Airbus saniert sein Satellitengeschäft
Hohe Verluste und Konkurrenzdruck erfordern drastische Maßnahmen und Umstrukturierungen

Der europäische Luft- und Raumfahrtkonzern Airbus sieht sich gezwungen, sein Satellitengeschäft aufgrund erheblicher finanzieller Schwierigkeiten zu sanieren. In diesem Jahr haben sich milliardenschwere Rückstellungen in der Raumfahrtsparte angehäuft, was Konzernchef Guillaume Faury dazu veranlasst hat, „alle strategischen Optionen“ zu prüfen. Ein massiver Stellenabbau von bis zu 2.500 Mitarbeitern steht bereits fest. Obwohl die Hauptgeschäftsfelder, insbesondere im Passagierflugzeugbau, relativ stabil sind, drohen die Probleme im Satellitensektor die finanziellen Ergebnisse von Airbus zu belasten.
Im vergangenen Jahr erlebte das Unternehmen eine Belastung von 600 Millionen Euro, gefolgt von weiteren Abschreibungen in Höhe von 900 Millionen Euro im Juni 2024. Die Schwierigkeiten des Unternehmens werden nicht nur durch die Herausforderungen im eigenen Haus verursacht, sondern auch durch den starken Wettbewerb, insbesondere durch die Aktivitäten von SpaceX. Diese Firma hat mit ihrer niedrigen Erdumlaufbahnsatellitenkonstellation Starlink einen bedeutenden Marktanteil erobert, was europäische Anbieter wie Airbus unter Druck setzt.
Um die Effizienz zu steigern, betont Airbus, dass die Sanierungsmaßnahmen nicht nur die Raumfahrtaktivitäten, sondern die gesamte Sparte Defence and Space betreffen werden. Der Airbus-Spartenchef Michael Schöllhorn äußerte, dass das Unternehmen „schneller, schlanker und kompetitiver“ werden müsse. Die Pläne für den Stellenabbau sollen sozialverträglich gestaltet werden, und es wird erwartet, dass die Positionen nicht nachbesetzt werden. Einzelheiten zum Sanierungsplan bleiben bislang unklar.
Ein bedeutender Faktor für die Schwierigkeiten von Airbus ist die Marktveränderung hin zu erdnahen Satelliten, während das Unternehmen in geostationäre Systeme investiert hat. In den letzten fünf Jahren wurde von vielen europäischen Anbietern, darunter Airbus und Thales Alenia, versäumt, rechtzeitig in LEO-Systeme zu investieren. Der Markt für geostationäre Satelliten hat sich mittlerweile halbiert, was zur Konsolidierung der europäischen Betreiber führte.
Die Antwort von Airbus auf die Herausforderungen im Satellitengeschäft ist das Projekt Onesat, eine neue Familie von geostationären Satelliten, die programmierbar sind. Dennoch hat sich das Unternehmen mit diesem Vorhaben erheblich verzettelt, und die Auslieferungen sind mehr als zwei Jahre hinter dem Zeitplan. Trotz des Stellenabbaus betont Airbus, dass qualifiziertes Personal für die Umsetzung von Onesat erforderlich sei. Eine Möglichkeit zur Effizienzsteigerung könnte darin liegen, Teile der Verwaltung zu reduzieren und Dienstleistungsbereiche zurück in die Geschäftsbereiche zu verlagern.
Es gibt Spekulationen über eine mögliche Kooperation oder Fusion mit dem französisch-italienischen Satelliten-Joint-Venture Thales Alenia, um die Wettbewerbsfähigkeit zu steigern. Beide Seiten müssten jedoch zuvor ihre Geschäfte sanieren. Darüber hinaus hat Airbus beschlossen, sich von politischen Projekten zurückzuziehen, die finanziell nicht tragfähig sind, was die Unsicherheiten im europäischen Raumfahrtgeschäft weiter verstärkt.
