Anleger bleiben vorsichtig vor Quartalszahlen und Zolldruck
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Die Anleger an den deutschen Börsen haben sich zum Wochenstart zurückgehalten. Der DAX schloss gestern nahezu unverändert mit einem Plus von 0,08 Prozent bei 24.307 Punkten. Damit setzte sich die verhaltene Entwicklung fort, nachdem es am Freitag noch zu Gewinnmitnahmen gekommen war. Vor allem die anstehende Berichtssaison wichtiger DAX-Konzerne und die ungelöste Zollfrage mit den USA dämpften die Risikobereitschaft. Analysten wie Mislav Matejka von JPMorgan warnten vor möglichen Enttäuschungen in den kommenden Quartalsberichten, unter anderem aufgrund eines starken Euro und schwankender Geschäftslagen.
Ein Fokus der Investoren lag auf dem Treffen von Bundeskanzler Friedrich Merz mit Spitzenvertretern der deutschen Wirtschaft. Dabei kündigten 61 große Unternehmen und Investmentfirmen eine gemeinsame Initiative mit dem Titel „Made for Germany“ an. Bis 2028 wollen sie Investitionen in Höhe von 631 Milliarden Euro tätigen. Nach Angaben des Brokers RoboMarkets könnten davon bis zu 300 Milliarden Euro zusätzlich zum Investitionspaket der Bundesregierung beitragen. Konkrete Ausgaben sind bislang allerdings noch nicht erfolgt.
Während die Politik auf Investitionssignale setzt, bleibt die wirtschaftliche Lage in Teilen der Industrie angespannt. Laut dem Arbeitgeberverband Gesamtmetall sind seit Jahresbeginn rund 60.000 Arbeitsplätze in der Metall- und Elektroindustrie verloren gegangen. Im Mai lag die Beschäftigtenzahl um 2,5 Prozent unter dem Vorjahreswert – trotz einer sich leicht bessernden Auftragslage.
Im internationalen Handel bleibt der Zollkonflikt mit den USA ein Unsicherheitsfaktor. Zwar zeigte sich US-Handelsminister Howard Lutnick optimistisch, eine Einigung mit der EU erzielen zu können, doch bis zur Frist am 1. August besteht weiterhin das Risiko von neuen Strafzöllen. Bundeskanzler Merz spricht sich dafür aus, Gegenmaßnahmen erst nach Scheitern der Gespräche zu ergreifen.
Positive Impulse kamen unterdessen aus den USA: Die dortigen Börsen starteten mit Kursgewinnen in die neue Woche. Der Dow Jones legte um 0,3 Prozent zu, der S&P 500 stieg um 0,5 Prozent, der Nasdaq 100 um 0,8 Prozent. Auch der Euro konnte zulegen und wurde bei 1,16 Dollar gehandelt. Der Goldpreis verzeichnete ein Plus von 1,16 Prozent auf knapp 3.389 Dollar je Feinunze.
In der Einzelwertbetrachtung sorgten einige Unternehmen für Schlagzeilen: Die Münchener Rück übertraf mit einem Gewinn von 2,1 Milliarden Euro im zweiten Quartal die Erwartungen. Mercedes-Benz rief weltweit über 220.000 Vans zurück. Bayer erhielt EU-Zulassung für ein weiteres Anwendungsgebiet seines Medikaments Nubeqa. Stellantis meldete hingegen einen Milliardenverlust, Evotec senkte überraschend seine Umsatzprognose. Ryanair verzeichnete einen deutlichen Gewinnsprung.
