Anleihen per ETF: Zins-Fonds locken Anleger mit fünf Prozent
Staatsanleihen werfen teils über fünf Prozent ab – für Privatanleger rückt der Kauf per ETF und Zins-Fonds in den Fokus.

Anleihen sind zurück auf der Renditebühne. Staatsanleihen werfen derzeit teils über fünf Prozent ab und liefern damit Erträge, die an den Aktienmarkt erinnern. Für Privatanleger, die festverzinsliche Wertpapiere lange gemieden haben, rückt das Thema damit wieder in den Fokus – auch über ETFs und Zins-Fonds.
Wer sein Geld dem US-Finanzminister Scott Bessent oder der Bundesregierung leiht, kann aktuell deutlich mehr verdienen als in den vergangenen Jahren. Die zehnjährige US-Staatsanleihe bringt rund 5,1 Prozent Rendite, Bundesanleihen kommen auf knapp 3,4 Prozent. Entscheidend ist dabei die Bedingung: Diese Rendite gilt nur, wenn der Anleger die Papiere bis zur Fälligkeit hält.
Damit stellt sich für viele Anleger die Frage, wie sie von dieser Entwicklung profitieren können, ohne einzelne Anleihen selbst auswählen zu müssen. Der Kauf per ETF, also über einen Zins-Fonds, ist eine Möglichkeit, breit gestreut in festverzinsliche Wertpapiere zu investieren.
Die Details
Die Zahlen zeigen, wie deutlich sich das Umfeld verändert hat. Staatsanleihen gelten als sicher, und sie werfen derzeit teils über fünf Prozent ab. Konkret nennt die Quelle für die zehnjährige US-Staatsanleihe eine Rendite von rund 5,1 Prozent. Bundesanleihen liegen mit knapp 3,4 Prozent niedriger, aber ebenfalls auf einem Niveau, das in den vergangenen Jahren kaum zu erzielen war.
Hinter diesen Renditen steht ein einfacher Mechanismus: Der Anleger leiht sein Geld – im Fall der US-Papiere dem US-Finanzminister Scott Bessent, im Fall der Bundesanleihen der Bundesregierung. Im Gegenzug erhält er Zinsen und am Ende der Laufzeit das eingesetzte Kapital zurück. Die genannte Rendite bezieht sich ausdrücklich auf die Haltedauer bis zur Fälligkeit. Wer vorher verkauft, kann je nach Kursentwicklung abweichen.
Das Thema Anleihen-Kauf per ETF rückt damit in den Mittelpunkt. Statt einzelne Papiere zu erwerben, können Anleger über einen Zins-Fonds auf viele Anleihen gleichzeitig setzen. So lässt sich das Risiko einzelner Schuldner streuen, während die laufenden Zinserträge gebündelt werden. Der Vergleich mit Aktien drängt sich auf, weil die erzielbaren Renditen derzeit ähnlich hoch ausfallen – allerdings unter anderen Voraussetzungen und mit anderem Risikoprofil.
Hintergrund: Was bisher geschah
Die aktuelle Entwicklung ist Teil einer längeren Bewegung am Anleihemarkt, über die aktien.news bereits mehrfach berichtet hat. Bereits am 16.09.2026 meldete aktien.news, dass die Renditen der zehnjährigen US-Staatsanleihen die 5-Prozent-Marke durchbrochen und ihr höchstes Niveau seit 2007 erreicht hatten. Der Anleihemarkt war damals verunsichert, doch viele Bond-Investoren überlegten, ob sich ein opportunistischer Moment im festverzinslichen Bereich ergibt.
Am 22.09.2026 berichtete aktien.news über Anleihen mit 4,5 Prozent Rendite. Der erfahrene Fondsmanager Andreas Beck sah darin eine attraktive Gelegenheit und nannte ein Portfolio aus zehnjährigen Euro-Staatsanleihen mit einer Umlaufrendite von knapp 4,5 Prozent "hochattraktiv". Zugleich warnte er vor übertriebener Euphorie, denn steigende Renditen bedeuten gefallene Kurse der betreffenden Anleihen.
Am 24.09.2026 schilderte aktien.news den Fall des Anlegers Felix Stefan, der sein Depot beim Neobroker Trade Republic bislang voll auf Aktien ausgerichtet hatte. Eine Rendite von fünf Prozent, die sich mit nahezu ausfallsicheren Staatsanleihen erzielen lässt, brachte ihn ins Grübeln. Am 01.10.2026 folgte der Bericht, dass die Renditen US-amerikanischer Staatsanleihen nahe ihren Mehrjahreshöchstständen notieren und in den vergangenen Wochen die Marke von 5 Prozent überschritten hatten. Finanzberater berichteten von wachsendem Interesse an Anleihen, vor allem bei Investoren, die im Ruhestand ein festes Einkommen absichern möchten.
Was das für Anleger bedeutet
Für deutsche Privatanleger verändert sich die Rechnung. Anleihen liefern derzeit aktienähnliche Renditen, ohne dass Anleger die gleichen Kursschwankungen wie am Aktienmarkt in Kauf nehmen müssen. Staatsanleihen gelten als sicher, was sie für konservative Anleger interessant macht. Wer bis zur Fälligkeit hält, kann die genannte Rendite realisieren.
Der Kauf per ETF oder Zins-Fonds senkt die Hürde. Anleger müssen keine einzelne Anleihe auswählen und sich nicht mit Fälligkeitsterminen einzelner Papiere beschäftigen. Stattdessen bündelt der Fonds viele Anleihen und schüttet die laufenden Zinsen aus. Das erleichtert den Einstieg, ersetzt aber nicht die Auseinandersetzung mit der eigenen Anlagestrategie.
Ein zentraler Punkt bleibt die Haltedauer. Die Rendite von rund 5,1 Prozent bei US-Staatsanleihen und knapp 3,4 Prozent bei Bundesanleihen gilt nur bei Haltedauer bis zur Fälligkeit. Wer vorzeitig verkauft, ist dem Kursrisiko ausgesetzt. Steigende Renditen führen zu fallenden Kursen – ein Zusammenhang, den Andreas Beck bereits am 22.09.2026 betonte.
Anleger sollten außerdem beachten, dass die genannten Werte unterschiedliche Märkte betreffen. US-Staatsanleihen und Bundesanleihen unterscheiden sich in Schuldner und Risikoprofil. Eine Kauf- oder Verkaufsempfehlung lässt sich daraus nicht ableiten.
Ausblick
Die weitere Entwicklung hängt von den Faktoren ab, die den Markt bereits bewegen. In den vergangenen fünf Jahren sind die Renditen von Staatsanleihen mit Laufzeiten von fünf Jahren und länger stetig von ihren Tiefstständen während der Pandemie gestiegen. In den vergangenen Wochen haben sie die Marke von 5 Prozent überschritten. Auch kürzere Laufzeiten werfen inzwischen nennenswerte Erträge ab.
Ob dieses Niveau hält, ist offen. Der Bericht vom 16.09.2026 verwies auf Bedenken hinsichtlich Inflation und des US-Bundesdefizits, die die Anleihepreise unter Druck gesetzt hatten. Zugleich wächst das Interesse von Anlegern, die feste Einkommen absichern wollen. Für Privatanleger bleibt es damit eine Frage der eigenen Strategie, ob und in welchem Umfang sie Anleihen per ETF in ihr Portfolio aufnehmen.
Kurz erklärt
- Anleihe: Ein Wertpapier, mit dem ein Anleger Geld verleiht und dafür Zinsen erhält.
- Rendite: Der Ertrag einer Geldanlage, hier bezogen auf die Haltedauer bis zur Fälligkeit.
- ETF: Ein börsengehandelter Fonds, der viele Wertpapiere bündelt und wie eine Aktie handelbar ist.
- Zins-Fonds: Ein Fonds, der in festverzinsliche Wertpapiere investiert und Zinserträge bündelt.
