Amazon und Musk im Wettlauf im Orbit
Europa setzt mit IRIS² auf eigene sichere Satelliteninfrastruktur

Mehr als 7000 Satelliten von Elon Musks Starlink umkreisen bereits die Erde, versorgen entlegene Regionen mit Internet und haben in Krisengebieten wie der Ukraine eine entscheidende Rolle gespielt. Doch nun drängt ein neuer Akteur in den Markt: Amazon will mit dem Projekt „Kuiper“ ein eigenes globales Satellitennetzwerk etablieren. Schon ab 2026 soll der Dienst in ersten Ländern verfügbar sein, darunter auch Deutschland. Erste Tests haben Datenraten im Gigabit-Bereich gezeigt, und Amazon plant bis 2028 über 3000 Satelliten in Umlauf zu bringen. Langfristig soll die Zahl sogar auf mehr als 3200 steigen.
Bis Ende dieses Jahres sollen zunächst 200 Kuiper-Satelliten in den niedrigen Erdorbit gebracht werden. Mehr als 100 befinden sich bereits dort, weitere Starts erfolgen in kurzen Abständen. Für den Ausbau setzt Amazon auf Kooperationen: Raketenstarts werden sowohl von SpaceX als auch von der europäischen Ariane 6 durchgeführt. Die dazugehörigen Empfangsantennen sollen weniger als 500 Dollar kosten. Nach Unternehmensangaben werden die ersten Dienste nur Teile der Nordhalbkugel abdecken, bevor die Abdeckung sukzessive ausgeweitet wird. Bis Ende 2026 will Amazon bis zu 26 Staaten erreichen, ein Jahr später den Äquator überqueren und 2028 schließlich fast 100 Staaten versorgen.
Damit tritt Amazon in direkte Konkurrenz zu Starlink. Elon Musk hat mit seinem Satellitendienst bereits eine Vormachtstellung aufgebaut und prägt den Markt seit Jahren. Die Nutzung von Starlink in der Ukraine hat gezeigt, wie sehr einzelne Privatunternehmen durch Satellitennetze Einfluss auf geopolitische Entscheidungen nehmen können. Musk entschied eigenständig, in welchen Regionen sein Netzwerk verfügbar war und in welchen nicht. Für Experten ist dies ein Beleg für die Abhängigkeit ganzer Staaten von wenigen Anbietern.
Europa reagiert mit eigenen Plänen, um die Abhängigkeit von US-Unternehmen zu verringern. Das Programm IRIS² soll bis 2030 ein europäisches Satellitennetzwerk für sichere Kommunikation schaffen. Mit einem Budget von 10,6 Milliarden Euro wird eine Multi-Orbit-Konstellation entwickelt, die nicht nur zivile, sondern auch militärische und diplomatische Kommunikation absichern soll. Airbus, Thales und Leonardo bündeln dafür ihre Satellitensparten, während der Betreiber Eutelsat den kommerziellen Teil verantwortet.
IRIS² wird von der EU als strategisches Projekt gesehen, um die technologische und sicherheitspolitische Unabhängigkeit zu wahren. In Brüssel betonen Politiker, dass Europa sich nicht auf die Dienste einzelner Konzerne außerhalb der Union verlassen dürfe. Parallel investieren Unternehmen wie Eutelsat, die Deutsche Telekom, SES und Hispasat in eigene Kapazitäten. Besonders im niedrigen Orbit steigt die Nachfrage deutlich, da dort eine globale Abdeckung mit geringem Infrastrukturaufwand möglich ist.
Der Ausbau von Satellitennetzen stellt auch klassische Anbieter wie DSL-, Glasfaser- und Mobilfunkunternehmen vor neue Herausforderungen. Gerade in ländlichen Regionen, auf See oder in Katastrophengebieten bietet Satelliteninternet Vorteile. Zwar sind Latenzen und Wetterabhängigkeit noch ein Thema, doch mit jeder neuen Generation verbessern sich die Systeme. Klar ist: Der Orbit wird zunehmend zum umkämpften Schauplatz für Technologie, Märkte und Sicherheit.
