ASIC prüft KI-Einsatz im australischen Bankensektor
Australiens Finanzaufsicht untersucht formell, wie Banken künstliche Intelligenz für Kundenangelegenheiten nutzen.

Die Australian Securities and Investments Commission (ASIC) hat am Mittwoch angekündigt, den Einsatz von künstlicher Intelligenz (KI) durch den australischen Bankensektor bei der Abwicklung von Kundenangelegenheiten formell zu überprüfen. Wie die Nachrichtenagentur Reuters berichtet, konzentriert sich die Untersuchung auf neue und vorgeschlagene Anwendungsfälle von KI durch die Banken sowie deren potenzielle Auswirkungen auf die Kunden.
Bereits im Mai hatte die Aufsichtsbehörde gewarnt, die Banken müssten dringende Maßnahmen ergreifen, um potenzielle Cyber-Risiken durch fortschrittliche KI-Systeme zu bekämpfen. Ein von Reuters eingesehener Brief der ASIC an die Banken vom Mittwoch bestätigt nun, dass die Behörde die Thematik formell aufgreift.
Schutz der Kunden im Fokus
Die ASIC erklärte, ihr seien die potenziellen Vorteile bewusst, die KI und Automatisierung für die Banken schaffen könnten. Zugleich sei die Behörde bestrebt, sicherzustellen, dass Kunden durch Entscheidungsfindungs- und Kreditvergabeprozesse weiterhin umfassend geschützt bleiben. Damit rückt die Frage in den Mittelpunkt, ob automatisierte Systeme bei Kreditentscheidungen oder der Bearbeitung von Kundenanliegen zu Benachteiligungen führen könnten.
Die Überprüfung ist Teil einer breiter angelegten Auseinandersetzung der Behörde mit den Risiken moderner Technologie im Finanzsektor. Schon Anfang August hatte die ASIC mitgeteilt, neun Runden Tischgespräche mit 600 Teilnehmern aus dem gesamten australischen Finanzdienstleistungssektor veranstaltet zu haben, um KI-Praktiken und -Verhalten in der Belegschaft zu ermitteln.
Cybersicherheit als zentrales Thema
Eines der zentralen Themen, die dabei hervortraten, war der Umgang von Banken und Aufsichtsräten mit zunehmenden Cybersicherheitsbedrohungen. Diskutiert wurde insbesondere, mit welcher Geschwindigkeit KI-gestützte Angriffe erfolgen können. Diese Sorge verdeutlicht, dass die Technologie nicht nur Chancen, sondern auch erhebliche Risiken für die Branche birgt.
Auch auf internationaler Ebene beschäftigen sich die Institute mit den neuen Möglichkeiten. Eine Gruppe großer Banken, darunter ING, NatWest, Bank of America, Capital One und die Commonwealth Bank of Australia, erklärte Anfang dieses Monats, Kunden seien begeistert von den Möglichkeiten des sogenannten agentic commerce und bestrebt, diese zu ermöglichen. Bei diesem Ansatz übernehmen KI-Agenten eigenständig Aufgaben im Namen der Nutzer.
Die Banken warnten jedoch zugleich, dass sich die KI-Technologie schneller weiterentwickle als viele Branchenstandards und Verbraucherschutzmaßnahmen. Diese Einschätzung unterstreicht die Herausforderung, vor der auch die Aufsichtsbehörden stehen: Regulierung und Schutzmechanismen müssen mit dem rasanten Tempo technologischer Innovation Schritt halten.
Für deutsche Anleger und Bankkunden ist die Entwicklung in Australien ein wichtiger Indikator. Sie zeigt, wie Aufsichtsbehörden weltweit versuchen, den Einsatz von KI im Finanzwesen zu kontrollieren, ohne dessen Effizienzvorteile zu ersticken. Die Ergebnisse der ASIC-Überprüfung könnten damit auch Signalwirkung für andere Märkte haben, in denen KI zunehmend in Kreditvergabe und Kundenbetreuung Einzug hält.
Die ASIC hat bislang keine Details zum Zeitplan oder zu möglichen Konsequenzen der Überprüfung genannt. Klar ist jedoch, dass die Behörde den Schutz der Verbraucher als zentralen Maßstab ihrer Prüfung definiert hat.
