Absatzschwund bringt Biobauern in Grübeln
Biobauern kehren der Öko-Landwirtschaft den Rücken - Gründe und Folgen

In den letzten Jahren verzeichnete die Bio-Landwirtschaft einen kontinuierlichen Aufschwung, der jedoch nun ins Stocken zu geraten scheint. Erstmals seit Jahren sinken die Umsätze von Bioprodukten, was dazu führt, dass manche Bauern wieder auf konventionelle Erzeugung zurückgreifen. Eine Familie in Freiensteinau hat sich dazu entschlossen, nach zehn Jahren die Öko-Landwirtschaft aufzugeben und wieder auf konventionelle Landwirtschaft umzusteigen. Der Grund dafür ist, dass sich die Arbeit nach vielen Öko-Richtlinien als schwierig erwies, aber auch die wirtschaftlichen Bedingungen trugen zur Entscheidung bei. Die Einsparungen beim Futter und anderen Materialien sind höher als der Verlust durch elf Cent pro Liter weniger Milchpreis.
Für Gerold Rahmann, Präsident des Thünen-Instituts für Ökologischen Landbau, ist das jedoch keine Überraschung. Sobald es sich nicht mehr rechne, würden mehr Bauern in Deutschland diesem Schritt folgen. Das Thünen-Institut hat jedoch festgestellt, dass oft der Standort darüber entscheidet, ob sich Bio-Landbau oder konventionelle Landwirtschaft rechnet. Trotz allem gibt es immer noch 14% der Höfe in Deutschland, die ökologisch bewirtschaftet werden. Die Einkommen für Biobauern fallen statistisch gesehen höher aus, aber das hängt davon ab, ob es sich um Bio-Hof oder Bio-Ackerbau handelt.
Im letzten Jahr ging der Umsatz in der Bio-Branche erstmals seit Jahren um 3,5 Prozent zurück. Laut Rahmann handelt es sich jedoch um eine Flaute, die auf die Corona-Zeit zurückzuführen ist, da viele Menschen zu Hause aßen und Geld für Bio-Lebensmittel hatten. Nun gehen wieder mehr Menschen in die Kantinen, und der Absatz hat sich wieder normalisiert. Jedoch leidet der klassische Bio-Fachhandel unter der hohen Inflation, der Umsatz ging um neun Prozent zurück. Erfolgsgeschichte schreiben dagegen Supermärkte und Discounter: Sie konnten ihre Erlöse um 3,2 Prozent auf 10,2 Milliarden Euro erhöhen. Sie erhöhten auch kontinuierlich ihr Bio-Sortiment, ihr Anteil liegt inzwischen bei 62 Prozent.
Um das Ziel der Bundesregierung zu erreichen, dass bis 2030 30% der Fläche in Deutschland Öko-Landbau sein soll, ist jedoch noch ein langer Weg zu gehen. Anfang 2022 wurden gerade mal 1,8 Millionen Hektar ökologisch bewirtschaftet. Laut Rahmann können Verbraucher dazu beitragen, indem sie zu günstigeren Bio-Handelsmarken greifen. "Nur so kann ökologischer Landbau gesteigert werden. Fachmärkte allein machen das nicht."
