Amazons Weg zur Klimaneutralität bis 2040
Nachhaltige Energie, emissionsfreie Transporte und Herausforderungen bei der Umsetzung

Das US-Technologieunternehmen Amazon steht im Fokus der Klimadebatte. Würde man den CO2-Ausstoß des Konzerns mit dem eines Landes vergleichen, läge dieser über dem von Österreich. Hauptverursacher sind die Cloudserver des Unternehmens, die enorme Mengen an Energie verbrauchen. Noch gravierender wirkt sich der weltweite Transport mit Lastwagen, Schiffen und Flugzeugen auf die Klimabilanz aus. Andreas Marschner, Vice President bei Amazon, ist verantwortlich für die nachhaltige Entwicklung der Transportflotten. Trotz der Herausforderungen hält er an der Zielsetzung fest, dass Amazon bis 2040 klimaneutral operieren will.
Seit 2019 verfolgt Amazon mit dem sogenannten "Climate Pledge" die Absicht, die CO2-Emissionen in allen Geschäftsbereichen auf null zu reduzieren. Die globale Erderwärmung hat jedoch bereits die kritische Marke von 1,5 Grad überschritten, und der erneute Austritt der USA aus dem Pariser Klimaabkommen unter Donald Trump sorgt für zusätzliche Unsicherheiten. Marschner bekräftigt dennoch, dass die Klimaziele des Unternehmens unverändert bestehen bleiben. Er verweist darauf, dass Kunden und Mitarbeiter von Amazon eine nachhaltige Geschäftsentwicklung erwarten.
Marschner, der seit acht Jahren bei Amazon tätig ist, begann mit dem Aufbau des europäischen Transportnetzwerks und übernahm vor zwei Jahren die globale Verantwortung für die Dekarbonisierung der Logistik. Im Bereich des Energieverbrauchs hat Amazon sein Ziel bereits erreicht: Der gesamte Strombedarf des Unternehmens wird aus erneuerbaren Energien gedeckt. Dazu wurden weltweit Investitionen in Wind- und Solarparks getätigt. Auch bei Verpackungen gibt es Fortschritte, indem recycelte Materialien verwendet und Verpackungsgrößen besser an Produkte angepasst werden.
Die größte Herausforderung bleibt jedoch der Transport. Während auf kurzen Strecken bereits Fortschritte erzielt wurden, sind klimafreundliche Lösungen für längere Distanzen noch in der Entwicklung. Amazon setzt dabei auch auf seine Logistikpartner und auf regulatorische Unterstützung. Obwohl das Unternehmen den Großteil der Transporte über Drittanbieter wie DHL oder Hapag-Lloyd abwickelt, sieht Marschner Amazon als bedeutenden Akteur, der durch Investitionen in nachhaltige Transportlösungen Einfluss nimmt.
Im europäischen Güterverkehr hat Amazon kürzlich über 200 Elektro-Lkw von Mercedes bestellt. Diese sollen jährlich etwa 350 Millionen Pakete transportieren. Dennoch bleibt der Anteil von Elektrofahrzeugen im Vergleich zur Gesamtflotte gering. Die hohen Anschaffungskosten und die unzureichende Ladeinfrastruktur stellen weiterhin große Hürden dar. Marschner betont, dass Amazon eigene Schnellladestationen eingerichtet hat, um eine effiziente Nutzung der Elektro-Lkw sicherzustellen.
Neben dem Straßenverkehr sieht Amazon auch im Schiffs- und Lufttransport Möglichkeiten zur Emissionsreduktion. In Zusammenarbeit mit Unternehmen wie Maersk und Hapag-Lloyd werden alternative Treibstoffe wie Methanol, Wasserstoff und Ammoniak erprobt. Erste emissionsfreie Schiffe sind bereits im Einsatz, jedoch fehlt es noch an der Skalierbarkeit dieser Technologien. Auch im Luftfrachtbereich setzt Amazon auf nachhaltige Kraftstoffe, doch die hohen Betriebskosten erschweren eine umfassende Umsetzung. Eine Optimierung der Lagerstandorte soll zudem helfen, Transportwege zu verkürzen und Emissionen zu senken.
Trotz der bestehenden Herausforderungen bleibt Marschner zuversichtlich, dass Amazon bis 2040 klimaneutral arbeiten kann. Er verweist auf kontinuierliche Verbesserungen, darunter eine Reduktion der CO2-Intensität um 13 Prozent im Jahr 2023 im Vergleich zum Vorjahr. Der Weg zur Klimaneutralität sei komplex und erfordere eine Vielzahl kleinerer Maßnahmen, die gemeinsam einen signifikanten Beitrag zur Emissionsreduzierung leisten könnten.
