Burnham bestätigt russische Einmischung in Brexit-Referendum 2016
Britischer Premier Andy Burnham spricht erstmals offen über Beweise russischer Einmischung ins Brexit-Votum – betont aber Rechtmäßigkeit des Ergebnisses.

Der britische Premierminister Andy Burnham hat öffentlich erklärt, dass Russland sich in das Brexit-Referendum von 2016 eingemischt hat. Damit ist er der erste britische Regierungschef, der diese Aussage so klar trifft. Sein Büro stellte jedoch unmittelbar klar, dass Moskau das Abstimmungsergebnis nicht beeinflussen konnte und der Brexit-Beschluss rechtmäßig war.
Burnham äußerte sich in einem Interview mit dem Podcast „The Rest Is Politics". Er warnte dabei gleichzeitig die Wähler in Frankreich und Deutschland vor von Russland unterstützten Versuchen, deren Politik zu destabilisieren. Die Aussagen des Premiers sorgten umgehend für politische Reaktionen in London.
„Ich habe bei meinem Einzug in die Downing Street die Frage gestellt: Gab es beim Referendum 2016 eine Einmischung Russlands? Und ich habe die klare Antwort erhalten: Ja, die gab es", sagte Burnham wörtlich im Podcast. Nähere Details zur Art der Einmischung oder zu den zugrunde liegenden Beweisen nannte er nicht.
Die Details
Burnham übernahm das Amt des britischen Premierministers im Juli. Im vergangenen Monat hatte er bereits angedeutet, Großbritannien könne künftig einen Wiedereintritt in die Europäische Union in Erwägung ziehen – eine Aussage, die international für Aufsehen sorgte. Die neue Erklärung zur russischen Einmischung stellt eine weitere deutliche Abkehr von der Politik seiner Vorgänger dar.
Staatsminister Stephen Doughty vom Außenministerium präzisierte Burnhams Worte am Montag gegenüber Sky News. Er betonte, es gebe keine Beweise dafür, dass Russland das Referendum erfolgreich beeinflusst habe. Auf die Frage, ob eine Einmischung das Ergebnis hätte verändern können, antwortete Doughty knapp: „Sie hatten keinen Erfolg." Ein Sprecher Burnhams ergänzte, die Regierung betrachte das Ergebnis des Referendums als rechtmäßig.
Die russische Botschaft in London reagierte nicht auf eine Anfrage zur Stellungnahme. Russland hatte eine Einmischung in die Brexit-Abstimmung zuvor stets bestritten und Großbritannien vorgeworfen, von einer antirussischen Hysterie erfasst zu sein.
Nigel Farage, eine der führenden Figuren der Brexit-Kampagne, reagierte scharf auf Burnhams Aussagen. Er bezeichnete den Premier als „Lügner" und sagte, dieser habe „alle möglichen bizarren Ideen". Die Briten hatten 2016 mit 52 % zu 48 % für den Austritt aus der EU gestimmt – ein Ergebnis, das das Land in die schwerste politische Krise seit dem Zweiten Weltkrieg stürzte.
Hintergrund: Was bisher geschah
Bereits am 30.09.2026 berichtete aktien.news, dass Burnham auf der Jahreskonferenz der Labour Party in Liverpool eine umfassende politische Agenda vorgestellt hatte, zu der auch das Thema Brexit gehörte. Er versprach eine „neue Wirtschaft und neue Politik" und wollte damit Kritikern entgegentreten, die ihm Stil vor Substanz vorwarfen.
Ebenfalls am 30.09.2026 meldete aktien.news, dass Burnham einen möglichen Wiedereintritt Großbritanniens in die EU ins Spiel gebracht hatte. Er skizzierte dabei drei Optionen für einen geplanten UK-EU-Gipfel: den vollständigen Wiedereintritt in die EU, den Beitritt zum EU-Binnenmarkt oder die Aufnahme in eine Zollunion. Frankreich und Spanien reagierten positiv auf diese Signale – der französische Präsident Emmanuel Macron scherzte auf Englisch: „Willkommen zurück."
Am 02.10.2026 berichtete aktien.news erneut, dass Burnham in einem BBC-Interview die Möglichkeit eines weiteren Referendums über einen EU-Beitritt als „möglich" bezeichnete, jedoch betonte, ein solches Votum „wäre jetzt nicht der richtige Schritt". Eine allgemeine Wahl in Großbritannien wird derzeit nicht vor 2029 erwartet.
Burnhams aktuelle Aussagen zur russischen Einmischung markieren zudem eine klare Abkehr von der Position des ehemaligen Premierministers Boris Johnson. Dieser hatte für den EU-Austritt geworben und im Jahr 2020 erklärt, es gebe keine Beweise für eine russische Einmischung in das Referendum. Ein Bericht des Geheimdienst- und Sicherheitsausschusses des Parlaments aus demselben Jahr kam hingegen zu dem Schluss, dass die britische Regierung es versäumt habe festzustellen, ob Russland sich in das Referendum von 2016 eingemischt hat. Derselbe Bericht stellte fest, dass Russland versucht hatte, das schottische Unabhängigkeitsreferendum von 2014 zu beeinflussen, bei dem die Wähler eine Unabhängigkeit ablehnten.
Was das für Anleger bedeutet
Für deutsche Privatanleger sind Burnhams Aussagen vor allem als politisches Signal relevant. Die Kombination aus dem Eingeständnis russischer Einmischung und den anhaltenden Debatten über einen möglichen EU-Wiedereintritt Großbritanniens schafft ein Umfeld erhöhter politischer Unsicherheit auf der britischen Insel. Solche Unsicherheiten können sich auf das Pfund Sterling, britische Aktien und den Handel zwischen der EU und dem Vereinigten Königreich auswirken.
Gleichzeitig betont die britische Regierung ausdrücklich, dass das Brexit-Ergebnis rechtmäßig bleibt. Ein tatsächlicher Wiedereintritt in die EU ist frühestens nach der nächsten britischen Parlamentswahl denkbar, die nicht vor 2029 erwartet wird. Kurzfristige strukturelle Veränderungen im Verhältnis zwischen Großbritannien und der EU sind daher nicht zu erwarten.
Ausblick
Burnham hat angekündigt, die Optionen für die künftige Beziehung Großbritanniens zur EU auf einem geplanten UK-EU-Gipfel zu diskutieren. Konkrete Termine für diesen Gipfel wurden bislang nicht genannt. Eine allgemeine Wahl in Großbritannien wird derzeit nicht vor 2029 erwartet – erst dann könnte ein mögliches Referendum über einen EU-Wiedereintritt auf dem Wahlprogramm stehen.
Burnham betonte im Podcast, es sei wichtig, die Wähler in europäischen Demokratien besser über Versuche zur Störung ihrer Politik zu informieren. „Ich glaube, es hilft den Wählern in Deutschland und Frankreich zu verstehen, dass ein Teil dieser Politik von unseren Feinden, namentlich Russland, angestiftet wird", sagte er.
Kurz erklärt
- Brexit: Bezeichnung für den Austritt des Vereinigten Königreichs aus der Europäischen Union, der nach einem Referendum beschlossen wurde.
- Geheimdienst- und Sicherheitsausschuss: Ein parlamentarisches Kontrollgremium in Großbritannien, das die Arbeit der Nachrichtendienste überwacht und bewertet.
- Binnenmarkt: Ein gemeinsamer Wirtschaftsraum innerhalb der EU, in dem Waren, Dienstleistungen, Kapital und Personen frei zirkulieren können.
