Ärger um private Parkplatzfirmen wächst
Verbraucherschützer sehen unklare Regeln, hohe Strafen und fehlende Transparenz als Hauptprobleme

Beschwerden über private Parkplatzfirmen nehmen bundesweit deutlich zu. Verbraucherschützer berichten, dass Autofahrer vor allem unklare Regeln, hohe Vertragsstrafen und Schwierigkeiten bei der Erreichbarkeit der Anbieter kritisieren. Nach einer Umfrage unter den Verbraucherzentralen häufen sich die Fälle, in denen Betroffene wegen Verstößen auf schrankenlosen Parkplätzen mit automatischer Kennzeichenerfassung mit Forderungen konfrontiert werden. Häufig würden direkt Inkassounternehmen eingeschaltet, obwohl dies nach Einschätzung der Verbraucherschützer oft nicht zulässig sei. Dabei bewegen sich die Beträge schnell im dreistelligen Bereich.
In Niedersachsen wurde von einem Fall berichtet, bei dem eine Autofahrerin am Hauptbahnhof Hannover zunächst keine Gebühr zahlen musste, da sie sich in der Freiparkzeit von 15 Minuten befand. Bei der Ausfahrt hatte sie diese Zeit jedoch überschritten und erhielt eine Zahlungsaufforderung von 47 Euro. Kritisiert wird insbesondere eine mangelhafte Beschilderung der Geschäftsbedingungen. Auch Fälle, in denen trotz ordnungsgemäßer Zahlung nachträglich Vertragsstrafen erhoben werden, sind laut Verbraucherzentralen keine Seltenheit. Ein zusätzliches Problem besteht darin, dass viele Automaten keine Quittungen ausgeben. Tippfehler bei der Eingabe des Kennzeichens können zu falschen Strafen führen, da diese mit der automatischen Erfassung abgeglichen werden.
Die Anbieter weisen die Vorwürfe zurück. Mobility-Hub-Geschäftsführer Maximilian Schlereth erklärte, dass 99,5 bis 99,8 Prozent der Parkvorgänge reibungslos verliefen. Die meisten Probleme seien auf Eingabefehler zurückzuführen, die sich nachträglich klären ließen. In berechtigten Fällen zeige man sich kulant. Zur Höhe der Strafen betonte Schlereth, dass diese bewusst einen abschreckenden Charakter haben müssten. Auch das Unternehmen Park & Control teilte mit, Vertragsstrafen nur bei eindeutig dokumentierten Verstößen auszusprechen. Laut eigenen Angaben sei der Anteil sehr gering. Die Firma Wemolo verwies auf die täglich europaweit 2,5 Millionen Parkvorgänge und sprach von einem verschwindend geringen Anteil an Vertragsstrafen.
Besonders häufig werden private Parkplatzfirmen in Städten, an Sehenswürdigkeiten und bei Supermärkten eingesetzt. Mehrere Handelsketten wie Lidl, Aldi Nord und Kaufland betonten, nicht von Vertragsstrafen zu profitieren. Kaufland erklärte zudem, Verträge aufgrund von Kundenbeschwerden angepasst und mit einzelnen Dienstleistern beendet zu haben. Verbraucherschützer raten Autofahrern, Belege aufzubewahren und die Parksituation mit Fotos zu dokumentieren. Im Zweifel könne eine Beratung bei den Verbraucherzentralen helfen, da die Strafen oft überzogen oder die Bedingungen nicht ausreichend transparent seien.
