Airbus bringt A320-Flotten wieder auf Kurs
Software-Update nach weltweitem Rückruf verkürzt Ausfallzeiten und stabilisiert den Betrieb

Die weltweiten Airbus-A320-Flotten näherten sich zu Wochenbeginn wieder dem regulären Betrieb, nachdem der Hersteller eine kurzfristige Software-Überarbeitung umgesetzt hatte. Auslöser war eine sicherheitsrelevante Schwachstelle, die nach einem Zwischenfall mit einem JetBlue-Flugzeug bekannt geworden war. Das Update erfolgte auf Anweisung internationaler Aufsichtsbehörden und betraf zahlreiche Betreiber von Asien bis Nordamerika, die die Aktualisierung in kurzer Zeit installierten. Einige Airlines benötigen weiterhin einen längeren Übergang, sodass die kolumbianische Avianca Buchungen vorerst bis zum 8. Dezember ausgesetzt hat.
Mit der Situation vertraute Personen berichteten, dass der beispiellose Beschluss zum vorübergehenden Rückruf von rund der Hälfte der globalen A320-Flotte unmittelbar nach der Meldung eines möglichen, wenn auch nicht belegten Zusammenhangs mit einem plötzlichen Höhenverlust des betroffenen JetBlue-Jets getroffen wurde. Airbus veröffentlichte daraufhin eine ausführliche Warnung an die Betreiber und machte die Reparatur vor dem nächsten Einsatz verpflichtend. Der Schritt weckte branchenweit Aufmerksamkeit, da die Maßnahme als umfangreichster Notfallrückruf des Unternehmens gilt und während eines besonders reiseintensiven Wochenendes erfolgte.
Brancheninsider verwiesen darauf, dass die weitreichende Warnung verdeutlichte, wie gering der Echtzeitüberblick über Softwarestände in einzelnen Flugzeugen ist. In den ersten Stunden nach Veröffentlichung der Anweisung fiel es vielen Airlines schwer, den konkreten Umfang der betroffenen Maschinen zu bestimmen, da keine Seriennummern genannt wurden. Innerhalb eines Tages konzentrierten sich Ingenieure jedoch auf spezifische Flugzeuge, wodurch mehrere Betreiber ihre Schätzungen zur Belastung und Anzahl der betroffenen Maschinen nach unten korrigierten. Die ursprünglich veranschlagten drei Stunden Arbeitszeit pro Flugzeug reduzierten sich in den meisten Fällen.
Die Lösung bestand darin, auf eine frühere Software-Version zurückzugehen, die den Anstellwinkel der Flugzeugnase steuert. Die Aktualisierung wurde mit einem kabelgebundenen Data Loader vorgenommen, um Cyberrisiken auszuschließen. Einige Unternehmen berichteten von Verzögerungen, da nicht genügend Geräte verfügbar waren, um eine große Zahl von Flugzeugen in kurzer Zeit zu aktualisieren. JetBlue erklärte, dass ein Großteil der eigenen Flotte bis Montag überarbeitet sei, wenngleich einzelne Flugstreichungen nötig blieben.
Unklar blieb zuletzt die Lage bei einer Gruppe älterer Maschinen, die nicht nur einen Software-Reset, sondern einen Austausch des Computers benötigen. Diese Zahl wurde inzwischen deutlich reduziert. Für die Branche gilt die Situation als Beispiel dafür, wie sehr sich das Krisenmanagement seit den Vorfällen rund um die Boeing-737-MAX verändert hat. Airbus-CEO Guillaume Faury entschuldigte sich öffentlich, was als bewusste Abkehr von früher zurückhaltenden Kommunikationsstrategien gewertet wird. Vertreter der Luftfahrtbranche betonten, dass Unternehmen heute stärker auf Transparenz setzen, um das Vertrauen von Behörden, Kunden und Passagieren zu sichern.
