AlphaGo-Mitentwickler Thore Graepel sucht Millionen für KI-Startup
Der DeepMind-Veteran Thore Graepel verlässt Alphabet und sammelt für ein neues KI-Reasoning-Startup zunächst mehrere zehn Millionen US-Dollar ein.

Ein Mitentwickler von AlphaGo, dem wegweisenden KI-Programm von Google DeepMind, sucht Kapital für ein neues Startup. Thore Graepel, der im Sommer aus dem Forschungslabor von <a class="tvreplink" target="_blank" href="https://de.tradingview.com/symbols/Nasdaq%3AGOOG">Alphabet Inc. ausstieg, plant nach Angaben mit der Sache vertrauter Personen, von einer kleinen Anfangsgruppe von Investoren mehrere zehn Millionen US-Dollar einzusammeln. Die Personen äußerten sich gegenüber der Nachrichtenagentur dpa unter der Bedingung der Anonymität, da die Informationen privat seien. Später könnte nach ihren Angaben eine weitere Tranche in Höhe von mehreren hundert Millionen US-Dollar zu einer höheren Bewertung eingebracht werden.
Damit steht der Forscher vor einer zweistufigen Finanzierung: Zunächst geht es um eine überschaubare Summe aus einem kleinen Kreis von Geldgebern, danach um ein deutlich größeres Volumen. Eine solche Staffelung ist im Umfeld junger KI-Unternehmen verbreitet, wenn Gründer zunächst Kapital für den Aufbau eines Teams und erster Produkte benötigen und eine höhere Bewertung erst mit sichtbarem Fortschritt anstreben.
Ein weiterer prominenter Abgang bei DeepMind
Graepel ist der jüngste prominente Forscher des Unternehmens, der das Haus verlässt, um für ein neues Startup erhebliche Finanzmittel zu akquirieren. Der Schritt reiht sich damit in eine Reihe von Abgängen aus dem Forschungslabor von Alphabet ein. Für Kapitalgeber ist die Personalie von besonderer Bedeutung, weil Graepel an einem der bekanntesten KI-Programme der Welt mitgearbeitet hat – eine Referenz, die in der Frühphase eines Unternehmens oft über die Höhe der Bewertung mitentscheidet.
Auffällig ist die Größenordnung: Mehrere zehn Millionen US-Dollar in einer ersten Runde sind für ein Unternehmen ohne öffentlich bekanntes Produkt ein erhebliches Volumen. Die Aussicht auf eine zweite Tranche im Bereich mehrerer hundert Millionen US-Dollar deutet darauf hin, dass die Gespräche mit Investoren bereits auf eine spätere Wachstumsphase ausgerichtet sind. Ob und zu welchen Konditionen diese zweite Runde tatsächlich zustande kommt, ist offen.
Was deutsche Anleger aus der Personalie mitnehmen
Der Fall illustriert einen Mechanismus, der den KI-Markt derzeit prägt: Nicht Kapital ist der knappste Faktor, sondern Forschungspersonal mit nachgewiesener Erfolgsbilanz. Wer an bahnbrechenden Modellen mitgearbeitet hat, kann Kapitalgeber in einem Umfang mobilisieren, der in anderen Technologiebranchen in dieser frühen Phase ungewöhnlich wäre. Für deutsche Privatanleger ist das vor allem indirekt relevant, etwa über börsennotierte KI-Werte oder Fonds, die in junge Technologieunternehmen investieren.
Zugleich bleibt die Informationslage dünn. Weder der Name des Startups noch die beteiligten Investoren, der genaue Zeitplan oder die konkrete Bewertung wurden genannt. Die Angaben stammen aus anonymen Quellen und sind bislang nicht offiziell bestätigt. Anleger sollten solche Meldungen daher als Indikation behandeln und nicht als gesicherte Unternehmensnachricht.
Unklar ist auch, wie sich die Finanzierung auf den Wettbewerb im Bereich des KI-Reasoning auswirkt. Der Begriff beschreibt Systeme, die Schlussfolgerungen in mehreren Schritten ziehen und komplexe Probleme lösen sollen – ein Feld, in dem Forschungsgruppen weltweit um Fortschritte ringen. Sollte Graepel in diesem Segment erfolgreich Kapital einsammeln, wäre das ein weiteres Signal dafür, dass sich der Schwerpunkt der KI-Investitionen von reinen Sprachmodellen hin zu Reasoning-Fähigkeiten verschiebt.
Für Alphabet bedeutet der Abgang zunächst keinen unmittelbaren operativen Einschnitt. Der Verlust von Forschern mit Schlüsselrollen in prestigeträchtigen Projekten wird an den Kapitalmärkten jedoch aufmerksam verfolgt, weil er Rückschlüsse auf die Bindung von Talenten in großen Konzernen zulässt. Wie sich das neue Startup konkret positioniert, dürfte erst mit der offiziellen Bekanntgabe der Finanzierung sichtbar werden.
