Amazon und Shopify: Zwei Top-Aktien für langfristige Anleger im Mai
Trotz des alten Börsensprichworts „Sell in May" bieten Amazon und Shopify attraktive Einstiegschancen für geduldige Investoren.

Das Börsensprichwort „Sell in May and go away" rät Anlegern, ihre Aktien im Mai zu verkaufen und erst im November an den Markt zurückzukehren. Die Idee dahinter: Aktien sollen in den Sommermonaten eine unterdurchschnittliche Performance aufweisen. Doch ein genauerer Blick auf die Daten zeigt, dass diese Strategie in den vergangenen 53 Jahren nur 22-mal erfolgreich war. Wer im vergangenen Jahr verkauft hätte, hätte zudem deutliche Kursgewinne verpasst.
Die bessere Entscheidung für langfristig orientierte Anleger ist es daher, investiert zu bleiben. Zwei Wachstumsaktien stechen dabei besonders hervor: Amazon und Shopify. Beide Unternehmen verfügen über starke Wachstumstreiber und sind trotz ihrer Marktstellung zu attraktiven Bewertungen erhältlich.
Amazon: Zunehmende Dynamik in Cloud und E-Commerce
Amazon (AMZN) zählt derzeit zu den überzeugendsten Kaufkandidaten am Markt. Das Unternehmen läuft sowohl im Cloud-Computing- als auch im E-Commerce-Geschäft auf Hochtouren. Besonders bemerkenswert ist die Bewertung: Auf Basis des Forward-Kurs-Gewinn-Verhältnisses (Forward-KGV) wird die Aktie mit dem 31,5-fachen gehandelt – günstiger als stationäre Wettbewerber wie Walmart und Costco, die mit Multiplikatoren von über 40 bewertet werden.
Im ersten Quartal 2026 zeigte Amazon eindrucksvoll, welchen operativen Hebel das E-Commerce-Geschäft besitzt: Das operative Ergebnis in Nordamerika schnellte um 43% in die Höhe, obwohl der Umsatz „nur" um 12% wuchs. Effizienzgewinne durch den Einsatz von Robotik und künstlicher Intelligenz (KI) treiben diese Margenverbesserung an. Auch das Werbegeschäft entwickelt sich stark – der Umsatz stieg hier um 24%.
Das profitabelste Segment des Konzerns, Amazon Web Services (AWS), verzeichnete im ersten Quartal ein Umsatzwachstum von 28% – die höchste Wachstumsrate seit fast vier Jahren. Amazon investiert aggressiv in Rechenzentrumsinfrastruktur, um die Kapazitäten für die wachsende KI-Nachfrage auszubauen. Bestehende Vereinbarungen mit KI-Unternehmen wie Anthropic und OpenAI dürften das Wachstum im Jahresverlauf weiter beschleunigen.
Hinzu kommt das hauseigene Chip-Geschäft, das eine Run-Rate von 20 Milliarden US-Dollar aufweist – oder rund 50 Milliarden US-Dollar, wenn die interne Nutzung einbezogen wird. Die Trainium-KI-Beschleuniger unterstützen ein großes Rechenzentrum für Anthropic. Meta Platforms hat zudem kürzlich eine Vereinbarung über Amazons Graviton-Prozessoren geschlossen, um seine Aktivitäten im Bereich der agentenbasierten KI zu unterstützen. Für langfristige Anleger bietet Amazon damit eine überzeugende Kombination aus operativem Hebel und KI-Wachstumspotenzial.
Shopify: Den Rücksetzer als Einstiegschance nutzen
Nach einem Abverkauf Anfang Mai präsentiert sich auch Shopify (SHOP) als attraktive Kaufgelegenheit. Das Unternehmen betreibt eine Software-as-a-Service-Plattform (SaaS), mit der Händler sowohl ihr Online- als auch ihr Offline-Geschäft verwalten können. Ursprünglich auf kleine und mittelständische Händler ausgerichtet, wickelt die Plattform heute auch das Backend für große Einzelhändler und Marken ab.
Shopify hat sein Angebot konsequent erweitert: Neben dem klassischen Online-Handel umfasst die Plattform mittlerweile auch Business-to-Business-Lösungen (B2B) sowie den stationären Handel. Europa gilt dabei als wichtiger Wachstumsmarkt. Das Unternehmen generiert Umsätze sowohl durch den Verkauf seiner Softwareplattform als auch durch Zahlungsabwicklungen und weitere Händlerlösungen. Eine steigende Attach Rate bei den Zahlungsdiensten hilft Shopify, gemeinsam mit seinen Kunden zu wachsen.
Ein besonders spannender Wachstumstreiber ist der sogenannte „Agentic Commerce". Der Shopify-Katalog dient als Grundlage für das Universal Commerce Protocol (UCP), das gemeinsam mit <a class="tvreplink" target="_blank" href="https://de.tradingview.com/symbols/Nasdaq%3AGOOG">Alphabet entwickelt wurde. Da KI-Agenten vertrauenswürdige und strukturierte Daten benötigen, um Produkte zu finden, die vorrätig und korrekt bepreist sind, ist Shopify gut positioniert, um von diesem künftigen Wandel im Handel zu profitieren.
Bewertungsseitig wird die Aktie auf Basis der Analystenprognosen für 2027 mit einem Forward-Kurs-Umsatz-Verhältnis (KUV) von unter 8 gehandelt – bei einem Umsatzwachstum von rund 30%. Für langfristig orientierte Anleger, die bereit sind, den aktuellen Rücksetzer als Einstiegsgelegenheit zu nutzen, erscheint Shopify damit fundamental attraktiv bewertet.
Zusammenfassend bieten sowohl Amazon als auch Shopify im Mai 2026 überzeugende Argumente für einen langfristigen Kauf. Anstatt dem „Sell in May"-Sprichwort zu folgen, könnten Anleger die aktuelle Marktlage nutzen, um in zwei der dynamischsten Wachstumsunternehmen im E-Commerce- und Cloud-Sektor zu investieren.
