Airbus verschiebt Wasserstoffflugzeug auf 2040
Technische Hürden, fehlende Investitionen und Kritik an der Politik

Airbus hat offiziell bestätigt, dass das ursprünglich für 2035 geplante Wasserstoffflugzeug erst frühestens 2040 realisiert werden kann. Die Ankündigung des Konzerns, die Umstellung auf eine Brennstoffzelle statt eines Wasserstoffverbrennungsmotors vorzunehmen, sorgte für heftige Reaktionen in der Branche. Kritiker äußerten den Vorwurf, dass dies einem Rückzug von der angestrebten Klimaneutralität gleichkomme. Airbus-Chef Guillaume Faury versuchte bei der Präsentation der Geschäftszahlen für 2024, die Situation zu entschärfen, indem er betonte, dass Wasserstoff weiterhin eine zentrale Rolle in den Plänen des Unternehmens spiele, jedoch ein verändertes technisches Konzept notwendig sei.
Die Entscheidung, den Entwicklungsplan zu überarbeiten, war bereits seit einiger Zeit innerhalb des Unternehmens diskutiert worden. Interne Experten hatten die technischen Herausforderungen eines Wasserstoffverbrennungsmotors als schwer zu bewältigen eingestuft. Lars Wagner, künftiger Leiter des Airbus-Zivilflugzeugbaus, erklärte, dass die Entwicklung eines solchen Antriebs zwar grundsätzlich möglich sei, jedoch die zusätzlichen Anforderungen an die Infrastruktur und Zulassung ein erhebliches Problem darstellten. Ein Airbus-Aufsichtsrat hatte bereits 2022 darauf hingewiesen, dass es unwahrscheinlich sei, dass bis 2035 ein marktreifes Wasserstoffflugzeug entstehen könne.
Der Kommunikationsprozess rund um die Verzögerung geriet ins Zentrum der Kritik. Obwohl der Kurswechsel bereits Mitte der vergangenen Woche entschieden wurde, informierte das Unternehmen zunächst nur die Gewerkschaft Force Ouvrier, anstatt eine offizielle Erklärung für die Öffentlichkeit abzugeben. Erst als Gewerkschaftsvertreter Details veröffentlichten, reagierte Airbus mit einer Stellungnahme. Die Unternehmenskommunikation wirkte dabei unklar und ausweichend, anstatt die Hintergründe der Entscheidung transparent darzulegen. Faury versuchte während der Pressekonferenz, die Wogen zu glätten, indem er erklärte, dass die Anpassung des Zeitplans keine Abkehr von Wasserstoff bedeute, sondern vielmehr eine realistischere Umsetzung ermögliche.
Zusätzlich machte Airbus mangelnde Unterstützung durch Politik und Industrie für die Verzögerung mitverantwortlich. Faury kritisierte, dass weder Wasserstofflieferanten noch Fluggesellschaften die notwendigen Investitionen in die Infrastruktur getätigt hätten. Viele Projekte seien zurückgestellt oder in ihrer Priorität herabgestuft worden, sodass die wirtschaftliche Grundlage für ein Wasserstoffflugzeug fehle. Airbus sei nicht bereit, ein Modell zu entwickeln, das am Ende mangels Nachfrage oder fehlender Wasserstoffversorgung nicht einsetzbar sei.
Die Forderung nach einem klaren regulatorischen Rahmen für Wasserstoffproduktion und -nutzung in der Luftfahrt wurde von Faury erneut betont. Die Politik müsse nun entsprechende Rahmenbedingungen schaffen, um die Umsetzung von Wasserstofflösungen zu ermöglichen. Airbus verweist darauf, dass der Konzern bereits erhebliche Fortschritte in der Erforschung alternativer Antriebstechnologien erzielt habe, unter anderem mit einem Hybridelektro-Antriebsmodell in Zusammenarbeit mit dem französischen Triebwerksbauer Safran. Dennoch bleibt unklar, wie und wann der Übergang zu wasserstoffbasierten Flugzeugen tatsächlich gelingen kann.
