Anthropic plant 518 Milliarden Dollar für Cloud und Rechenzentren
Der Claude-Hersteller legt erstmals konkrete Zahlen zu seinen größten Verbindlichkeiten offen – mehr als 100 Milliarden Dollar gehen an Amazon.

Der KI-Entwickler Anthropic, Hersteller des Chatbots Claude, plant offenbar gigantische Investitionen in seine technische Infrastruktur. Ein von Reuters gemeldeter Prospektentwurf zeigt, dass das Unternehmen Verpflichtungen in Höhe von 518 Milliarden US-Dollar für Cloud-Dienste, Computing und Infrastruktur eingehen will. Damit legt Anthropic erstmals konkrete Zahlen zu seinen größten Verbindlichkeiten vor.
Ein erheblicher Teil dieser Summe ist bereits fest vergeben. Mehr als 100 Milliarden US-Dollar sind dem Cloud-Giganten Amazon zugesagt. Die im April getätigte Zusage von Anthropic an Amazon Web Services (AWS) beläuft sich dem Bericht zufolge durchschnittlich auf über 10 Milliarden US-Dollar pro Jahr. Für deutsche Anleger ist das insofern relevant, als Amazon zu den größten Profiteuren des KI-Booms zählt und die Aktie des Konzerns auch hierzulande breit gestreut ist.
Amazon bilanziert Anteil an Anthropic mit rund 190 Milliarden Dollar
Interessant ist auch der Blick auf die Bilanz von Amazon. Zum Stichtag 30. Juni waren die Anteile des Konzerns an Anthropic mit rund 190 Milliarden US-Dollar bilanziert. Diese Bewertung unterstreicht, wie eng die beiden Unternehmen mittlerweile wirtschaftlich verflochten sind. Amazon ist nicht nur Cloud-Anbieter, sondern über seine Beteiligung auch direkt am Erfolg von Anthropic beteiligt.
Die nun bekannt gewordenen Zahlen werfen die Frage auf, ob sich Anthropic die eingegangenen Verpflichtungen tatsächlich leisten kann. Der Prospektentwurf legt die Dimensionen offen, in denen sich die KI-Branche bewegt: Rechenleistung und Cloud-Kapazität sind für das Training und den Betrieb großer Sprachmodelle unverzichtbar – und entsprechend teuer. Wer im Wettbewerb mit Konkurrenten wie OpenAI bestehen will, muss enorme Summen in Infrastruktur stecken.
Für den Markt ist die Offenlegung ein wichtiger Schritt. Bislang war weitgehend unklar, in welchem Umfang Anthropic langfristige Verpflichtungen eingegangen ist. Die 518 Milliarden US-Dollar zeigen, dass es sich um einen der größten Infrastruktur-Engagements im KI-Sektor handelt. Gleichzeitig macht die Zahl deutlich, wie stark das Geschäftsmodell von der Verfügbarkeit und dem Preis von Cloud-Kapazität abhängt.
Ob die Rechnung aufgeht, hängt maßgeblich davon ab, ob Anthropic seine Umsätze im gleichen Tempo steigern kann wie seine Ausgaben. Der Prospektentwurf deutet darauf hin, dass das Unternehmen den Kapitalmarkt in Anspruch nehmen will – ein Börsengang oder eine andere Form der Finanzierung könnte bevorstehen. Die konkreten Pläne dazu gehen aus dem vorliegenden Bericht allerdings nicht hervor.
Für Investoren bleibt festzuhalten: Die Verbindung zwischen Anthropic und Amazon wird immer enger. Amazon sichert sich langfristige Cloud-Aufträge, während Anthropic Zugang zu dringend benötigter Rechenleistung erhält. Wie tragfähig dieses Modell auf Dauer ist, wird sich an der künftigen Umsatzentwicklung von Anthropic entscheiden. Die nun veröffentlichten Zahlen liefern zumindest erstmals eine belastbare Grundlage für diese Einschätzung.
