Aktives Fondsmanagement scheitert: Nur 13 Prozent schlagen den Markt
Neue Morningstar-Daten zeigen: Über zehn Jahre hinweg versagen aktiv gemanagte US-Aktienfonds kläglich gegenüber passiven Indexstrategien.

Nur 13 Prozent der aktiv gemanagten US-Large-Cap-Aktienfonds haben ihren passiven Vergleichsindex über einen Zeitraum von zehn Jahren bis zum 30. Juni 2026 nach Abzug von Gebühren übertroffen. Das zeigen aktuelle Daten des Analysehauses Morningstar. Trotz optimistischer Marketingkampagnen großer Finanzinstitute bleibt die Bilanz für aktive Fondsmanager im US-Aktienmarkt historisch schlecht.
Kurzfristig zeigt sich zwar eine leichte Verbesserung: Im jüngsten 12-Monats-Fenster schafften es immerhin 27 Prozent der aktiv gemanagten Fonds, ihre Benchmark zu schlagen. Doch die langfristige Entwicklung bleibt eindeutig negativ für Stock-Picker. Die Branche hatte argumentiert, das aktuelle wirtschaftliche Umfeld – geprägt von höheren Zinsen und dem disruptiven Potenzial der Künstlichen Intelligenz – würde einen sogenannten „Stock Picker's Market" schaffen. Firmen wie T. Rowe Price und Janus Henderson vermarkteten aktives Management zuletzt als überlegene Strategie für dieses Umfeld. Jefferies-CEO Rich Handler schrieb in einem Brief an Kunden, der Markt habe endlich einen Punkt erreicht, an dem aktive Manager effektiv mit passiven Strategien konkurrieren könnten. Die Daten widersprechen dieser Einschätzung jedoch deutlich.
Marktkonzentration als strukturelles Hindernis
Ein zentraler Grund für die anhaltende Underperformance liegt in der extremen Konzentration des US-Aktienmarktes. Die zehn größten Unternehmen im S&P 500 machen inzwischen mehr als 40 Prozent des gesamten Indexwertes aus – der höchste Konzentrationsgrad seit den 1960er Jahren. Für deutsche Anleger, die US-Fonds im Depot halten, ist das eine wichtige Einordnung.
Aktive Manager befinden sich dabei in einem strukturellen Dilemma: Aus Risikoerwägungen und aufgrund von Anlagerichtlinien vermeiden sie häufig eine so hohe Gewichtung einzelner Mega-Cap-Technologieaktien, wie sie in den großen Indizes zu finden ist. Wenn genau diese Tech-Giganten den Markt anführen, hinken aktive Portfolios mit einer Untergewichtung dieser Titel zwangsläufig hinterher. Dieses Phänomen hält selbst dann an, wenn die Performanceunterschiede zwischen einzelnen Aktien innerhalb desselben Index auf Mehrjahrzehnthochs gestiegen sind – eine Bedingung, die theoretisch erfahrenen Stock-Pickern zugutekommen sollte.
Massiver Kapitalabfluss aus aktiven Fonds
Die anhaltende Underperformance hat einen strukturellen Wandel im Anlageverhalten beschleunigt. Seit 2015 verzeichnen aktive Aktienfonds Jahr für Jahr konsistente Mittelabflüsse. Matthew Bartolini, Leiter der SPDR Americas Research bei State Street Global Advisors, verdeutlichte die Schwere dieses Trends mit einem plastischen Vergleich: Er stellte die konstanten Abflüsse aus aktiven Aktienfonds der langjährigen Niederlagenserie der New York Jets gegenüber.
Anleger wenden sich zunehmend kostengünstigen und steuerlich effizienten Exchange Traded Funds (ETFs) zu. Das Ausmaß dieser Verschiebung ist beträchtlich: Passive Fonds, die 2020 erstmals mit aktiven Fonds gleichzogen, verwalten inzwischen fast doppelt so viel Kapital. Prognosen zufolge sind passive ETFs auf Kurs, im gesamten Jahr 2026 einen Rekordzufluss von einer Billion US-Dollar zu verzeichnen.
Anleihen als Ausnahme: Aktive Manager punkten im Rentenmarkt
Während aktives Management im Aktienbereich versagt, zeigt sich im Anleihenmarkt ein deutlich anderes Bild. Rund 66 Prozent der aktiv gemanagten mittelfristigen Kernanleihe-Fonds übertrafen ihre Benchmark im vergangenen Jahr – und eine Mehrheit dieser Fonds hielt diesen Erfolg drei Jahre in Folge aufrecht. Für Anleger, die auf aktives Management setzen möchten, liefert der Rentenmarkt also deutlich bessere Argumente.
Angesichts dieser Erkenntnisse plädieren einige Branchenexperten für einen hybriden Ansatz. State Street Global Advisors empfiehlt, kostengünstige passive ETFs für die breite Aktienmarktabdeckung zu nutzen und das Budget für aktives Management auf Segmente wie Anleihen zu konzentrieren, wo aktive Manager historisch nachweislich Mehrwert schaffen konnten.
Die Kluft zwischen den Marketingversprechen der Aktiv-Management-Branche und den empirischen Performancedaten bleibt damit groß. Während Fondsgesellschaften weiterhin argumentieren, KI und Zinsschwankungen böten neue Chancen für Alpha-Generierung, zeigen die Daten: Strukturelle Marktkonzentration und die Kostenvorteile passiver Vehikel bleiben die dominierenden Kräfte im Investmentmarkt. Der Druck auf aktive Manager, ihren Mehrwert zu beweisen, war selten höher.
