Xatśūll First Nation kündigt Abkommen mit Spanish Mountain Gold
Die Xatśūll First Nation beendet ihre Vereinbarungen mit Spanish Mountain Gold; die Aktie des Goldentwicklers verliert 14,7 Prozent.

Die Xatśūll First Nation aus der Cariboo-Region im zentralen Binnenland der kanadischen Provinz British Columbia hat am Donnerstag mitgeteilt, dass sie ihre Vereinbarungen mit Spanish Mountain Gold (TSX-V: SPA) gekündigt hat. Das Unternehmen treibt in dem Gebiet sein gleichnamiges Goldprojekt voran. Die Aktien von Spanish Mountain Gold reagierten deutlich negativ: Zum Marktschluss in Toronto notierten die Papiere 14,7 Prozent im Minus. Die Marktkapitalisierung des Unternehmens beläuft sich auf 135,4 Millionen kanadische Dollar (98,1 Millionen US-Dollar).
Die Kündigung betrifft zwei Vereinbarungen, die die indigene Gemeinschaft und das Bergbauunternehmen in den Jahren 2012 und 2021 geschlossen hatten. Beide dienten dazu, Verhandlungen über eine sogenannte Beziehungsvereinbarung für das geplante Bergwerk am Spanish Mountain zu unterstützen. Eine solche Beziehungsvereinbarung wurde jedoch nie finalisiert. Nach Angaben der Xatśūll hat das Projekt seitdem erhebliche und grundlegende Veränderungen erfahren.
Die zeitliche Abfolge der Kündigung ist dabei zweistufig: Bereits im April 2026 informierte die Xatśūll Spanish Mountain Gold formell darüber, dass sie das Engagement-Protokoll aus dem Jahr 2021 mit sofortiger Wirkung beendet. Im September 2026 teilte sie dem Unternehmen dann mit, dass sie auch das Protokollabkommen aus dem Jahr 2012 kündigt. Damit bestehen zwischen Spanish Mountain Gold und der Xatśūll First Nation keine weiteren Vereinbarungen mehr.
Die Details
Die Xatśūll begründet den Schritt in ihrer Pressemitteilung mit der veränderten Projektlage. „Infolgedessen spiegeln die früheren Vereinbarungen weder das vorgeschlagene Projekt wider noch bieten sie den notwendigen Rahmen, um eine kooperative und für beide Seiten vorteilhafte Beziehung zwischen Xatśūll und SMG zu unterstützen“, heißt es in der Mitteilung der Gemeinschaft. Die ursprünglichen Vereinbarungen aus den Jahren 2012 und 2021 seien vor diesem Hintergrund nicht mehr tragfähig.
Kúkwpi7 (Häuptling) Rhonda Phillips unterstrich die Bedeutung des Gebiets für ihre Gemeinschaft: „Spanish Mountain ist ein Ort, an dem sich Mitglieder der Xatśūll weiterhin zum Sammeln von Nahrungsmitteln und Heilpflanzen treffen, mit der Familie zelten, das Land zur Erholung und für das kulturelle Wohlbefinden nutzen und lebendige Verbindungen zu spirituell und kulturell bedeutenden Orten aufrechterhalten.“ Zugleich stellte sie klar: „Xatśūll unterstützt eine nachhaltige Ressourcenentwicklung, die die Rechte der First Nations wahrt und die Länder und Gewässer schützt, die unser Volk seit Anbeginn der Zeit bewirtschaftet. Wir werden bewusst darüber entscheiden, wie industrielle Aktivitäten in einem Gebiet stattfinden, das für unsere Nation von solcher kultureller, spiritueller und ökologischer Bedeutung ist.“
Spanish Mountain Gold selbst gab am Donnerstag keine Stellungnahme zu der Kündigung ab. In einer Veröffentlichung vom 21. September erklärte das Unternehmen jedoch, dass es die Bestätigung der Provinzbehörden erhalten habe, den zuvor pausierten Prozess der Umweltverträglichkeitsprüfung und der Genehmigungswillfährigkeit wieder aufzunehmen. „Von März bis August 2026 hat SMG eng mit dem BC Environmental Assessment Office, der Impact Assessment Agency of Canada, beteiligten indigenen Nationen und lokalen Gemeinden zusammengearbeitet, um im August die Genehmigung der BCEAO zu erhalten, die zuvor pausierten kombinierten provincialen und föderalen Prozesse der Umweltverträglichkeitsprüfung wieder aufzunehmen“, so das Unternehmen.
Für den weiteren Fahrplan des Projekts nannte Spanish Mountain Gold konkrete Eckpunkte: „Aufgrund dessen und vorbehaltlich der Ergebnisse geotechnischer und Enteignungsbohrungen befindet sich SMG auf Kurs, um einen aktualisierten Entwurf der Detaillierten Projektbeschreibung (DPD) im vierten Quartal und die formelle Einreichung der DPD im ersten Quartal 2027 abzuschließen.“ Der Zeitplan für das Genehmigungsverfahren steht damit, während die Beziehung zu einer der betroffenen indigenen Gemeinschaften nun ohne vertragliche Grundlage auskommen muss.
Hintergrund: Was bisher geschah
Bereits am 09.06.2026 berichtete aktien.news über ein Gerichtsurteil zum KSM-Projekt von Seabridge Gold im sogenannten Goldenen Dreieck in British Columbia. Der Oberste Gerichtshof der Provinz bestätigte dabei die Feststellung der Umweltprüfungsbehörde (EAO), dass das Projekt zum 24. Juli 2024 als wesentlich begonnen galt, stellte jedoch einen Verfahrensmangel fest, weil die Behörde indigene Belange nicht ausreichend berücksichtigt habe. Der Fall zeigt, wie eng Genehmigungsverfahren in British Columbia mit der Konsultation indigener Gemeinschaften verknüpft sind.
Am 15.06.2026 meldete aktien.news starke Bohrergebnisse von Spanish Mountain Gold aus dem laufenden Machbarkeits-Bohrprogramm 2025–2026. Das Unternehmen veröffentlichte Analysen aus acht Diamantbohrlöchern seines Projekts im Cariboo Gold Corridor; bis dahin waren rund 28.500 Meter an Bohrungen abgeschlossen, davon 13.400 Meter im geplanten 60.000-Meter-Programm der Machbarkeitsstudie 2026.
Am 14.07.2026 folgte der nächste Bericht: Spanish Mountain Gold veröffentlichte Analyseergebnisse aus sieben Diamantkernbohrungen, die die Orca-Verwerfung deutlich erweiterten. Das Programm war im März 2026 gestartet, bis dahin waren rund 17.143 Meter abgeschlossen. Ziel war es, das Vertrauen in die bestehenden Ressourcen durch Infill-Bohrungen zu erhöhen und die Mineralressource zu erweitern.
Am 15.09.2026 berichtete aktien.news schließlich, dass die Osisko Gold Group die behördliche Genehmigung für ihr Cariboo-Goldprojekt in Zentral-Britisch-Kolumbien erhalten hat. Der erste Goldguss dieser unterirdischen Mine soll Anfang 2029 erfolgen. Die Region Cariboo ist damit Schauplatz mehrerer paralleler Goldbergbau-Vorhaben mit unterschiedlichem Genehmigungsstand.
Was das für Anleger bedeutet
Für Aktionäre von Spanish Mountain Gold ist die Kündigung ein Rückschlag, der sich unmittelbar im Kurs niedergeschlagen hat. Der Abschlag von 14,7 Prozent zum Handelsschluss in Toronto zeigt, dass der Markt die fehlende vertragliche Basis mit der Xatśūll First Nation als Risiko für den weiteren Projektverlauf bewertet. Bei Bergbauprojekten in British Columbia ist die Zustimmung oder zumindest der konstruktive Dialog mit betroffenen First Nations ein zentraler Faktor im Genehmigungsprozess.
Gleichzeitig bleibt festzuhalten, dass Spanish Mountain Gold nach eigenen Angaben die Genehmigung zur Wiederaufnahme der zuvor pausierten Umweltverträglichkeitsprüfung erhalten hat und einen Zeitplan für die Detaillierte Projektbeschreibung vorlegt. Das Unternehmen hat zur Kündigung selbst keine Stellungnahme abgegeben, sodass offen ist, wie es auf den Schritt der Xatśūll reagieren wird. Anleger sollten die weitere Berichterstattung des Unternehmens sowie den Fortgang des Genehmigungsverfahrens aufmerksam verfolgen. Dies ist keine Kauf- oder Verkaufsempfehlung.
Ausblick
Konkrete Termine nennt bislang nur Spanish Mountain Gold: Der aktualisierte Entwurf der Detaillierten Projektbeschreibung soll im vierten Quartal abgeschlossen werden, die formelle Einreichung der DPD ist für das erste Quartal 2027 vorgesehen. Beides steht unter dem Vorbehalt der Ergebnisse geotechnischer und Enteignungsbohrungen. Die Xatśūll First Nation hat ihrerseits keine Angaben dazu gemacht, ob und unter welchen Bedingungen sie wieder Gespräche mit dem Unternehmen aufnehmen würde.
Kurz erklärt
- First Nation: Indigene Gemeinschaft in Kanada, die über eigene Rechte an Land und Ressourcen verfügt und bei Bergbauvorhaben konsultiert werden muss.
- Umweltverträglichkeitsprüfung: Behördliches Verfahren, das die Folgen eines großen Projekts für Umwelt und Gemeinschaften bewertet, bevor Genehmigungen erteilt werden.
- Detaillierte Projektbeschreibung (DPD): Ausführliches Dokument, mit dem ein Unternehmen sein Vorhaben bei den Genehmigungsbehörden einreicht.
- Marktkapitalisierung: Gesamtwert aller frei handelbaren Aktien eines Unternehmens an der Börse.
