Airbus kämpft mit neuen A320-Mängeln
Qualitätsprobleme bei Rumpfpanels bremsen Auslieferungen und belasten den Markt

Airbus sieht sich erneut mit einem industriellen Qualitätsproblem bei Flugzeugen der A320-Familie konfrontiert, nachdem zuvor bereits eine Rückrufaktion zur Behebung einer Softwareanfälligkeit durchgeführt worden war. Das Unternehmen bestätigte, dass Metallpanels an bestimmten Rumpfsektionen betroffen seien und die Quelle des Problems identifiziert worden sei. Die fehlerhaften Komponenten stammten von einem Zulieferer, dessen Name nicht genannt wurde. Airbus erklärte, dass die betroffenen Panels isoliert worden seien und neu produzierte Bauteile allen Anforderungen entsprächen.
Nach Informationen, die dem Unternehmen vorlagen, hatten die Qualitätsprobleme bereits Verzögerungen bei der Auslieferung mehrerer Dutzend Flugzeuge ausgelöst. Hinweise darauf, dass fehlerhafte Panels in bereits ausgelieferten Maschinen verbaut wurden, gab es nicht. Dennoch reagierten die Finanzmärkte empfindlich: Die Aktien des Herstellers verloren zwischenzeitlich bis zu 11 Prozent und gingen schließlich mit einem Minus von 5,9 Prozent aus dem Handel. Auch die Titel einiger Airline-Kunden wie Lufthansa und easyJet verzeichneten Kursrückgänge.
Die Qualitätsprobleme traten zu einem Zeitpunkt auf, an dem Airbus seine Anstrengungen zur Erreichung eines ambitionierten Jahresziels verstärkte. Branchenkreisen zufolge wurden im November 72 Flugzeuge ausgeliefert, weniger als viele Analysten erwartet hatten. Insgesamt belief sich die Zahl der Auslieferungen in diesem Jahr bislang auf 657 Maschinen. Um das Ziel von rund 820 Auslieferungen zu erreichen, müsste das Unternehmen im Dezember mehr als 160 Jets übergeben. Branchenexperten stuften dieses Ziel als äußerst anspruchsvoll ein.
Der jüngste Vorfall fügte sich in eine Reihe technischer und logistischer Herausforderungen ein. Nach der Entdeckung einer Softwareanfälligkeit, die durch starke Sonnenaktivität ausgelöst werden konnte, war mehr als die Hälfte der globalen A320-Flotte für eine Aktualisierung eingeplant worden. Die Umstellung auf eine neue Softwareversion verlief nach Unternehmensangaben schneller als erwartet, sodass der Flugbetrieb schrittweise wieder normalisiert wurde. Weniger als hundert Maschinen benötigten noch eine tiefergehende Hardwaremaßnahme.
Analysten bewerteten die Auswirkungen der Softwareproblematik als finanziell begrenzt, betonten jedoch die hohe Abhängigkeit von der A320-Produktion für das Gesamtgeschäft des Herstellers. Einschätzungen zufolge könnte Airbus bis zum Jahresende etwa 800 Auslieferungen erreichen, auch wenn Risiken für ein leicht niedrigeres Ergebnis bestanden. Die nun entdeckten Qualitätsmängel verstärkten die Unsicherheit darüber, in welchem Umfang und zu welchem Zeitpunkt Auslieferungen zusätzlich beeinträchtigt würden.
