Wartezeiten an Ladesäulen im Sommer 2024
Überlastung der Infrastruktur zeigt Engpässe während Ferien und Stoßzeiten auf

In diesem Sommer 2024 haben viele Elektroautofahrer in Deutschland Wartezeiten an den Ladesäulen erlebt, besonders auf Autobahnparkplätzen. Häufig waren alle verfügbaren Ladepunkte belegt, was zu langen Wartezeiten führte, bevor ein Platz frei wurde. Besonders zu Ferienbeginn und -ende sowie an Wochenenden, wie freitags und sonntags, war die Situation angespannt. Diese Engpässe könnten ein Vorgeschmack auf die Herausforderungen sein, die durch den geplanten Ausbau der Elektromobilität in Deutschland entstehen, insbesondere mit Blick auf das Ziel, bis 2030 etwa 15 Millionen Elektroautos auf den Straßen zu haben. Aktuell gibt es jedoch nur rund 1,5 Millionen Elektroautos und etwas mehr als 100.000 Ladepunkte. Trotz des bereits erlebten Anstiegs der Elektromobilität wird erwartet, dass dieses Verhältnis auch in den kommenden Jahren beibehalten wird, um eine flächendeckende Versorgung sicherzustellen.
Torsten Kiedel, Finanzvorstand beim Schnell-Ladesäulenanbieter Ionity, sieht die Lage jedoch gelassener. Seiner Meinung nach ist die aktuelle Ladeinfrastruktur gut aufgestellt, und es gebe derzeit sogar eine Überkapazität an Ladepunkten, da die Neuzulassungen von Elektroautos hinterherhinken. Die Wartezeiten an den Ladesäulen seien vor allem ein Ergebnis der Stoßzeiten während der Ferien und an Wochenenden. Ionity, ein Unternehmen, das von großen Automobilherstellern wie VW, BMW, Mercedes, Ford und Hyundai sowie dem Finanzinvestor Blackrock unterstützt wird, plant seine Ladeinfrastruktur gezielt nach der Nachfrage. Meistens beginnt Ionity mit sechs Ladepunkten pro Standort und erweitert diese bei Bedarf auf bis zu 24 Ladepunkte. Für eine wirtschaftliche Rentabilität sei eine Auslastung von über zehn Prozent erforderlich, und aktuell liege die Auslastung bei Ionity im zweistelligen Bereich.
Ein vollständiger Stau an den Ladesäulen dürfte dennoch nicht zur Regel werden, auch wenn viele Urlauber in den typischen Stoßzeiten damit konfrontiert waren. Kiedel betont, dass Ionity bereits Maßnahmen ergreift, um solche Situationen zu entschärfen, indem beispielsweise vor Ort das Verkehrsmanagement unterstützt wird. Die durchschnittliche Ladezeit betrage etwa 20 bis 30 Minuten, was bedeutet, dass selbst bei mehreren wartenden Autos die Wartezeiten oft kürzer seien als erwartet.
Experten wie Peter Wüstnienhaus raten den Fahrern zudem, sich auf solche Situationen vorzubereiten, indem sie mehrere Ladekarten und -apps nutzen, um flexibel auf alternative Ladepunkte ausweichen zu können. Moderne Elektrofahrzeuge bieten oft die Möglichkeit, Echtzeitdaten über die Verfügbarkeit von Ladepunkten anzuzeigen, was die Planung eines Ladestopps erleichtert und lange Wartezeiten vermeiden kann.
