herausforderung beim Kauf einer Aktie besteht darin, dass ein gutes Geschäft allein nicht ausreicht: Wird eine Aktie zu einer hohen Bewertung gehandelt, könnte der Markt bereits beträchtliches Wachstum eingepreist haben. Die Aktie muss dann nicht zwangsläufig steigen oder als guter Kauf gelten, es sei denn, es gibt neue Entwicklungen, die auf deutlich mehr Wachstum hindeuten als bislang erwartet.
Die Details
ASML ist eines der größten Technologieunternehmen der Welt. Die Marktkapitalisierung liegt bei mehr als $630 Milliarden, und die Wachstumsrate übertraf im letzten Quartal 55 Prozent. Derzeit wird die Aktie mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von 40 gehandelt – ein Wert, der als erheblich gilt und eine Prämie einpreist. Das erwartete KGV, das auf den zukünftigen Gewinnzahlen basiert, die Analysten für das kommende Jahr erwarten, liegt bei 29. Auch das ist nicht niedrig: Der Durchschnitt des S&P 500 liegt derzeit bei etwas über 19.
Hoffnung auf weiteres Wachstum machte das Unternehmen den Anlegern dennoch. CEO Christophe Fouquet erklärte, KI-Investitionen trieben erhebliche Bestellungen an. „Angesichts ihrer Nachfragesicht äußern einige Kunden Interesse daran, Bestellungen bei uns für 2029 und sogar 2030 aufzugeben“, sagte Fouquet.
Hintergrund: Was bisher geschah
Bereits am 28.01.2026 berichtete aktien.news, dass ASML mit seinen jüngsten Quartalszahlen die Erwartungen der Analysten übertroffen habe und sich optimistisch für die kommenden Jahre zeige. Der niederländische Konzern, der die Maschinen für die Herstellung modernster Computerchips produziert, profitiere weiterhin massiv vom Boom rund um Künstliche Intelligenz. Für das laufende Quartal rechnete ASML damals mit einem Nettoumsatz zwischen 8,2 und 8,9 Milliarden Euro. Besonders bemerkenswert war die Umsatzprognose für das Gesamtjahr 2026: Das Unternehmen erwartete Erlöse zwischen 34 und 39 Milliarden Euro. Der Mittelwert dieser Spanne lag deutlich über den Analystenschätzungen von 35,1 Milliarden Euro.
Am 14.10.2026 meldete aktien.news, dass ASML seine Zahlen für das dritte Quartal vorgelegt und dabei den Gewinn über den Erwartungen der Analysten ausgewiesen habe. Zugleich erklärte der niederländische Chipausrüster, dass einige Kunden „Interesse bekundet“ haben, Bestellungen für die Jahre 2029 und 2030 aufzugeben. Damit erhielten Anleger einen ungewöhnlich weit reichenden Ausblick auf die langfristige Nachfrage nach den Lithografie-Maschinen des Unternehmens. Der Konzern prüfte nach eigenen Angaben Möglichkeiten, die Kapazität für 2028 über den zuvor prognostizierten Anstieg von 30 Prozent hinaus zu erhöhen. Als Begründung nannte ASML eine weiterhin starke Nachfrage.
Einen Tag später, am 15.10.2026, berichtete aktien.news, der niederländische Halbleiterausrüster habe am Mittwoch mitgeteilt, dass Kunden bereits Bestellungen für seine fortschrittlichen Chipfertigungswerkzeuge für die Jahre 2029 und 2030 aufgeben würden. Damit habe das Unternehmen Bedenken zerstreut, dass der Investitionsboom im Bereich der künstlichen Intelligenz an Schwung verlieren könnte. ASML sei der größte Hersteller von Werkzeugen zur Produktion von KI-Chips und fortschrittlichen Halbleitern. Die optimistische Aussichtsprognose des Konzerns signalisiere, dass die Chipproduzenten ihre Expansion noch lange fortsetzen werden, hieß es damals.
Am 16.10.2026 folgte der Bericht, dass ASML am 14. Oktober seine Ergebnisse für das dritte Quartal 2026 vorgelegt und dabei einen Rekordumsatz von 11,7 Milliarden Euro erzielt habe. Der Halbleiterausrüster landete damit an der oberen Grenze seiner eigenen Guidance. Die Bruttomarge lag bei 57,5 Prozent und übertraf die Prognose des Unternehmens deutlich. Besonders bemerkenswert war dem Bericht zufolge, dass das Management davon berichtete, Kunden würden bereits Bestellungen für 2029 und 2030 aufgeben, um ihre kurz- und mittelfristigen Bedarfsprognosen für Ausrüstung zu erfüllen. Für Anleger war das ein starkes Signal, dass die Nachfrage nach ASMLs Lithographiesystemen weit über den aktuellen Planungshorizont hinausreicht.
Was das für Anleger bedeutet
Für deutsche Privatanleger liegt der entscheidende Punkt in der Bewertung. ASML mag nicht billig sein, doch das Unternehmen verfügt über eine dominante Position im Markt und einen starken Wettbewerbsvorteil. Seine Lithografie-Maschinen sind im Technologiesektor unverzichtbar, was sich daran zeigt, dass Kunden Bestellungen weit im Voraus aufgeben, um der Nachfrage auch in einigen Jahren gerecht zu werden.
Ein gewisses Wachstum ist sicherlich in ASMLs Aktie eingepreist. Da das Unternehmen aber bereits Nachfrage bis 2030 sieht, könnte es sich auszahlen, zu einer noch höheren Bewertung gehandelt zu werden, um diese Art von Stabilität und Wachstum zu erhalten. Diese Einschätzung ist keine Kauf- oder Verkaufsempfehlung, sondern eine Einordnung der Bewertungslage: Der Vergleich des erwarteten KGV von 29 mit dem Durchschnitt des S&P 500 von etwas über 19 zeigt, dass Anleger für ASML eine deutliche Prämie zahlen.
Zu beachten ist auch, dass die Kennzahlen aus unterschiedlichen Quellen mit unterschiedlichen Maßeinheiten stammen. Die Marktkapitalisierung wird in US-Dollar angegeben, während die Umsatz- und Margenangaben des Konzerns in Euro ausgewiesen werden. Für deutsche Anleger bedeutet das, dass Währungseffekte die Wahrnehmung der Aktie zusätzlich beeinflussen können.
Ausblick
Die wichtigsten Termine und Erwartungen stehen bereits fest. So rechnet der Hersteller damit, dass Kunden Bestellungen für 2029 und 2030 aufgeben. Der Konzern prüft nach eigenen Angaben außerdem Möglichkeiten, die Kapazität für 2028 über den zuvor prognostizierten Anstieg von 30 Prozent hinaus zu erhöhen. Begründet wird dies mit einer weiterhin starken Nachfrage.
Die offene Frage bleibt, ob die Nachfrage so robust bleibt, wie es das Interesse an den Bestellungen für 2029 und 2030 nahelegt. Aus den vorliegenden Angaben ergibt sich keine belastbare Aussage darüber, wie sich die Aktie selbst entwickeln wird. Für Anleger bleibt die Bewertung damit das zentrale Kriterium.
Kurz erklärt
- KGV (Kurs-Gewinn-Verhältnis): Es setzt den Aktienkurs ins Verhältnis zum Gewinn je Aktie und zeigt, wie viel Anleger für einen Euro Gewinn zahlen.
- Erwartetes KGV: Diese Kennzahl basiert auf den Gewinnschätzungen von Analysten für das kommende Jahr statt auf bereits erzielten Gewinnen.
- Lithografie: Ein Verfahren der Chipfertigung, bei dem feine Strukturen mit Licht auf einen Wafer übertragen werden.
- Guidance: Die offizielle Prognose eines Unternehmens für die eigene Umsatz- und Gewinnentwicklung in kommenden Quartalen.
